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Auf den Spuren Barther Hexen

Barth Auf den Spuren Barther Hexen

Karin Bernstein entführt zu später Stunde auf einen zauberhaft-schaurigen Stadtspaziergang.

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Als Hexe verkleidet: Karin Bernstein.

Quelle: Susanne Retzlaff

Barth. Ganz sicher sein kann man zwar nie, aber in den letzten Stunden vor Mitternacht, stehen freitags im 14-tägigen Abstand die Chancen am besten, in Barths Gassen auf die Spuren echter Hexen zu stoßen. Treffpunkt ist der Marktplatz. „Hier stand der Galgen für die ‘normalen Verbrecher‘, den die wohlhabenden und weltoffenen Barther des ausgehenden Mittelalters so ungern sahen, dass sie ihn immer abbauten, wenn gerade kein hoher Besuch in der Stadt weilte“, weiß Karin Bernstein, wandelndes Geschichts- und Geschichtenbuch der Vinetastadt. Doch auf dem Marktplatz sei keine Hexe verbrannt worden.

Hinter Barths „guter Stube" führt die schmale Gartenstraße an der Kirchenmauer entlang. Karin Bernstein macht auf die kleinen Häuschen aufmerksam, manche noch immer eingeschossig wie damals um 1650.

Dicht an dicht stützen sie sich, die Nachbarschaft war eng, manchmal zu eng. Für die B. zum Beispiel, eine Frau mit unehelichem Kind, Ehemann und gesunden, glücklichen Schweinen. Ärgerlich, nebenan kam 'mal eine Kuh zu Schaden, 'mal ein Pferd, oder die Säue hatten Läuse. Im November 1652 begann das Hexengericht gegen sie, die ein Kind fallen gelassen haben soll. Vorbei am ältesten Haus der Stadt, dem 1388 erwähnten Papenhof, geht es in die Pohlstraße, wo Karin Bernstein an einer Baulücke hält. Hier war das Gefängnis, in dem auch der B. Daumenschrauben und Spanische Stiefel angelegt wurden bis die Knochen knirschten — der Anfang der Tortur. Von der Badstüberstraße geht es an der Scharfrichterei, jetzt Schule vorbei zum Fangelturm. Ursprünglich Wachturm mit Zinnen und einem 5,50 Meter tiefem Verließ wurden dort 1733 zwei Gefängniszellen eingerichtet. Karin Bernstein geht die enge Wendeltreppe mit den schmalen Stufen voran, vorbei an Fischerhaken und Henkerbeil, im Holzköfferchen den „Hexenhammer" (das Standardwerk der Hexenjagd) und ein paar Streichhölzer. Eine Zelle dokumentiert die Geschichte des Turms, in der zweiten Zelle sitzen Astronomen am runden Tisch, manchmal auch Minister oder eine Festgesellschaft. Aber freitags, alle 14 Tage, kurz vor Mitternacht, wird sie zum Hexenzirkel, wenn Karin Bernstein die gesellschaftliche Atmosphäre beschreibt und Zeugenaussagen zitiert, den Gästen ihrer Stadtführung Bilder der Folterinstrumente zeigt wie Streckbank, Hexenstuhl und Wasserung und die grausame, ausweglose Logik im Hexenprozess erklärt.

Hexennacht
Karin Bernstein lädt im Abstand von 14 Tagen freitags zur Hexennacht in Barth ein. Das nächstes Mal gibt‘s den Rundgang am 7. Juni. Treffpunkt ist um 21 Uhr am Brunnen auf dem Marktplatz von Barth (ab 14 Jahre).

43 Frauen wurden zwischen 1572 und 1655 in Barth als Hexen verurteilt.

Ihre Prozessakten sind erhalten.

 

Susanne Retzlaff

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