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Grimmen „Auf die OZ kann ich nicht verzichten“
Vorpommern Grimmen „Auf die OZ kann ich nicht verzichten“
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00:05 03.06.2017
Kerstin Anders (53) ist OZ-Zustellerin. Sie hebt sich alle Ausgaben auf, in denen über Verwandte und Bekannte berichtet wird. Quelle: Foto: Peter Franke
Grimmen/Griebenow

Geschichten, die sie bewegt haben oder die ihre eigene Geschichte erzählen. Berichte über Ereignisse, die ihr Leben geprägt haben. Unsere Leser fanden in 65 Jahren OSTSEE-ZEITUNG viele Gründe, für sie wichtige Ausgaben aufzuheben.

Drei Leser aus der Region erzählen, was sie mit ihrer Heimatzeitung verbindet

Die OZ schreibt Geschichte

„Internationale Erdölleitung ’Freundschaft’ in Betrieb“ – damit titelte die OSTSEE-ZEITUNG am 19. Dezember 1963. Es ist nur eine der unzähligen Ausgaben seiner Heimatzeitung, die Adolf Saltzer (78) aufgehoben hat. Gemeinsam mit seiner Frau lebt er in Griebenow. „Die OZ gehört bei uns zum Frühstück dazu“, sagt der Senior: „Schon immer.“ Warum er die 1963er und 64er-Exemplare aufgehoben hat, wisse er allerdings nicht mehr, erklärt Adolf Saltzer. „Aber von 1989 und 1990 habe ich alle. Wegen der politischen Wende“, erzählt der Griebenower. Es sei eine aufregende Zeit gewesen, die viele Veränderungen gebracht habe, meint er. Aus heutiger Sicht – mit rund 28 Jahren Abstand betrachtet – sei auch zu Zeiten der DDR nicht alles schlecht gewesen, schätzt er ein. Aber eben auch nicht alles gut. So habe er heute noch seine Bestellung für einen Lada zu liegen – zur Wendezeit war sie 15 Jahre alt. Das Auto habe er nie bekommen. Aber die Zeitung, die habe ihn all die Jahre begleitet. „15 Pfennige hat sie mal gekostet“, weiß Adolf Saltzer und zeigt auf ein Exemplar von 1964. Ein Blick auf eine 25 Jahre später erschienenen Ausgabe zeigt, auch da zahlte der Leser lediglich 25 Pfennige.

Auch wenn dies heute nicht mehr der Fall ist, auf seine Tageszeitung möchte er nicht verzichten. Zu sehr interessiere ihn, was in der Welt und in der Region passiert. „Ich bin sehr an der Zeitgeschichte interessiert“, begründet der Mann, dessen eigenes Leben auch eine sehr interessante Geschichte ist. 1946 musste er als Deutscher mit seiner Familie aus der Slowakei fliehen. Wir waren ein großer Trupp, erzählt er. Zwei Jahre habe die Flucht gedauert, bis er 1946 in Kreutzmannshagen landete. 1970 zog der gelernte Fleischer mit seiner Frau dann nach Griebenow.

Die OZ begleitet

Irene Salomo, Direktorin der Kursana Domizil Grimmen, hat fast zwei Dutzend Chroniken vor sich liegen. „Wir haben alle Ausschnitte aus der OSTSEE–ZEINUNG seit der ersten Grundsteinlegung unseres Heimes gesammelt“, erzählt sie stolz. Und fügt hinzu: „ Der Grundstein wurde bereits am 14. November 1988 gelegt.“ Das erste Pflegeheim hinter dem Grimmener Ärztehaus war ja noch durch das Stralsunder Wohnungsbaukombinat in Plattenbauweise errichtet worden. „Ein Wendebau“, sagt Irene Salomo. „Die ersten Bewohner zogen hier am 2. Mai 1990 ein.“ Inzwischen ist das Haus längst wieder leergezogen, weil es den Ansprüchen nach der Wende nicht mehr genügte. Kursana baute neu. Direkt am Bahnhof, auf dem Gelände der einstigen Molkerei. All diese baulichen Maßnahmen wurden in den Chroniken genauso akribisch festgehalten wie damit verbundene Umzüge und die mittlerweile unzählig stattgefundenen Jubiläen und Feste.

„Wir hatten vier hundertste Geburtstage, mehrere eiserne und diamantene Hochzeiten, und immer hat die OZ darüber geschrieben“, freut sich die Direktorin. „Zuerst hatten wir ja noch Berührungsängste mit der Zeitung“, gesteht sie. „Aber die sind längst überwunden. Die Bewohner freuen sich jedenfalls immer, wenn über das Heim berichtet wird und sie sich oder einen Nachbarn in der Zeitung entdecken.“

110 Frauen und Männer wohnen im Kursana-Domizil. „Die meisten sind Anfang 80“, erzählt Irene Salomo, „viele aber auch schon über 90.“ Alle haben eine Pflegestufe. Das Haus ist ausgebucht, ebenso wie die 39 Wohnungen fürs betreute Wohnen, die auch zum Komplex zählen. 73 Mitarbeiter arbeiten im Pflege- und Betreuungsbereich, 40 weitere im Dienstleistungssektor, der unter anderem für Küche und Reinigung verantwortlich ist.

Die OZ ist nah am Leser

Mit einer Grimmener OZ vom 19. Februar 1992 kam Kerstin Anders aus Reinkenhagen in die OZ-Redaktion. „Ich hebe mir alles auf, was über Mitglieder meiner Familie oder über Bekannte in der OZ veröffentlicht wird“, erzählt die 53-Jährige.

Speziell in der OZ vom Februar 1992 steht ein Artikel über die Schlachtzeit auf dem Lande mit Schlachter Kurt Lembke in Miltzow und über Käthe Möllers Fertigkeiten beim Wurstmachen nach Hausmacherart. „Käthe Möller ist meine Tante“, berichtet Kerstin Anders, die sich gern an jene Jahre in den 1990ern zurückerinnert. „Beim Schlachten gab es damals auch immer einen lütten Köhm dazu“, sagt sie lächelnd. Und genau so ist es auch in dem OZ-Bericht von damals nachzulesen, verfasst von Lokalredakteur Jochen Fischer. Wie Kerstin Anders berichtet, arbeitet sie schon seit den 1990er-Jahren als OZ-Zustellerin. Sie ist unter anderem in Reinberg, Hankenhagen, Stahlbrode, Oberhinrichshagen und Falkenhagen tätig. „Im Sommer ist das eine gute Arbeit.“ Im Winter, bei Schnee, sei es hingegen anstrengender, sagt sie.

Geburtstagsparty

Am 29. Juni feiern wir mit Ihnen, liebe Leser, den 65. OZ-Geburtstag auf unserem Hof in der Grimmener Bahnhofstraße 11.

Wir wollen in alten Zeitungen blättern, Fotos begucken und Erinnerungen an die vergangenen 65 Jahre austauschen.

Wenn Sie also alte Fotos, Geschichten oder Zeitungen haben, rufen Sie uns an, mailen oder schicken Sie sie uns. Oder Sie bringen diese einfach am 29. Juni mit.

Sie erreichen uns per Post an Lokalredaktion Grimmen, 18507 Grimmen, Bahnhofstraße 11, per E-Mail an grimmen@ostsee-zeitung.de oder auch telefonisch unter ☎ 038326 / 46060.

Anja Krüger, Peter Franke und Reinhard Amler

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