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Grimmen Ackern für den Tierpark und die Tafel
Vorpommern Grimmen Ackern für den Tierpark und die Tafel
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00:00 28.03.2017
Rainer Tim grubbert eine weitere Fläche für das Gartenprojekt des Stremloer Strukturfördervereins auf. FOTOS (2): ANJA KRÜGER
Grimmen

Langsam wühlt sich der kleine Traktor mit dem Grubber im Schlepptau durch den von Gras und Wildkräutern bewachsenen Boden. Es ist das letzte Teilstück der insgesamt 2450 Quadratmeter großen Fläche des „Sozialen Gartenprojektes“ vom Stremlower Strukturförderverein. Der 70-jährige Rolf Schreiber betreut das Projekt, bei dem Gemüse und Nutzpflanzen für soziale Einrichtungen angebaut werden, ehrenamtlich seit September des vergangenen Jahres. Dazu wurde im vergangenem Jahr ein entsprechender Pachtvertrag zwischen dem Strukturförderverein und dem Kleingartenverein „Am Wasserwerk“ geschlossen. 13 Mitarbeiter – größtenteils MAE-Kräfte, aber auch zwei Asylbewerber – sind mit der Pflege der großen Fläche in der Kleingartenanlage betraut.

Soziales Projekt auf 2450 Quadratmetern Kleingartenland

Gärtnern für soziale Einrichtungen

2450 Quadratmeter bewirtschaften die Ein-Euro-Jobber in der Kleingartenanlage „Am Wasserwerk“.

13 Frauen und Männer sind mit dem Anbau und der Pflege von Gemüse und den Obstbäumen betraut.

Das Gemüse und die Nutzkulturen werden an die Grimmener Tafel und den Heimattierpark abgegeben.

Seit 1. März gehört der 49-jährige Sven Sielaff aus Grimmen zum Team. Seit eineinhalb Jahren ist der gelernte Schlosser und Baugeräteführer auf der Suche nach einer Anstellung. „Eigentlich habe ich nichts für Gartenarbeit übrig“, gesteht er. „Deshalb ist er bei uns auch der Mann für’s Grobe“, sagt Schreiber. Während sich Sven Sielaff um den Hecken- und Obstbaumschnitt kümmert, sind seine Mitstreiter emsig dabei, das eingangs erwähnte 400 Quadratmeter große Gartenstück urbar zu machen. Angelika Hufenbach sammelt Grasnarbe für Grasnarbe ab. Was für den Laien nach primitiver Arbeit aussieht, macht der 62-Jährigen richtig Spaß. „Ich bin gern an der frischen Luft. Da fühle ich mich wohl“, sagt die gelernte Agrotechnikerin.

Auch wenn das Projekt bereits seit vergangenem Jahr läuft, steht den Mitwirkenden das erste richtige Gartenjahr bevor. „In den Anfangsmonaten waren wir damit beschäftigt, die Flächen urbar zu machen und die Winterfurche zu ziehen. Zehn bis 15 Jahre standen die Gärten leer“, erzählt Schreiber. Wenn die Witterung es zulässt, solle in den nächsten Tagen auch die erste Saat im Gemüsegarten eingebracht werden. „Das Gemüse wird dann der Tafel zur Verfügung gestellt“, weiß Schreiber.

Auch für andere Flächen gibt es bereits einen Anbauplan. „Hier kommen Kartoffeln hin, auch für die Tafel“, erzählt der 70-Jährige und zeigt auf das fertig vorbereitete Stück Garten, auf dem jetzt noch drei Krokusse, die die Bodenbearbeitung überlebt haben, ihre Köpfe in den Frühlingshimmel strecken. Ein weiteres Teilstück ist für die Nutzpflanzen vorgesehen. „Futterrüben und -möhren sowie Mais werden hier für die Tiere im Heimattierpark angebaut“, erzählt Schreiber. Lediglich für die neue Fläche gebe es noch keinen Plan.

Das aber wird wohl nicht lange so bleiben. Denn überall zeigt sich, dass es Schreiber nicht an Ideen mangelt. Hier ein Blumenbeet, eingefasst in Steinen, ein Hochbeet für Kräuter, selbst Vogelhäuschen und Nistkästen wurden bereits gebaut. „Was die Frauen und Männer hier leisten, steht in keinem Verhältnis zu dem, was sie an Mehraufwandsentschädigung vom Amt bekommen“, weiß Schreiber, der 2014 mit seiner Frau von Hamburg nach Grimmen gezogen ist. „Meine Frau ist in Grimmen aufgewachsen. Zuerst war es eine ziemliche Umstellung für uns, aber mittlerweile sind wir angekommen“, meint der unruhige Geist. Nach dem Umzug sei ihm schnell langweilig geworden. „Der wohlverdiente Ruhestand ist ohne sinnvolle Beschäftigung auch nichts wert“, begründet er sein Engagement. Bei der Tafel sei er zuerst ehrenamtlich tätig gewesen, im Kirchengemeindezentrum geht er einmal wöchentlich zum Gitarrenkreis und auch einen eigenen Garten bewirtschaftet er zusätzlich. Und ab dem 1. Mai wird er sich als Bundesfreiwilligendienstler um das Gartenprojekt weiter kümmern.

Anja Krüger

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