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Grimmen Asbest: Rentner macht weiter Druck
Vorpommern Grimmen Asbest: Rentner macht weiter Druck
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00:00 22.06.2017
Die Verwendung alter Asbestplatten, wie hier in einem Garten in der Reinberger Sparte „Am Bodden“, ist gesundheitsgefährdend. In einem Faltblatt weist der Landkreis Vorpommern-Rügen jetzt darauf hin. Es ist allerdings in Reinberg noch nicht angekommen. Quelle: Foto: Reinhard Amler

Detlef Behrendt lässt nicht locker: Der Rentner aus Berlin hat im April 2015 in Reinberg einen Pachtgarten samt Laube erworben. Die besitzt allerdings ein Asbestdach, das ihm verschwiegen wurde. Detlef Behrendt sieht sich hinters Licht geführt und kämpft seit dem Kauf dagegen an (die OZ berichtete). Jetzt weitet der Rentner seinen Kampf gegen Asbest aus. Er hat den giftigen Baustoff auch an anderer Stelle in der Gartensparte „Am Bodden“ entdeckt.

„In meinem Weg schräg gegenüber steht eine Laube, von der man alte Asbestplatten als Umrandung ins Erdreich eingegraben hat und dies als Kompostplatz benutzt“, schreibt er an die OZ. Die Platten seien sehr beschädigt. „Letztens stellte ich fest, dass eine junge Frau mit einem Kleinkind im Garten war. Unerträglich der Gedanke, dass das Kind die Giftplatten anfasst und sich anschließend die Finger in den Mund steckt“, so der besorgte 69-Jährige. Detlef Behrendt hat sich deshalb an den Landkreis Vorpommern-Rügen gewandt. Er bittet das Umweltressort, sich der Sache schnell anzunehmen. Das ist inzwischen geschehen.

Dr. Bernd Liebelt, Fachgebietsleiter Umweltschutz, hat aufgrund des Hinweises ein Informationsblatt erstellen lassen. Darin weist er eindringlich auf die von Behrendt angesprochenen Gefahren hin.

„Durch die mechanische Beanspruchung der Platten bei der Kompostaufbereitung werden Asbestfasern freigesetzt, die mit dem Kompost in den Gartenboden eingebracht werden und bei der Bodenbearbeitung in die Atemluft gelangen können“, schreibt Liebelt.

Das Info-Blatt soll in allen Gartenanlagen ausgehängt werden, so der Landkreis Vorpommern-Rügen. In der betroffenen Reinberger Sparte „Am Bodden“ ist es aber offenbar noch nicht eingetroffen. Denn im Schaukasten hängt nichts aus. Landkreis-Sprecherin Renate Jährling vermutet, dass das damit zusammenhängt, dass es im Moment in Reinberg keinen Vorstand gibt.

Gerd Waack vom zuständigen Regionalverband der Gartenfreunde Nordvorpommern bestätigte gestern den Erhalt der Infoblätter. Allerdings seien sie erst teilweise verteilt, sagte er. Nach Reinberg, seien sie noch nicht gelangt. Er habe die Blätter aber bereits kopiert und sie seiner in Grimmen wohnenden Geschäftsführerin Gesine Hor übergeben. Sie soll sie nach Reinberg bringen.

Behrendt weist seit langem darauf hin, dass Asbest Giftmüll ist und deshalb gesundheitsschädlich. Er selbst habe nur noch eine Herzleistung von 25 Prozent, außerdem ein Lungenleiden und ein nicht mehr gut funktionierendes Immunsystem. Deshalb kämpfe er auch vor Gericht um die Grundsanierung des Daches der von ihm gekauften Gartenlaube.

Er sei sehr befremdet über den sorglosen Umgang mit dem Giftstoff in der Gartenanlage Reinberg. Schließlich ist bereits seit 1993 die Verwendung asbesthaltiger Baustoffe in Deutschland verboten. Er werde auf jeden Fall nicht locker lassen, gegen den unsachgemäßen Gebrauch mit Asbest vorzugehen. Was das Dach auf seiner Laube betrifft, hatte er bereits angekündigt, bis vor den Bundesgerichtshof gehen zu wollen.

Giftstoff Asbest

Das Verwenden von asbesthaltigen Stoffen ist laut chemikalienrechtlicher Vorschriften verboten. Es ist also nicht zulässig, Wellasbestplatten zur Reparatur von Dächern, für die Errichtung von Zäunen oder zur Einfassung von Komposthaufen zu nutzen.

Asbestplatten sind in sogenannte Big-Packs zu verpacken und beim Eigenbetrieb Abfallwirtschaft des Landkreises Vorpommern-Rügen kostenpflichtig zu entsorgen. Dafür stehen die Betriebshöfe in Samtens und Stralsund zur Verfügung. Kleinmengen werden hier auch unverpackt angenommen.

Reinhard Amler

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