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Zwei Jahre nach Istanbul: Anschlagsopfer enttäuscht

Greifswald Zwei Jahre nach Istanbul: Anschlagsopfer enttäuscht

Der Prozess gegen die mutmaßlichen Unterstützer des Selbstmordattentäters, der am 12. Januar 2016 in der Türkei den Tod von 13 Touristen verschuldete, verläuft schleppend. Das Greifswalder Ehepaar, das den Anschlag überlebte, quälen die Erinnerungen.

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Ein Bild, das sich bei vielen Menschen eingebrannt hat: Rettungskräfte kümmerten sich vor zwei Jahren um die Verletzten des Terroranschlags auf dem Sultan-Ahmed-Platz im türkischen Istanbul. Walter Kienast und seine Frau aus Greifswald überlebten den Anschlag.

Quelle: DPA

Greifswald. Der Greifswalder Walter Kienast ist enttäuscht, dass die Ermittlungen bisher kein Ergebnis haben.  26 mutmaßliche Unterstützer des Selbstmordattentäters, dessen Anschlag vor zwei Jahren zwölf Deutsche und einen Peruaner im türkischen Istanbul das Leben kostete, stehen seit Sommer 2016 vor Gericht. Ein Urteil gibt es bisher nicht. Der 67-Jährige und seine Frau hatten das Attentat überlebt, leiden aber bis heute an dessen Folgen.

Anschlag kostete 13 Menschen das Leben

12. Januar 2016: Inmitten einer deutschen Reisegruppe sprengte sich vor zwei Jahren ein Attentäter in Istanbul in die Luft. Elf deutsche Touristen sterben bei dem Anschlag, außerdem ein Peruaner, der sich auch auf dem Platz befand. 13 Urlauber werden verletzt, eine Frau erlag später in Deutschland ihren Verletzungen.

Urteil war für Montag erwartet worden

Am Montag dieser Woche sollte eigentlich das Urteil gesprochen werden. Stattdessen wird das Verfahren am 24. Januar fortgesetzt. Warum kurz vor Abschluss des Verfahrens die Richter ausgewechselt wurden, blieb unklar. Die türkische Regierung macht die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) für den Anschlag verantwortlich.

„Die Details des Prozesses lassen wir bewusst nicht so dicht an uns heran“, betont Kienast. Den fürchterlichen Knall, die Toten und Verletzten, die Schreie der Menschen, das Geheul der Krankenwagen – noch heute quält die Familie die Erinnerung an diesen verhängnisvollen Tag, der morgen genau zwei Jahre zurückliegt. Bis heute mühen sie sich, das Geschehen zu verarbeiten. Das Ehepaar, das seit mehr als 40 Jahren verheiratet ist, hatte längere Zeit auch Kontakt zu Mitreisenden, die wie sie die Tour bei einem Berliner Reisebüro gebucht hatten. Auf Wunsch der Opfer traf sich Walter Kienast auch mit Angehörigen der Toten. Diese Treffen, schon die Telefonate, hätten „alles immer wieder aufgewühlt“, berichtet der langjährige Greifenfleisch-Geschäftsführer.

Andere Opfer verlangen mehr Unterstützung der Behörden

André Franke, der in Sachsen lebt, hat bei dem Attentat seine Mutter verloren. Der Sachse wünscht sich, dass vonseiten der deutschen Behörden mehr für das Gedenken an die Opfer getan wird. Weil es für die Opferfamilien so gut wie unmöglich sei, den Prozess in Istanbul persönlich zu verfolgen, brauchten sie mehr Unterstützung der Behörden. Es müsse jemand da sein, der sage, „ich kümmere mich und gebe das dann an die Betroffenen weiter“. Doch egal was bei dem Prozess herauskomme, „die Menschen werden nicht mehr lebendig“, weiß Franke.

Hauptverdächtige kommen aus Syrien und dem Irak

Als Attentäter hatten die türkischen Behörden den 1988 in Saudi-Arabien geborenen Syrer Nabil Fadli identifiziert, der im Auftrag der Terrormiliz IS gehandelt haben soll. Im Prozess gegen seine Unterstützer gibt es vier Hauptverdächtige – einen Iraker und drei Syrer. Den drei Syrern wirft die Staatsanwaltschaft vor, „mit dem Ziel des Terrors“ zwölf Menschen getötet zu haben, und fordert lebenslange Haft. Dem Iraker drohen bis zu 15 Jahre Gefängnis wegen Mitgliedschaft beim IS. Alle vier beteuerten im Prozess jedoch ihre Unschuld. Für die restlichen 22 Beschuldigten – die meisten ebenfalls Syrer – fordert die Staatsanwaltschaft Freispruch aus Mangel an Beweisen.

Kienast: „Wir haben überlebt, das ist das Wichtigste“

Walter Kienast und seine Frau kämpfen sich zurück in die Normalität des Alltags. Schönstes Ergebnis: Vor ein paar Tagen haben sie die Reise nachgeholt, die vor zwei Jahren in Istanbul so ein erschreckendes Ende fand. Denn eigentlich sollte die Metropole am Bosporus nur eine Zwischenstation sein, ein kurzer Stopp auf dem Wege ins Wüstenemirat Dubai. „Wir hatten uns schon kurz nach dem Anschlag vorgenommen, die Reise nach Dubai nachzuholen“, sagt Kienast. „Denn wir wollten uns nicht unterkriegen lassen.“ Ursprünglich hätten auch andere Betroffene dabei sein wollen. „Doch sie sind noch nicht so weit.“ Einige hätten gesundheitliche Rückschläge erlitten, seien noch oder wieder in psychologischer Betreuung. Auch wenn das Greifswalder Ehepaar die Folgen des Anschlags bis heute nicht vollständig überwunden hat, meint Walter Kienast: „Wir haben überlebt, das ist das Wichtigste.“

Elke Ehlers

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