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Grimmen Arbeitsmarkt: Grimmen steht ganz gut da
Vorpommern Grimmen Arbeitsmarkt: Grimmen steht ganz gut da
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00:01 03.11.2016
Normalerweise steigt die Zahl der Arbeitslosen im Oktober an. In diesem Jahr ist das noch nicht der Fall. Das hängt mit einer längeren Tourismussaison zusammen.“Dr. Jürgen Radloff Chef der Arbeitsagentur

In Grimmen ist die Arbeitslosigkeit gegenüber dem Vormonat um 0,2 Prozent gesunken. „Das ist schon bemerkenswert“, sagte gestern Dr. Jürgen Radloff, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit in Stralsund. Denn normalerweise sei der Oktober ein Monat, in dem die Arbeitslosenzahlen eher nach oben gingen als nach unten.

32 Frauen und Männer konnten in den vergangenen vier Wochen in Grimmen in Jobs vermittelt werden. In dem fast sechs mal so großen Stralsund waren es nur fünf Personen mehr.

Rein rechnerisch hat Grimmen derzeit eine Arbeitslosenquote von 9,1 Prozent und steht damit wesentlich besser da als die Hansestadt Stralsund, wo die Quote 13,3 Prozent beträgt.

Auf die Frage warum die Arbeitslosigkeit in der größeren Nachbarstadt so dermaßen hoch sei, sagte Jürgen Radloff, dass Bezieher von Hartz IV eher größere Städte zum Leben bevorzugten, da dies für sie günstiger sei als auf dem Lande zu leben. Diese Tendenz gebe es überall in Mecklenburg-Vorpommern. Auch Schleswig-Holstein und Berlin machten da keine Ausnahme. In Stralsund komme noch erschwerend hinzu, dass hier einfach wirtschaftliche Strukturen fehlen, was sich in einer zu geringen Anzahl an Arbeitsplätzen wiederspiegelt.

In der Hansestadt Greifswald sei die Situation günstiger. Hier strahle die Universität aus, sagte Radloff. Außerdem gebe es hier viele Ausgründungen, vor allem im technologieorientierten Bereich. In Greifswald beträgt die Arbeitslosenquote derzeit 9,4 Prozent und liegt damit nur wesentlich über jener der Kleinstadt Grimmen.

Eines sei in diesem Oktober ebenfalls bemerkenswert, resümierte Radloff weiter. Auch in den Tourismusregionen Rügen und Fischland-Darß ist die Arbeitslosenquote deutlich günstiger als in den Oktobern vergangener Jahre. Radloff sieht hier einen Trend zu vermehrter ganzjähriger Beschäftigung von Arbeitnehmern. Bislang sei es immer so gewesen, dass zum Ende der Herbstferien in den Herbergen und Gastronomiebetrieben entlang der Küste eine Kündigungswelle eingesetzt hatte. Offenbar sei in manchem Unternehmen ein Umdenken im Gange, meinte Radloff, weil es wohl immer schwerer werde, im Frühjahr wieder geeignetes Personal für die Saison zu finden. Hinzu kommt natürlich, dass das schöne Wetter im September dem Tourismus eine hervorragend lange Saison beschert habe.

Schon über die Sommermonate sei allerdings absehbar gewesen, dass die Küstenregionen von den Krisen in der Welt profitieren würden, denn es seien 2016 wesentlich mehr Urlauber gekommen als in den Vorjahren, weil Krisengebiete, wie die Türkei oder die nordafrikanische Küste, gemieden wurden. Manch Hotel kann wohl 2016 über eine Auslastung von 80 Prozent jubeln.

Radloff informierte im gestrigen Pressegespräch auch über die Ausbildungssituation in der Region. 158 Lehrstellen seien bisher unbesetzt geblieben. Über die Hälfte der freien Lehrstellen verteilen sich auf die vier Berufe der Hotel- und Gastronomiebranche. Doch während Koch, Restaurant- bzw. Hotelfachmann und Fachkraft im Gastgewerbe die Top 10 der freien Lehrstellen anführten, würde sich gerade einmal der Koch unter den Ausbildungswünschen noch suchender Jugendlicher befinden. Stattdessen stünden hier Verkaufs- und Büroberufe hoch im Kurs. Neben Tierpfleger, Lagerist, Tischler und Fachinformatiker.

Wie Radloff sagte, werde sich die Situation auf dem Ausbildungsmarkt in den nächsten Jahren kaum ändern. Zu vielen Lehrstellen würden zu wenige Bewerbern gegenüber stehen. Deshalb rät er ausbildenden Firmen, sich rechtzeitig um Nachwuchs zu kümmern. In noch stärkerem Maße sollten dabei auch Jugendliche berücksichtigt werden, die mit etwas schlechteren Schulnoten möglicherweise nicht erste Wahl seien.

Bei möglichen Problemen unterstützt die Arbeitsagentur auch die Unternehmen mit der sogenannten assistierten Ausbildung. So werden besondere Hilfen angeboten, wenn Jugendliche zum Beispiel Sprach und Bildungsdefizite haben. Auch bei Stress in der Berufsschule könne gegengewirkt werden.

20 noch ohne Lehrstelle

1190 Frauen und Männer sind aktuell in Grimmen und Umgebung als arbeitslos gemeldet. Das sind 32 weniger als im Vormonat und 307 weniger als im Oktober 2015. Grimmen steht damit wesentlich günstiger da als die benachbarte Hansestadt Stralsund. Hier waren im Oktober 3683 Menschen ohne Job, was einer Quote von 13,3 Prozent entspricht. Stralsund nimmt damit in der Region den letzten Platz ein.

20 junge Menschen sind in Grimmen und Umgebung derzeit noch ohne Lehrstelle. Angeboten wurden zu Lehrjahresbeginn 107 Ausbildungsstellen. Dem standen 172 zu vermittelnde Bewerber gegenüber.

Reinhard Amler

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