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Greifswald Zwei Stunden reden und gut zuhören
Vorpommern Greifswald Zwei Stunden reden und gut zuhören
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00:00 10.11.2016
Vorpommern-Staatssekretär Patrick Dahlemann (SPD) im Gespräch mit zwei Vorstandsmitgliedern der Bürgerinitiative Kreiskrankenhaus, Anke Kieser (CDU/l.) und die ehemalige Kinderärztin an der Klinik, Dr. Brigitte Knappik. Die Unterredung dauerte rund zwei Stunden. Quelle: Kai Ottenbreit

Immerhin, der Anfang ist gemacht. Mit dem rund zweistündigen Gespräch zwischen dem Vorstand der Bürgerinitiative und Vorpommern-Staatssekretär Patrick Dahlemann (SPD) haben die Gastgeber am Dienstagabend erstmals auf Augenhöhe mit der Landespolitik verhandelt. Allerdings: Beide Seiten betonten im Anschluss, dass es ein intensives Reden und Zuhören war, sachlich, offen, informativ – aber eben auch nicht mehr.

Wir bleiben gesprächs-

bereit. Wir bleiben kompro-

missorientiert, aber nicht um jeden Preis. (...) Wir nehmen alle Gesprächsangebote an, um für unser Konzept zu werben, (...) für eine stationäre Versorgung in Wolgast für Kinder und Schwangere.“

Presseerklärung der BI

Die Bürgerinitiative gibt sich weiter entschlossen. Ihr Vorstand mahnt schon zu diesem frühen Zeitpunkt des Dialogs mit den Politikern kritisch an, dass „schöne Worte allein nicht ausreichen“, man wolle Taten sehen. Dazu gehöre ihrer Meinung nach auch, dass sich Dahlemann – der sich anbot, künftig als Koordinator zum Schweriner Kabinettstisch zu fungieren – noch tiefer ins Thema einarbeiten müsse. Dennoch, so beide Seiten, habe es zunächst einen Faktencheck gegeben, den zu vertiefen die BI entschieden fordert. „Dazu haben wir umfangreiche Unterlagen an den Staatssekretär übergeben, darunter ein Gutachten zur Geburtenentwicklung in der Region sowie eine Akte voll gesammelter Missstände seitens der Klinik-Geschäftsführung“, informierte BI-Vorständler Lars Bergemann. Dahlemann bestätigte seinerseits, dass er recht schnell einen ganzen Katalog weiterführender Fragen der BI erwarte, die er an die zuständigen Stellen zur Beantwortung weiterleiten werde. Etwa an Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU). Der soll übrigens am gleichen Abend auf einer Veranstaltung in Berlin gesagt haben, dass beabsichtigt sei, am Standort Wolgast „etwas für die Kindermedizin zu tun.“ Was das sein soll, ist ebenso offen wie die Antwort auf die Frage, ob auch die Wiedereröffnung der Geburten- und der gynäkologischen Station zur Debatte steht. Auf jeden Fall sollen bis zum Gesprächstermin mit Glawe (die Rede ist vom 16. November, wiederum in der Wolgaster Konditorei Biedenweg) erste Unklarheiten möglichst ausgeräumt sein. „Wir können nicht immer wieder bei Null anfangen zu reden“, sagt Bergemann.

Beide Seiten sind sich einig, dass die Gespräche intensiv fortgesetzt und ergebnisoffen geführt werden sollen. Dennoch bleibt die BI bis auf Weiteres „auf der Straße“, will so öffentlich Flagge zeigen und auf die Verantwortlichen Druck ausüben. Bereits für den nächsten Montag (14. November) ist erneut eine Mahnwache an der Klinikeinfahrt Chausseestraße geplant. Sie richtet sich gegen die erst in der Vorwoche bekannt gewordene Schließung des Labors am Kreiskrankenhaus zum 1. Januar 2017. „Wir sind empört darüber und wollen das nicht so akzeptieren“, formuliert es der Vorstand der BI.

Auch weitere wichtige Termine sind anberaumt. So am 23. November eine Unterredung mit der SPD-Landtagsfraktion und am 30. November ein Gespräch mit Regierungschef Erwin Sellering (SPD), voraussichtlich in der Staatskanzlei. Kritiker finden freilich: Während die Vorständler auf ihren privaten Fahrkosten sitzen bleiben, könnte sich der Regierungschef doch in der großen Karosse von seinem Fahrer nach Wolgast bringen lassen. Schau’n wir mal!

Ein anderer Termin scheint zu wackeln. Nämlich die Stippvisite der Linken-Landtagsfraktion am Dienstag nächster Woche bei der BI. Nach OZ-Informationen sei diese Begegnung so lange in Frage gestellt, wie sich die BI nicht ausdrücklich von der Gruppierung Frieden, Freiheit, Demokratie und Gerechtigkeit (FFDG) distanziert. Ein Brief der Genossen aus Schwerin soll dazu nach Wolgast unterwegs sein.

Genau diese heikle Frage dürfte noch einmal gehörig Staub aufwirbeln in Vorpommern. Denn die Meinungen darüber, ob man mit der FFDG oder anderen Gruppen zusammen auf die Straße geht, differieren.

Dahlemann: „Ich habe für meine Person klargestellt, dass es solcher politischer Kräfte nicht bedarf, um nach Lösungen zu suchen.“

Und für alle, die nun hoffen, schnell zu simplen Lösungen zu kommen, hat der Staatssekretär noch einen Dämpfer parat: „Es geht für mich und die Landesregierung auch immer darum, die Kinderversorgung in ganz Vorpommern-Greifswald abzusichern.“ Will sagen: Für eine ordentliche Wolgaster Lösung braucht es noch einen langen Atem.

Steffen Adler

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