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Alarmierend: Immer mehr Verstöße gegen den Tierschutz

Alarmierend: Immer mehr Verstöße gegen den Tierschutz

Bei einem Viertel der Kontrollierten wird gegen korrekte Haltung von Milchkühen verstoßen

Grimmen. Es ist aktuell vor allem die Situation in der Milchvieh-Wirtschaft, die den Bauern Probleme bereitet. So wollen Milchbauern auch des Landkreises Vorpommern-Rügen aus Protest der heute beginnenden Landwirtschaftsmesse des Landes fernbleiben.

 

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Glückliche Kühe? Einige landwirtschaftliche Betriebe im Kreis sollen chronisch unterfinanziert sein und können so den Tierschutz nicht mehr ausreichend sicherstellen.

Quelle: Wulf Pfeiffer/dpa

Das Dilemma aus zu großen Milchseen bei zu niedrigen Preisen hat aber auch Auswirkungen auf die Lage der Tiere. „Wir stoßen bei unseren Kontrollen zunehmend auf Probleme bei der Haltung von Milchkühen“, schilderte Eleonore Lange vor dem Ausschuss für Umwelt, Landwirtschaft, Fischerei und Forstwirtschaft des Kreistages. „Die gröbsten Verstöße gegen die gesetzlichen Mindestanforderungen an den Tierschutz stellten wir dabei in einem Biobetrieb fest“, so die Fachgebietsleiterin Tierschutz der Kreisverwaltung. Als Ursache hätten ihre Mitarbeiter zumeist eine Gemengelage aus „keine Ahnung, kein Geld, kein Personal“ festgestellt.

Um die 800 Kontrollen führen Lange und ihr Team in jedem Jahr durch. Bei landwirtschaftlichen Betrieben erfolgt dies routinemäßig alle paar Jahre, bei privaten Tierhaltern nur auf Anzeige. Bei etwa einem Viertel der Fälle stellte das Veterinäramt Verstöße gegen gesetzliche Minimalanforderungen fest, in 27 Fällen wurde ein Ordnungswidrigkeitsverfahren und zwei mal eine Strafanzeige eingeleitet.

Betroffen waren 1500 Tiere, auch trächtige, an denen die Tierärzte 5138 medizinische Einzeluntersuchungen vornahmen. Dabei interessiert die Amtsveterinärin sich sowohl für die Tiere als auch für Fragen der Hygiene: „Tierhalter, die sich nicht um Tierschutz kümmern, kümmern sich auch nicht um Tierseuchenschutz.“ Die Zahl der Fälle nähme bei gleichzeitiger chronischer Unterfinanzierung der Tierhalter zu. Aus diesem Grund sei vielfach auch die Zusammenarbeit mit sozialen Einrichtungen erforderlich. „Es ist kein 'vernünftiger Grund' gemäß Tierschutzgesetz, aus wirtschaftlichen Motiven ein Tier zu quälen“, betont die Amtsveterinärin. Auch der Deutsche Tierschutzbund fordert daher gesetzliche Regelungen zur Haltung von Milchkühen, eine stärkere finanzielle Unterstützung tierfreundlicher Haltungssysteme und eine bessere Bezahlung der Milchbauern. Tierschutz zählt zu den Pflichtaufgaben des Kreises, dessen Kosten über Gebühren gedeckt werden. Fundrecht hingegen ist kommunales Recht, für das – soweit es Tiere betrifft – der Kreis die Fachaufsicht ausübt. Für Vögel entsteht derzeit in Marlow eine Quarantänestation und für andere Wildtiere ist der Stralsunder Zoo zuständig.

Die Kommunen des Landkreises treffen zumeist Vereinbarungen mit den sieben Tierschutzeinrichtungen in Vorpommern und auf Rügen. Die drei größten stellten sich ebenfalls dem Ausschuss vor. So verfügt der 123 Mitglieder starke Tierschutzverein Stralsund über ein 10000 Quadratmeter großes Grundstück. Leiterin Anke Ernst freut sich über Unterstützung von fünf Vollzeitkräften, zwei Aushilfen sowie eines Freiwilliges Ökologisches Jahr.

Der Tierschutzverein Vorpommersche Boddenlandschaft mit Sitz in Ribnitz-Damgarten ist auch zuständig für Recknitz-Trebeltal und Fischland-Darß. Der Verein, dessen fünf Vorstände sich ausnahmslos ehrenamtlich neben ihrer beruflichen Tätigkeit einbringen, bemüht sich derzeit um ein eigenes Gelände. „Wir nutzen die sozialen Netzwerke und vermitteln die Tiere auf diesem Weg sehr schnell", sagt die Vorsitzende Martina Finger. Aber auch: „Wenn wir eine Katze mit einem gebrochenen Bein für 300 Euro operieren lassen möchten, müssen wir beim Amt rechtfertigen, dass wir das Tier nicht einschläfern lassen.“ Die Gemeinde Zingst kooperiert mit dem Tierschutzverein Zingst-Darß, der sich ausschließlich um Katzen kümmert. Der Verein um Waltraud Geß betreibt zwei Katzenhäuser, zwölf Pflegestellen und sucht „händeringend neue Mitglieder“, so die 85-jährige Vorsitzende.

Über 94 Mitglieder und eine Notstation im Bergener Ortsteil Tilzow verfügt der Tierschutzverein Rügen-Hiddensee. „Das Budget von 180000 Euro finanziert sich zu zwei Dritteln über Verträge mit den Gemeinden“, sagt Burga Gloede. „Wir erhalten derzeit 1,80 Euro je Einwohner von den Kommunen“, rechnet die Vorsitzende vor. Viel Geld würde die Kastration von Streunerkatzen verschlingen. Von 1996 bis 2014 hätte der Verein 4982 Katzen sterilisieren lassen, Aber der „Katzenberg“ wächst weiter.

Die Stadt Grimmen kooperiert daher mit dem Naturtierheim Ostsee in Saal. Der Verein gründete sich 1996, als der Eigentümer des Grundstücks, Volker Eggersmann, ein eigenes Hundeheim in Freudenberg eröffnete. „Wir betreuen Futterstellen und führen Kastrationen bei Katzen durch", schildert Birgit Woytke vom Ordnungsamt der Stadt. Zudem habe sie ein kleines Budget von 5000 Euro für Fundtiere zur Verfügung.

Uwe Driest

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