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Grimmen 543 Fälle von Gewalt in Familien
Vorpommern Grimmen 543 Fälle von Gewalt in Familien
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00:00 10.02.2017

543 Fälle von Gewalt hat das Team der Stralsunder Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt und Stalking 2016 bearbeitet. Leiterin Hanka Schmidt nennt zum Vergleich Zahlen von 2002, dem ersten Jahr, in dem die Einrichtung aktiv war: „Damals haben wir in 113 Gewaltfällen geholfen.“ Den Anstieg führt Schmidt nicht unbedingt auf mehr Gewaltausbrüche hinter Wohnungstüren zurück: „Wir haben es vielmehr geschafft, die Öffentlichkeit für das Problem zu sensibilisieren. Damit fallen auch Hemmschwellen bei Betroffenen weg, sich anzuvertrauen.“ Dazu kommt eine gute Zusammenarbeit mit der Polizei. „Die Beamten sind besser geschult, wenden sich direkt an uns, wenn sie im Einsatz mit häuslicher Gewalt konfrontiert sind“, sagt Schmidt.

Dietmar Grotzky, Leiter des Polizeihauptreviers, kennt einen der schwierigen Fälle. Wie so oft eskalierte die Geschichte, nachdem ein Paar sich trennte und der Partner das nicht akzeptieren wollte.

„Als Polizei machen wir dann zunächst eine so genannte Gefährderansprache, in der wir deutlich machen, dass wir ein Auge auf das Problem haben und mögliche Konsequenzen aufzeigen“, erläutert Grotzky.

Doch in dem Punkt hatte der Delinquent ein dickes Fell. Als er seine einstige Partnerin, deren Kind und ihren neuen Freund mit dem Tode bedrohte, stellte die Polizei bei Gericht Antrag auf Langzeitgewahrsam für den Mann. „Bis zu zehn Tage sind möglich. Im Mittelpunkt steht der Gedanke der Gefahrenabwehr“, so der Revierleiter. Ein Richter wies den Mann kurz vor Silvester 2016 für acht Tage in die JVA Bützow ein. Als der Mann danach trotz Näherungsverbots nochmals versuchte, Kontakt aufzunehmen, war die Polizei zur Stelle. „Nachdem wir sein Handy sichergestellt hatten, war Ruhe“, so Grotzky. Für Hanka Schmidt zeigt sich an diesem Fall, dass oft Frauen von häuslicher Gewalt betroffen sind. „Unter den 543 Fällen des letzten Jahres hatten wir 74 Männer“, sagt sie und weist darauf hin, dass diese nicht unbedingt unter ihrer Partnerin zu leiden hatten, sondern die Gewalt unter männlichen Familienmitgliedern, etwa zwischen Vater und Sohn eskalierte.

„Wir versuchen zeitnah zu reagieren, wenn uns ein Gewaltfall durch Polizei oder aus dem Umfeld der Betroffenen bekannt wird“, berichtet die Chefin der Interventionsstelle. Dann geht sie mit ihren zwei Mitstreitern auf die Betroffenen zu, bietet Hilfe an. Diese wird nur in drei Prozent aller Fälle ausgeschlagen. Alle anderen bekommen Hilfe. So etwa Hinweise zur rechtlichen Beratung, praktischen Maßnahmen, wie Unterbringung im Frauenschutzhaus, auch für finanzielle Probleme, etwa durch die Schuldnerberatung. jm

OZ

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