Volltextsuche über das Angebot:

17 ° / 17 ° Regen

Navigation:
Bambi tollt mit Snoopy durch den Garten

Jahnkow Bambi tollt mit Snoopy durch den Garten

Familie Block aus Jahnkow und Gudrun Thiess in Brandshagen päppeln verwaiste Rehkitze auf

Voriger Artikel
Kitz-Kindergarten macht fit für Wildnis
Nächster Artikel
Autobahn zweieinhalb Stunden gesperrt

Katharina Block und Sohn Elias mit Yorkshire Snoopy, Kater Charmin’ und Kitz Bambi im Garten. Fotos (2): Raik Mielke

Jahnkow. / Brandshagen. Familienzuwachs auf vier Beinen: Bei Familie Block in Jahnkow sorgt derzeit ein Rehkitz für Trubel. Der kleine Bock ist gesund, kräftig und tollt mit Hund Snoopy und Kater Charmin’ ausgelassen über die Wiese.

OZ-Bild

Familie Block aus Jahnkow und Gudrun Thiess in Brandshagen päppeln verwaiste Rehkitze auf

Zur Bildergalerie

Dabei hing das Leben des kleinen Rehes vor etwa fünf Wochen noch am seidenen Faden. Als Sebastian Block Ende Mai eine Wiese mähte, sah er eine Ricke mit einem Kitz davonspringen. Der Landwirt hielt seinen Traktor an und entdeckte zwei weitere Kitze auf seiner Wiese. Er ließ sie in Ruhe, berührte sie nicht, hoffte, dass die Ricke zurückkommen würde, um auch sie zu holen. Sebastian Block steckte lediglich die Fläche, auf der Kitze lagen, ab und mähte sozusagen um die beiden Jungtiere herum. Als er am folgenden Tag nachschaute, war eines der beiden Kitze tot, das andere völlig entkräftet.

„Als mein Mann mich anrief und mir das erzählte, hab ich mir eine Decke geschnappt und bin schnell hingefahren“, erzählt Katharina Block. Der Anblick des hilflosen kleinen Wesen tat ihr in der Seele weh. „Es schien klar, dass die Mutter nicht zurückkommen würde, sonst hätte sie es in der Nacht schon getan“, sagt sie. Also nahm sie sich des kleinen Rehs an, das nur wenige Tage alt war, wickelte es in die wärmende Decke und nahm es mit nach Hause. Katharina Block rief sofort einen Tierarzt an, der ihr riet, sie solle versuchen, dem Kleinen Milch einzuflößen. Doch zunächst wollte Bambi, so hatte sie das Kitz getauft, nicht trinken. „Aus der Flasche nahm er gar nichts, also hab ich die Milch in eine Schüssel gekippt und sein Mäulchen immer wieder hineingetunkt“, erinnert sie sich.

Irgendwann konnte sie schließlich aufatmen – Bambi trank selbstständig.

Eine weitere Sorge: Wie würden Hund Snoopy und Kater Charmin’ den neuen Hausgenossen aufnehmen? Katharina Block hatte Bambi zunächst im Badezimmer untergebracht, irgendwann ließ sie Snoopy hinein, damit er den neuen Geruch aufnehmen konnte. Der Yorkshire Terrier schloss Bambi gleich in sein großes kleines Hundeherz. Kater Charmin’ dagegen zeigte dem Kitz ganz nach Katzenart die kalte Schulter, aber dann konnte auch er den braunen Rehaugen des Kitzes nicht widerstehen. Heute sind die drei so unterschiedlichen Tiere die besten Freunde. Sie teilen sich den Schlafplatz und tollen im Garten gemeinsam über die Wiese.

Dabei entdeckte das Kitz auch seine Vorliebe für Erdbeeren. „Ich hatte ihm vorher schon immer Grünzeug kleingeschnitten im Napf vorgesetzt“, so Katharina Block. Irgendwann fing Bambi an, selbst Gras und Klee auf der Wiese zu rupfen. Und Erdbeeren. „Ich habe in diesem Jahr nicht viele davon geerntet“, erzählt Katharina Block lachend. Auswildern? Katharina Block schüttelt den Kopf. „Das wird schwierig“, sagt sie. Zu sehr sei das Kitz bereits an Menschen gewöhnt. Demnächst wollen sie eine Wiese, die mit zum Grundstück gehört, für Bambi einzäunen. „Vielleicht bleibt er bei uns, vielleicht auch nicht. Wir werden ihn nicht einsperren, aber alles tun, damit es ihm gut geht“, sagt die Jahnkowerin. Sollte Bambi irgendwann Freiheitsdrang verspüren, wären sie traurig und froh zugleich. „Er ist und bleibt eben ein Wildtier, dass wir nicht für immer einsperren wollen“,so Katharina Block.

„Viele Menschen meinen, ein von Hand aufgezogenes Reh ließe sich nicht auswildern. Das stimmt nicht“, sagt Gudrun Thiess. Die 60-Jährige ist auf der sogenannten 4000 Quadratmeter großen „Arche Brandshagen“ zu Hause. Als sie das Gartentor zu ihrem Grundstück öffnet, ist sie sofort umringt von ihren Tieren. Neben zwei Pommerschen Landschafen, zwei Hunden und einer Katze kommen auch drei eher ungewöhnlichen Hausgäste auf die Frau zugestürmt: Bert, Ali Baba und Rudi sind drei Rehkitze, allesamt in diesem Frühjahr geboren und allesamt Waisenkinder. Gudrun Thiess will die drei männlichen Rehkitze aufziehen, um sie später auszuwildern. Das Grundstück ist für die Vorbereitung auf das spätere Leben der Tiere in der Natur perfekt geeignet. Dichter Baumbestand prägt das hügeligen Gelände, ein alter Obstgarten ist angelegt, sogar ein kleiner Bach durchzieht das Gebiet.

In der späteren Entwicklung der Tiere würde sich die Nähe zum Menschen von selbst reduzieren, der Wildtiercharakter komme durch. Ihr zweiter Rehbock Fritzi sei das beste Beispiel für die gelungene Rückführung. „Er hat sich jeden Tag etwas weiter von unserem Garten entfernt, blieb auch immer länger weg. Zunächst tageweise, dann über Wochen, und irgendwann kam er nicht mehr wieder.“

Paul war vor fünf Jahren ihr erstes handaufgezogenes Reh. „Ich bin mehr durch Zufall dazu gekommen, Wildtieren zu helfen. Paul lag eines Tages bei uns im Garten“, erzählt die Bankkauffrau. „Nachdem die Mutter auch am Abend nicht zurückgekommen ist, habe ich das Tier mit ins Haus genommen und begonnen, ihn zu füttern.“ Das Verschwinden des Muttertiers, der Ricke, kann verschiedene Ursachen haben, die meisten sind Opfer des Straßenverkehrs. Auch die Landwirtschaft kann eine Gefahr darstellen. Bei der Mahd werden häufig Kitze verletzt. Durch den Mähbetrieb kann auch die Mutter vertrieben werden, so dass sie nicht mehr zu ihren Jungen zurückkommt.

Rehkitze in Not

Nur in Notfällen , etwa beim Tod des Muttertieres, wenn das Kitz verletzt ist oder die Mutterricke ihr Kitz nicht mehr nährt, sollte man an eine künstliche Aufzucht denken.

Für die Aufzucht muss ein Sachkundenachweis und eine Genehmigung der unteren Landschaftsbehörde / Jagdbehörde / Naturschutzbehörde vorliegen. Am besten aufgehoben sind sie bei einer Wildtier-Aufzuchtstation, Adressen gibt es unter www.wildtierhilfe-mv.de oder www.rehkitzhilfe.de.

Die Kosten für die Aufzucht sind hoch, Hilfe auf das Konto EMMA live e.V. IBAN: DE70 1505 0500 0102 0472 78 BIC: NOLADE21GRW willkommen.

Claudia Noatnick und Raik Mielke

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
OZ-Bild
mehr
Mehr aus Grimmen
Verlagshaus Grimmen

Bahnhofstraße 11
18507 Grimmen
Telefon: 03 83 26 / 46 07 84

Öffnungszeiten:
Montag bis Donnerstag
9.30 bis 16.30 Uhr

Leiterin Lokalredaktion: Almut Jaekel
E-Mail: lokalredaktion.grimmen@ostsee-zeitung.de

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Termine, Events, Veranstaltungen Teaser der den User auf die Seite "Termine" führen soll image/svg+xml Image Teaser Termine 2015-09-23 de Veranstaltungen Aktuelle Termine Konzerte, Kino, Ausstellungen, Vorträge, Theater, Workshops, Tanz und noch vieles mehr. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier.
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Lererbriefe, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Leserbriefe" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Leserbriefe“ 2015-09-23 de Meinung Ihre Leserbriefe Über unser Kontaktformular können Sie uns gern Lob, Kritik, Ideen oder andere Anmerkungen zu aktuellen Themen aus Ihrer Region, MV und der Welt zusenden. Wir freuen uns auf Ihre Meinung. Hier geht es zum Formular.