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Adebar macht sich rar im Kreis

Grimmen Adebar macht sich rar im Kreis

Der Storchenbestand in Vorpommern-Rügen ist in den vergangenen Jahren drastisch zurückgegangen

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Ideal für die Futtersuche sind Wiesen und Feuchtgebiete. Hier finden Störche ihre Leibspeisen wie Frösche, Schlangen und Mäuse.

Grimmen. Gleich doppelt Stress hat das Storchenpaar in Zarrendorf. Während einer von ihnen scheinbar schon auf dem Gelege sitzt und brütet, fliegt sein Partner los, um Material für den Nestbau heranzuschaffen. Das nämlich war, als das Paar es bezog, von einem stattlichen Horst noch weit entfernt. Das aber scheint die Zarrendorfer Adebare nicht zu stören. Immer wieder kommt einer der schwarz-weißen Vögel mit Zweigen und Gras im Schnabel wieder und baut sozusagen um seinen brütenden Partner herum das Nest aus.

 

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Haben gleich doppelten Stress: Brüten und gleichzeitung Nest bauen heißt es dort bei den Adebaren. Fotos (2): Claudia Noatnick

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Auf frisch gepflügten Äckern suchen die Vögel gern nach Futter.

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Haben gleich doppelten Stress: Brüten und gleichzeitung Nest bauen heißt es dort bei den Adebaren. Fotos (2): Claudia Noatnick

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Auf frisch gepflügten Äckern suchen die Vögel gern nach Futter.

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Da hat es das Storchenpaar in Elmenhorst komfortabler. Sein Horst ist bereits ein stattliches Rund, welches mit Gras und Moos nur noch ein wenig ausgepolstert werden muss. Und auch auf den anderen Storchennestern ist bereits ordentlich Betrieb. Das Stoltenhagener Paar hat seinen Horst ebenso bezogen wie das in Rakow und Dönnie. Und auch das Nest im Grimmener Tierpark ist besetzt. Auf den Wiesen und Äckern gehen die Schreitvögel seit einigen Wochen auf Nahrungssuche.

Viele Menschen freuen sich: Familie Adebar ist wieder da. „Zumindest einige von ihnen“, schränkt Storchenexperte Matthias Bräse, Regionalbeauftragter des Naturschutzbundes (Nabu), ein. Denn die Anzahl der Weißstörche nimmt im Landkreis Vorpommern-Rügen kontinuierlich ab. Auf Rügen etwa sei die Population in den vergangenen Jahren dramatisch zurückgegangen.

Erika Leek kann das für die Grimmener Region nur bestätigen. „Einige Nester werden gar nicht mehr belegt“, weiß die 76-jährige Weißstorchbeauftragte des Nabu. Zwölf Horste gehören zum Beobachtungsgebiet der Grimmenerin. Mindestens zwei davon würden schon gar nicht mehr belegt. Und auch Erika Blohm hat in diesem Jahr eine traurige Nachricht. „Das Nest in Bretwisch ist wieder verwaist“, erzählt sie. Am 25. März sei Adebar gekommen und habe den Horst bezogen, neun Tage später sei der zweite Storch dagewesen. „Zehn Tage lang ging alles gut, dann waren die beiden auf einmal weg“, berichtet die 75-Jährige. Weshalb sie ihr Nest verlassen haben, wisse sie nicht. „Ich habe keine Ahnung, was sie vertrieben haben könnte“, sagt Erika Blohm.

Noch dramatischer sei die Situation nördlich der B105. „Dort stehen die meisten Nester leer“, berichtet der Storchenbetreuer Eckhard Frädrich aus der Region Stralsund. Im Altkreis Nordvorpommern ist der Bestand im vergangenen Jahr von 113 Paaren im Jahr 2014 auf 108 Paare geschrumpft. Erika Leek sieht die Ursachen im Storchenrückgang im Nahrungsangebot. „An mangelnden Nistplätzen liegt es definitiv nicht, dass der Storch sich rar macht. Vielmehr findet er hier kaum mehr Nahrung für sich und seine Jungen“, sagt sie. Schuld daran sei unter anderem die Landwirtschaft mit ihren immer größeren Mais- und Rapsanbauflächen. Grünlandflächen dagegen, auf denen die Zugvögel hauptsächlich ihre Nahrung wie Insekten, Frösche, Mäuse oder Schlangen finden, werden dagegen immer weniger. Hinzu komme, dass vor allem auch das Nahrungsangebot für Jungstörche — sie benötigen in der ersten Zeit wirbellose Tiere — fehle. „Die Eltern bekommen einfach nicht genug junge Störche durch“, so Bräse.

„Und damit ist die Chance, dass die Störche im kommenden Jahr in gleicher Zahl wiederkehren, noch geringer.“ Dass der Storchenbestand zurückgeht, liege an der Umwelt. „Das Problem ist hausgemacht“, sagt Leek.

Da mutet es eigenartig an, wenn im Gegenzug zu Mecklenburg-Vorpommern — hier sank die Population seit 2004 um 25 Prozent — von steigenden Weißstorchzahlen in Deutschland gesprochen wird. Die Gründe hingen mit dem Zugverhalten der Vögel zusammen und seien relativ einfach zu erklären. „Es gibt in Deutschland die West- und die Oststörche“, so Erika Leek. Störche könnten keine lange Zeit über Wasserflächen segeln. Deshalb gibt es zwei Zugrouten: Die Westroute führe über Gibraltar nach Afrika, die Ostroute über Griechenland und die Türkei. Die Störche, die über Gibraltar kommen, würden sich im Frühjahr eher in den westlichen Bundesländern niederlassen. Manche blieben winters über auch gleich in Spanien oder Portugal. Auf Grund der kurzen Flugroute seien bei ihnen relativ geringe Verluste zu verzeichnen.

Die Route für die Ostzügler sei wesentlich länger und dadurch auch mit viel mehr Gefahren gespickt. Diese Vögel ließen sich eher im Ostteil Deutschlands nieder. Die in Vorpommern dominierenden „Ostzügler“ seien in den vergangenen Jahren zusätzlich durch Dürren in ihren Überwinterungsgebieten belastet. Manch einer dürfte den Weg einfach nicht mehr geschafft haben.

108 Paare wurden im vergangenen Jahr in Nordvorpommern gezählt

800 besetzte Storchennester erfassten die Storchenbetreuer im vergangenen Jahr. Damit war 2015 war kein gutes Storchenjahr im Land Mecklenburg-Vorpommern. (1934: 2604 Paare; 2004: 1142 Paare).

Im Altkreis Nordvorpommern wurden 2015 108 Paare gezählt. Im Jahr zuvor waren es noch 113 Brutpaare.

20 Jahre alt ist der älteste Storch, der in der Grimmener Region brütet. Sein Nest hat er in Horst.

1,52 Junge pro Nest sind im landesweiten Durchschnitt nur ausflogen.

265 Paare blieben 2015 in Mecklenburg-Vorpommern ohne Nachwuchs. Das liegt weit unter dem für die Erhaltung der Storchenpopulation nötigen Reproduktionswert.

Wer den Störchen Unterstützung bieten möchte, sollte im eigenen Garten auf Pestizide verzichten. Wer das Glück hat, über etwas mehr Land zu verfügen, kann mit der Anlage eines Teichs noch mehr für diese Vögel tun.

Von Claudia Noatnick und Anne Ziebarth

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