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Grimmen 19,35 Euro: Utopisch auf dem Bau?
Vorpommern Grimmen 19,35 Euro: Utopisch auf dem Bau?
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00:00 12.07.2018
Grimmen

„Ich bekomme nicht mal 15 Euro in der Stunde“, sagt Rolf Bobsien. Der Bauarbeiter glaubt nicht daran, dass er im Baugewerbe künftig 19,35 Euro pro Stunde verdienen wird. Doch genau diesen Lohn hatte die Gewerkschaft IG Bau am Montag verkündet. Rückwirkend zum Mai steigen für Bauarbeiter in Vorpommern-Rügen die Löhne um 6,6 Prozent, informierte die IG Bau über das Ergebnis der letzten Tarifrunde zwischen Gewerkschaft und Arbeitgebern. Doch wie kommen Maurer und Straßenbauer an dieses Geld?

Bauarbeiter glauben nicht an höheren Stundenlohn. Gewerkschaft: Arbeitnehmer müssen für ein Lohnplus selbst aktiv werden.

„Sie haben einen Anspruch darauf und müssen jetzt selbst dafür etwas tun“, sagte André Grundmann, Regionalleiter Nord der IG Bau gestern auf Nachfrage. „Wenn der Arbeitgeber im Arbeitgeberverband ist und der Arbeitnehmer in der Gewerkschaft, ist dieser Lohn verpflichtend“, so Grundmann weiter. Aber auch für alle anderen im Bau Tätigen sehe es gut aus, ist er überzeugt. Es herrsche Hochkonjunktur auf dem Bau und gleichzeitig Fachkräftemangel – da müsse jeder Einzelne Druck auf seinen Chef ausüben und eventuell auch mal den Arbeitgeber wechseln, rät er. Unterstützung finde der Beschäftigte dabei bei der Gewerkschaft. „Die Arbeitnehmer müssen jetzt dafür sorgen, dass der schwer erkämpfte Tarifvertrag, der nur über eine Schlichtung zu erreichen war, mit Leben erfüllt wird“, fordert er die Mitarbeiter im Baugewerbe auf.

19,35 Euro – die werden von Unternehmen vor Ort nicht gezahlt, bestätigten gestern zahlreiche in der Branche tätige Leser am OZ-Telefon. Teilweise hätten sie gestern sogar gleich bei ihren Arbeitgebern und bei Konkurrenzbetrieben nachgefragt – aber positive Auskünfte zur angekündigten Lohnerhöhung hätten sie nicht erhalten. Diese Erfahrung hat auch Rolf Bobsien gemacht. 13 Jahre lang arbeitet er in einer Greifswalder Filiale eines größeren Bauunternehmens, 21 Jahre seit seiner Lehre im Baugeschäft überhaupt. Nicht mal 15 Euro bekommt er in der Stunde. „Auch auf Nachfrage wurde es nicht mehr“, sagt er. Nachgefragt hat gestern auch die OZ bei mehreren Baufirmen in Grimmen und dem Umland, wieviel den Beschäftigten in der Stunde gezahlt wird und ob und wann sie auf 19.35 Euro kommen. Doch die Firmen gaben sich zugeknöpft.

Sebastian Klatt wundert das nicht. „In unserer Region wird nicht viel verdient. Da ist man froh, wenn man Arbeit hat und traut sich gar nicht, solche Ansprüche bei seinem Chef zu stellen“, sagt der 36-Jährige, der als Hotelfachkraft tätig ist. „Geringe Löhne werden ja nicht nur im Bauwesen gezahlt. Uns Leuten, die in der Tourismusbranche arbeiten und dafür sorgen, dass die Leute gerne in MV Urlaub machen, geht es nicht anders.“

Martina Krüger macht sich für die Leute vom Bau stark und bricht eine Lanze für sie. „Ich finde, dass körperlich schwere Berufe allgemein besser bezahlt werden sollten. Viele bekommen nur Mindestlohn und schuften dafür den ganzen Tag “, sagt die 26-Jährige, die den Beruf einer Verkäuferin ausübt.

Erika Töllner stößt ins gleiche Horn. „Natürlich müssen die Unternehmer ihren Fachkräften mehr zahlen. Es ist doch kein Wunder, dass viele heute lieber zu Hause bleiben und zum Amt gehen. Wenn du am Ende des Monats so stressfrei fast genauso gut lebst wie ein Bauarbeiter, der bei Wind und Wetter körperlich schuftet, läuft doch irgendetwas verkehrt. Und am Ende sind die Leute körperlich fertig und bekommen eine kleine Rente“, findet die 65 Jahre alte Rentnerin.

Günther Reinl gibt zu bedenken, dass mehr Geld für Eisenflechter, Betonbauer und Co. zu Lasten der Kunden geht. „Ich glaube, dass die Stundenlohn-Erhöhung nur realisierbar ist, wenn dann auch wieder die Kosten für Dienstleistungen steigen. Natürlich wünscht man jedem, der Vollzeit arbeitet, auch ein Gehalt, mit dem er nicht nur über die Runden kommt. Dafür aber noch mehr als Kunde zu zahlen, sorgt sicher auch wieder für Unmut“, so der 69-Jährige.

2640 Bauarbeiter im Landkreis

2640 Bauarbeiter in Vorpommern-Rügen haben Anspruch auf eine Erhöhung ihrer Löhne um um 6,6 Prozent.

19,35 Euro beträgt damit der von der Gewerkschaft ausgehandelte Stundenlohn für einen gelernten Maurer oder Straßenbauer.

Das Lohn-Plus ist Ergebnis der Tarifrunde zwischen IG BAU und Arbeitgebern. Um es durchzusetzen, müssen die Arbeitgeber jetzt aber selbst aktiv werden.

Infos: IG-Bau-Stralsund, ☎ 03831/292533.

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