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Grimmen 260 Kilometer Glasfaserkabel sollen in der Luft hängen
Vorpommern Grimmen 260 Kilometer Glasfaserkabel sollen in der Luft hängen
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00:03 14.07.2018
In Wittenhagen bei Grimmen läuft der Glasfaserausbau auf Hochtouren. Hier sind die Hüllen für die Kabel bereits verlegt. Quelle: Foto: Benjamin Fischer
Stralsund

Nachdem erste Gemeinden in Vorpommern-Rügen über die Art und Weise des Breitbandausbaus geklagt hatten, will Landrat Ralf Drescher (CDU) nun die Kommunikation zwischen der Telekom und den Bürgermeistern im Landkreis verbessern. „Ich werde die Gemeinden bitten, der Telekom rechtzeitig genug ohnehin geplante Tiefbauarbeiten mitzuteilen“, sagte Drescher der OZ. So solle nochmals sichergestellt werden, dass die neuen Glasfaserleitungen mitverlegt werden können, wenn in einem der Dörfer ohnehin gerade Tiefbauarbeiten stattfinden, weil beispielsweise neue Stromleitungen in die Erde kommen.

In Glashagen bei Grimmen hatte Bürgermeister Frederic Beeskow (Wählergemeinschaft) kritisiert, dass ein Großteil der Glasfaserkabel als Überlandleitung von Mast zu Mast gespannt wird, obwohl kurz vor den anstehenden Bauarbeiten der Telekom neue Stromleitungen verlegt und die Gehwege aufgerissen wurden. Beeskow hatte zudem betont, dass Freileitungen deutlich störanfälliger seien als Erdkabel. Die von der Telekom mit dem Ausbau in Glashagen beauftragte Baufirma hatte diese Variante mit einer besseren Kosteneffizienz begründet (die OZ berichtete). Die Telekom hatte für den Festlandbereich des Landkreises den Zuschlag für den Glasfaserausbau erhalten.

Nach Angaben von Hubert Enders, dem Breitbandbeauftragten des Landkreises, würden im Zuge des Ausbaus rund 1000 Kilometer Glasfaserkabel unter der Erde und etwa 260 Kilometer als Freileitung verlegt werden. Davon seien vor allem sogenannte Ausbau-Dörfer betroffen, in denen nur wenige Häuser an das Netz angeschlossen werden. Auch die Kupferkabel des alten Telefonnetzes würden in diesen Fällen oft als Oberleitung geführt, sagte Enders. Dieses Netz bliebe parallel zur Glasfaserinfrastruktur bestehen, da die Einwohner frei entscheiden könnten, ob sie den Glasfaseranschluss später nutzen wollen.

Die Telefonmasten aus Holz sind Eigentum der Telekom. Je nach ihrer Belastbarkeit sollen die Glasfaserkabel unter die alten Telefonleitungen gehängt werden. Andere Gebiete würden auf diese Weise aber nicht neu erschlossen. Dann kämen die Kabel immer unter die Erde. „Die Telekom nutzt nur die Masten, die jetzt bereits vorhanden sind“, sagte Enders.

Der Ausbau des Netzes auf dem Festland des Landkreises durch die Telekom kostet mehr als 200 Millionen Euro. 118 Millionen Euro davon hat die Bundesregierung im Rahmen ihres entsprechenden Förderprogramms übernommen. Auf der Insel Rügen führt der Zweckverband Wasserversorgung und Abwasserbehandlung den Ausbau in Eigenregie durch.

Im Festlandbereich soll der Ausbau Ende 2019 abgeschlossen sein. 40000 Haushalte in 63 Gemeinden wären dann mit schnellen Internetanschlüssen versorgt. Auch die Insel Hiddensee geht nicht leer aus. Hier wird Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) am Montag in Vitte den Spatenstich für den Breitbandausbau setzen. Mit einem Glasfaseranschluss sind Onlinegeschwindigkeiten von über einem Gigabit pro Sekunde möglich.

Verglichen mit anderen Kreisen in MV liegt Vorpommern-Rügen beim Ausbau vorn. „Bei uns wird in allen neun Fördergebieten, in die die Ausbauregion unterteilt ist, gearbeitet“, sagte Enders. Erste Schächte werden auch in den Kreisen Ludwigslust-Parchim und Mecklenburgische Seenplatte ausgehoben. Woanders laufen dagegen noch die Ausschreibungs- und Vergabeverfahren.

Glasfaser am Mast

Glasfaserkabel als Oberleitung zu verlegen, gilt als relativ neues Verfahren. Bisher war dies von Experten technisch als schwierig eingestuft worden, weil die Kabel relativ

windbrüchig waren.

Die Telekom hatte deshalb Verfahren entwickelt, kürzere Strecken von einem Glasfaserknotenpunkt bis zum Haus innerhalb eines Dorfes, was nur via Freileitungen telefonisch erschlossen ist, weiter mit Kupferkabeln zu überbrücken. Inzwischen ist diese Variante wegen der begrenzten Internetgeschwindigkeiten von Kupferkabeln mit maximal 250 Megabits pro Sekunde aber veraltet.

Benjamin Fischer

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