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Asylbewerber sind weg, jetzt stehen viele Wohnungen leer

Richtenberg Asylbewerber sind weg, jetzt stehen viele Wohnungen leer

700 000 Euro Mieteinnahmen gehen in Richtenberg jährlich verloren

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18 Prozent unserer Woh- nungen stehen leer. Das sind jährlich 700 000 Euro Mietausfälle.Petra Kischnick Richtenberger Wohnungsbaugesellschaft

Richtenberg. Die Richtenberger Wohnungsbaugesellschaft kennt man in Grimmen der beiden Ärztehäuser wegen. Eines davon geriet 2016 mehrfach wegen seines maroden Fahrstuhles in die Schlagzeilen. Richtenberg war da als Verwalter der Immobile gefragt.

Wohnungen betreut das Unternehmen in der Ex-Kreisstadt allerdings keine. Dafür aber in Splietsdorf, Papenhagen, Gransebieth, Deyelsdorf, Glewitz und Grammendorf. „Auch hier sind wir der Verwalter“, erklärt Petra Kischnick, die Geschäftsführerin des Unternehmens. Insgesamt hat die Gesellschaft 376 Wohnungen und 26 Gewerbeobjekte in einem Territorium zwischen Trinwillershagen im Westen und Negast im Osten als Verwalter im Bestand. Grimmen mit seinen Ärztehäusern liegt geografisch dabei ein bisschen außerhalb.

Noch habe sie allerdings nichts Schriftliches mitgeteilt bekommen, sagt Petra Kischnick. Bekanntlich sollen beide Grimmener Ärztehäuser ja verkauft werden und damit aus ihrem Bestand gehen. Sie habe dafür aber schon wieder Ersatz, erklärt die Geschäftsführerin. So seien in Eixen 42 Verwaltungseinheiten dazu gekommen.

Die Verwaltung solcher Gebäude sei ein Standbein, das viel wichtigere aber ist der eigene Wohnungsbestand, so Petra Kischnick.

Während große Wohnungsgesellschaften, wie zum Beispiel die Greifswalder WVG, 2017 über 66 Millionen Euro investieren will, um der steigenden Nachfrage nach Wohnraum nachzukommen, kämpft die Richtenberger Gesellschaft nun schon seit Jahren mit der Auslastung ihres Bestandes. Das sind immerhin 1233 Wohnungen. 18 Prozent davon stehen leer. „Das sind jährlich Mietausfälle von rund 700 000 Euro“, rechnet Petra Kischnick vor. Der aktuell hohe Leerstand resultiere vor allem daraus, dass es wieder weniger Asylbewerber gibt. Der Landkreis habe aus diesem Grund zuvor angemietete Wohnungen gekündigt. 70 hatte Richtenberg zur Verfügung gestellt. „Für uns bedeutete das zwischenzeitlich eine Entlastung“, erklärt Kischnick.

Desto kleiner die Gemeinde, umso schwieriger werde es, heute Wohnungen zu vermieten. „Die Leute ziehen dorthin, wo es Arbeit gibt“, benennt die Chefin einen Grund für das Dilemma. Aber es gibt noch weitere. Zunehmend schlage sogar die Niedrigzinspolitik fürs Wohnungsunternehmen negativ zu Buche. Denn potenzielle Mieter würden sich mehr und mehr nach Eigentum umschauen. Auch weil sich ältere Menschen zunehmend gezwungen sehen, ihr Eigentum aufzugeben.

Aber trotz dieser nicht rosigen Auslastung, will Petra Kischnick nicht jammern. „Die Gesellschaft hat sich in den letzten Jahren stabilisiert“, erklärt sie. Momentan würden pro Jahr etwa eine Million Euro investiert. Alles aus eigenen Mitteln.

Mit dem Geld wird zum Beispiel 2017 in Prohn der letzte von drei Blöcken saniert. Dort werden dann auch endlich die alten 80-Liter-Boiler gegen moderne Heizungen getauscht. Die Vermietung dieser Blocks laufe gut. „Das liegt aber wohl vor allem auch an der Nähe zu Stralsund“, schätzt die Geschäftsführerin ein.

Der Sanierungsstau in vielen Wohnungen ist hoch. „Wir werden uns auch wieder mit dem Thema Abriss beschäftigen müssen“, blickt die Chefin schon mal in die Zukunft. Momentan sei aber noch nichts Konkretes geplant, obwohl der Wirtschaftsminister erst jüngst dazu aufgefordert hatte, diese Maßnahmen zu nutzen, da sie stark gefördert würden.

Die Förderungen, so Kischnick, seien oft nur auf große Gesellschaften ausgerichtet und deshalb für kleinere nicht immer lukrativ. „Wenn wir konkrete Pläne haben, werden wir natürlich auch alle Förderungen ausschöpfen“, verspricht sie.

Wenn die Geschäftsführerin sagt, dass sie die Gesellschaft auf einem guten Weg sieht, dann meint sie das in Anspielung auf 2014.Vor drei Jahren ging es nämlich um Sein oder Nichtsein der Gesellschaft, die 1990 aus der alten Richtenberger Gebäudewirtschaft entstanden ist. Es gelang 2014 aber, dass 14 Gemeinden, die zugleich Gesellschafter sind, alle 5,6 Millionen DDR-Altschulden in ihre Haushalte übertrugen.

Diese Altschulden stammen vor allem aus dem letzten Jahrzehnt der DDR, als die Kosten für viele damals entstandene Neubaublocks mit Krediten finanziert wurden und Rückzahlungen wegen zu niedriger Mieten unmöglich waren. Mit der Wiedervereinigung liefen über die DDR-Staatsbank Wohnungsbaukredite über 72 Milliarden DDR-Mark. Durch die Übernahme der Bank durch westdeutsche Kreditinstitute wurden daraus Verbindlichkeiten, die heute noch bestehen. Zwar sind durch das Altschuldenhilfegesetz 1993 Entlastungen eingetreten.

Dennoch war der Schuldenberg 2014 noch beträchtlich. Allein die Stadt Tribsees als größter Gesellschafter des Richtenberger Unternehmens musste 1,9 Millionen Euro übernehmen, die nun Jahr für Jahr aus dem Haushalt der Trebelstadt bedient werden müssen. Weil die Situation so ist wie ist, gibt es derzeit auch keine jährlichen Ausschüttungen am Jahresende, wie es in größeren Städten üblich ist.

„Wir stecken wirklich alles in die nötigen Investitionen“, erklärt Petra Kischnick.

Altersdurchschnitt der Mieter liegt bei 54 Jahren

1233 Wohnungen hat die Richtenberger Wohnungsbaugesellschaft mbH aktuell in ihrem Bestand. Dazu kommen 376 Verwaltungen für Dritte sowie 26 Gewerbeobjekte.

54 Jahre beträgt der Altersdurchschnitt der Mieter. Die älteste Mieterin wohnt in Niepars. Sie ist 100 Jahre alt.

Neun Mitarbeiter sind im Unternehmen beschäftigt.

In 34 Orten betreut die Gesellschaft Wohnungen. Das Einzugsgebiet erstreckt sich dabei von Prohn bei Stralsund im Norden bis nach Tribsees im Süden, Negast im Osten und Trinwillershagen im Westen. Alle Orte liegen im Landkreis Vorpommern-Rügen.

Auch Gästewohnungnen können für kurze Zeiträume angemietet werden. Sie befinden sich in Franzburg, Trinwillershagen und Prohn und sind mit allerlei praktischem Gerät ausgestattet, wie Mikrowelle, Herd, Toaster und Kaffeemaschine.

17 Gesellschafter gibt es. Es sind alles Kommunen. Der größte Gesellschafter mit 27 Prozent ist die Stadt Tribsees. 14 dieser 17 Gesellschafter haben 2014 anteilige DDR-Altschulden übernommen und in ihre Haushalte übertragen.

Reinhard Amler

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