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Grimmen 168 Kindertagesstätten in Vorpommern-Rügen: Viele platzen aus allen Nähten
Vorpommern Grimmen 168 Kindertagesstätten in Vorpommern-Rügen: Viele platzen aus allen Nähten
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00:05 07.06.2017

Stralsund. 16127 Kita-Plätze gibt es in Vorpommern-Rügen in Krippe, Kindergarten und Hort. Sie sind zu 89 Prozent ausgelastet. Mit anderen Worten: Es müssten mehr als 1700 Plätze frei sein. Doch das ist nur eine Zahl auf dem Papier, denn klingeln die Eltern in den Einrichtungen an, zeichnen die meisten Kita-Leiterinnen ein anderes Bild: Plätze sind Mangelware, Eltern werden weggeschickt.

Stralsund. 16127 Kita-Plätze gibt es in Vorpommern-Rügen in Krippe, Kindergarten und Hort. Sie sind zu 89 Prozent ausgelastet. Mit anderen Worten: Es müssten mehr als 1700 Plätze frei sein.

Dass sich die Lage an der Kita-Front in der Hansestadt Stralsund zugespitzt hat, ist nichts Neues. Hier gibt es besonders rund um die Altstadt eine große Nachfrage, die in lange Wartelisten mündet (die OZ berichtete). Doch mittlerweile sind die Plätze auch in den anderen Städten des Kreises super gut ausgelastet. So hat Grimmen ein Problem bei den Drei- bis Sechsjährigen – 260 Plätze gibt es in allen Einrichtungen, 284 Kinder werden aber zurzeit betreut. In Ribnitz-Damgarten sind die 429 Plätze mit 458 Mädchen und Jungen belegt. In Putbus zeigt die Statistik von März 2017 eine 117-prozentige Auslastung im Kindergarten: 96 Plätze – 112 betreute Kinder.

„Wir sind rappelvoll. Wir haben in Putbus 12 Krippen- und 32 Kindergartenplätze. Da wir sowohl den Platz als auch das Personal haben, haben wir eine kurzzeitige Ausnahmegenehmigung bekommen“, sagt Karin Felgenhauer. Die Kita-Bereichsleiterin im Kreisdiakonischen Werk in Stralsund betont, dass die Situation überall gleich knifflig ist. „Auch in Gingst sind wir ausgelastet, und selbst auf Hiddensee gibt es keinen einzigen Platz mehr. Da schaffen wir jetzt aber durch einen Neubau weitere Angebote.“ Eine Großgemeinde sticht aus der Statistik heraus: In Süderholz sind die Kindergartenplätze zu 126 Prozent ausgelastet. Hier werden in Kandelin, Griebenow, Klevenow und Neuendorf statt sonst 92 mittlerweile 116 Mädchen und Jungen betreut. „Das geht nur, weil wir freie Krippenkapazitäten in Kindergartenplätze umwandeln und damit eine Ausnahmeregelung erwirken“, sagt Antje Groß-Klußmann, Geschäftsführerin des Familiensozialprojekts in Grimmen. Der Verein betreibt unter anderem die kleinen Kindertagesstätten in Griebenow mit 32 und Kandelin mit 52 Plätzen. Wie ist der Run auf die Land-Kitas zu erklären? „Wir haben seit ein paar Jahren wieder mehr Geburten.

Lagen wir mal bei 30, sind es jetzt 35 bis 37. Das zeigt, die jungen Familien fühlen sich wohl bei uns“, sagt Siegmund Kunath, stellvertretender Bürgermeister der Großgemeinde Süderholz, und betont:

„Das geht ja in der Grundschule weiter. Wir haben so eine positive Entwicklung, dass wir ab 2018 in allen Klassen zweizügig sind.“

Noch vor wenigen Jahren war es für Eltern schwer, einen Krippenplatz zu bekommen. Hier hat sich die Situation im gesamten Kreis entspannt. Die Auslastungen der insgesamt 2749 Plätze im Kreis schwankt von 48 Prozent in Putbus und Süderholz bis zu 98 Prozent im Amtsbereich Niepars. Junge Familien nutzen aber auch gern das Angebot der Tagespflege. Hier gibt es in Vorpommern-Rügen 723 Plätze, 616 sind derzeit belegt.

Der einstige Krippen-Engpass hat sich jetzt also verschoben auf das Kindergartenalter. Die 168 Kitas des Kreises sind zwar nur zu rund 90 Prozent belegt, aber wie die erwähnten Beispiele in Putbus, Stralsund, Grimmen und Ribnitz-Damgarten zeigen, gibt es große regionale Unterschiede. Beste Aussichten auf einen Kindergartenplatz haben Eltern zurzeit im Amtsbereich Fischland-Darß und in der Gemeinde Zingst. Hier sind noch rund 80 Plätze frei.

„Ich kann Familien nur raten, flexibel zu sein. Die Eltern auf dem Lande sind es gewohnt zu fahren. Aber in der Stadt? Wir haben zum Beispiel vor den Toren der Hansestadt drei Plätze in Langendorf frei, das ist doch von Stralsund aus kein großer Weg, und wenn ich dringend suche...“, findet Storchennest-Chefin Anke Ehrecke. Dennoch: Ohne ein Aufstocken der Plätze wird das Problem nicht zu lösen sein.

Kita-Träger wollen bauen

Stralsund. Allein in Stralsund fehlen in den nächsten Jahren über 100 Kita-Plätze, hieß es in der letzten Bürgerschaftssitzung. Doch auch in vielen anderen Orten platzen die Kitas aus allen Nähten, wie man in oben stehendem Beitrag lesen kann. In erster Linie ist das Jugendamt des Kreises für die Betreuung in den 168 Kitas verantwortlich – ebenso wie für eine langfristige Jugendhilfeplanung.

Immer wieder stellte man in den letzten Monaten fest, dass die Einrichtungen geradezu überrollt wurden von der großen Nachfrage, die Prognosen stimmten also nicht. Natürlich könnten sich die Kommunen mit Verweis auf das Jugendamt entspannt zurücklehnen. Doch auch sie sind in der Verantwortung, gemeinsam mit den Trägern eine Lösung zu finden.

Viele Kita-Träger denken inzwischen über Neu- und Anbauten nach. Projekte werden vorbereitet. „Wir haben beim Landkreis und der Stadt unsere Interessenbekundung eingereicht. Uns schwebt für den Neubau ein bahnhofsnahes Grundstück vor“, berichtet Martin Pollmann vom Internationalen Bund der OZ. Neu bauen will auch der Montessori-Verein in Grünhufe. Das Grundstück ist unter Dach und Fach, jetzt wartet man auf die versprochenen Millionen vom Bund und das entsprechende Förderprogramm. Wenn die Bedingungen dazu raus sind, will auch der Storchennest-Verein bauen. „Wir wollen die Kita in Niepars erweitern. Und auch in Barth wäre noch einiges zu tun, hier müssen wir aber erst warten, wie das Schulproblem gelöst wird“, sagt Storchennest-Chefin Anke Ehrecke. Birgit Rubbert vom Chamäleon-Verein verrät im OZ-Gespräch, dass auch dieser Verein eine Kita bauen möchte, und zwar in Stralsund. „Das Projekt nimmt langsam Züge an. Bei der Grundstückssuche bauen wir auf Unterstützung der Stadt.“

Das Kreisdiakonische Werk plant in diesem Jahr ebenfalls Bauarbeiten, und zwar in der Kita Inselkrabben auf Hiddensee. „Wir stocken von 48 auf 66 Plätze auf“, sagt Karin Felgenhauer und erklärt, dass 2,5 Millionen investiert werden. Zudem kann der Träger mit Förderung von Bund und Kreis planen. Ines Sommer

Über die Hälfte der Lütten wird betreut

Deutschlandweit hat sich der Anteil der unter Zweijährigen, die in der Krippe oder von Tageseltern betreut werden, bei 33 Prozent eingependelt. Im Kreis Vorpommern-Rügen verbringen 55,9 Prozent aller unter Zweijährigen den Tag in Kinderkrippen oder bei Tagesmuttis – so die Daten des Statistischen Landesamtes. Die Zahlen sind, wie unsere Grafik zeigt, relativ stabil.

Vorreiter der frühen Betreuung, die nicht in Elternhand liegt, sind die neuen Bundesländer. Mit der aktuellen Betreuungsquote von 55,9 Prozent ist im Kreis Vorpommern-Rügen mit Blick über die Landesgrenze das Kind in der Krippe schon fast der Regelfall. Bundesweiter Spitzenreiter ist der Kreis Spree-Neiße in Brandenburg mit einer Betreuungsquote bei den unter Zweijährigen von 61,8 Prozent.

Für Vorpommern-Rügen galt 2016: 12,1 Prozent (im Bund 4,9) der Lütten werden durch Tagesmütter und -väter umsorgt, 43,8 Prozent in der Kita (Bundesschnitt 27,9). In der Krippen- und Tagesmütter-Bundesliga steht der Kreis auf Platz 33 unter 405 Städten und Kreisen. Schlusslicht ist der bayerische Kreis Berchtesgadener Land mit 14 Prozent. zds/sus

Erzieher umworben wie nie zuvor

Stralsund. Die erfahrenen und zu DDR-Zeiten gut ausgebildeten Erzieher gehen mehr und mehr in den Ruhestand – junge Leute rücken nicht in gleichem Maße nach. Zumal viele der frisch Ausgebildeten lieber in sozialpädagogischen Einrichtungen arbeiten. So macht sich der Fachkräftemangel jetzt langsam in den Kitas bemerkbar.

„Für Stralsund haben wir kein Problem, vor allem weil wir gut bezahlen. Aber die jungen Erzieher wollen nicht aufs Land. So suchen wir besonders für Hiddensee“, sagt Karin Felgenhauer vom Kreidiakonischen Werk. Anke Ehrecke vom Storchennest-Verein sieht die Absolventen in einer guten Position. „Die gut ausgebildeten Leute von JAM oder der beruflichen Schule werden regelrecht umworben und können sich ihre Arbeitsstelle aussuchen. Gut für den Erzieher, wir Arbeitgeber müssen uns darauf einstellen, auch finanziell.“

Martin Pollmann, Geschäftsführer des Internationalen Bundes, erklärt: „Wir haben sechs offene Stellen, wovon drei schon in der Besetzung stecken. Schwierig ist es im ländlichen Raum, beispielsweise im Ostseebad Binz. Kein freier Wohnraum, kein Ballungsgebiet.“ Außerdem wurden jahrelang zu wenig Erzieher ausgebildet, das rächt sich jetzt, so der IB-Chef. Wobei die Schulabgänger oft noch überfordert seien. „Mit Mentoren, Paten und Coaching versuchen wir als Träger, die Berufseinsteiger schnell dahin zu führen, selbstständig ihre Gruppe zu führen.“ iso

Ines Sommer

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