Volltextsuche über das Angebot:

14 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Bauern fahren die schlechteste Ernte seit Jahren ein

Grimmen/Stralsund Bauern fahren die schlechteste Ernte seit Jahren ein

Teilweise mehr als 50 Prozent weniger Ertrag / Betriebe mit Milchwirtschaft trifft es besonders hart: Sie können Verluste durch den niedrigen Milchpreis nicht ausgleichen

Voriger Artikel
Mann bedroht Nachbar mit Luftgewehr
Nächster Artikel
Einbruchserie auf Höfen: Bauern rufen nach der Polizei

Ernte Anfang Juli nahe Stralsund: Bereits im Sommer befürchteten die Landwirte geringere Erträge.

Quelle: Stefan Sauer/ Zb

Grimmen/Stralsund. Die Landwirte in Vorpommern-Rügen haben in diesem Herbst eine der schlechtesten Ernten der vergangenen 25 Jahre eingefahren. Teilweise um mehr als 50 Prozent geringer als normalerweise sind die Erträge auf dem Festland. Auch auf der Insel Rügen wurde deutlich weniger vom Feld geholt als in den Vorjahren. „Was im letzten halben Jahr passiert ist, ist Wahnsinn“, sagt Frank Hartmann, Vorsitzender des Bauernverbandes Nordvorpommern. „Die Landwirte haben immer mal ein gutes und dann wieder ein schlechtes Jahr, aber dieses Jahr ist extrem“, sagt auch Karin Pisch, Geschäftsführerin des Bauernverbandes Rügen. Hauptgrund ist eine Trockenperiode im Frühjahr, gerade in der Zeit wird viel Wasser benötigt.

Zwischen 35 und 55 Prozent liegen die Einbußen in Nordvorpommern. Bei der Wintergerste seien es im Durchschnitt 30 Dezitonnen pro Hektar gewesen. Normalerweise sind es nach Angaben des Bauernverbandes im Schnitt 83 Dezitonnen. Sogar in Gebieten mit besonders guten Böden, etwa nahe Saal, seien die Einbrüche dramatisch. Normalerweise sind hier Erträge von etwa 100 Dezitonnen Wintergerste zu erwarten. Diesen Herbst fuhren die Bauern durchschnittlich nur 50 Dezitonnen ein. „Am schlimmsten hat es nach meiner Einschätzung Flächen zwischen Marlow und Grimmen getroffen“, sagt Christian Ehlers, Geschäftsführer des Bauernverbandes Nordvorpommern.

Noch dramatischer ist der Einbruch beim Raps. Statt normalerweise 40 bis 50 Dezitonnen sind es in diesem Jahr durchschnittlich 16 Dezitonnen.

Ähnlich sieht es auf Rügen aus, auch wenn die Einbrüche nicht ganz so dramatisch sind. 70 Dezitonnen pro Hektar Wintergerste waren es hier durchschnittlich in diesem Herbst. Im vergangenen Jahr waren es noch durchschnittlich 93 Dezitonnen pro Hektar. Beim Raps sind es 30 Dezitonnen, 2015 waren es noch im Schnitt 45 Dezitonnen.

Die Ernteausfälle setzen die Landwirte finanziell noch stärker unter Druck. „In meinem Betrieb fehlen 100000 Euro Erlös“, sagt Frank Hartmann. Besonders hart trifft es seit einiger Zeit die Milchbauern, die die Verluste aufgrund niedriger Milchpreise zuletzt noch mit Erträgen aus dem Ackerbau ausgleichen konnten. Das sei in diesem Jahr nicht möglich. „Die Preise für Getreide und Raps liegen bis zu 40 Prozent unter dem Vorjahresniveau“, sagt Christian Ehlers. Viele Landwirte hätten ihre Ernte vorerst zwar eingelagert, in der Hoffnung auf steigende Preise. „Diese Hoffnung ist bis jetzt nicht eingetreten. Lagerbestände müssen je nach Liquiditätsbedarf verkauft werden, um laufende Rechnungen zu bezahlen“, sagt Christian Ehlers. Einzige Krisensicherung für Landwirte sei die oft diskutierte, sogenannte Flächenprämie, die zuletzt jedoch gesunken ist. Von der EU gibt es pro Hektar Land Geld, egal wie die Fläche genutzt wird. „Diese Absicherung muss in vollem Umfang erhalten bleiben, weil sonst die Nahrungsmittelproduktion gefährdet ist“, fordert Ehlers.

Der wirtschaftliche Schaden führt so weit, dass die Landwirte über weiter liquiditätssichernde Maßnahmen sprechen müssen. Am 18. Oktober tagen die Bauern im Landkulturhaus in Leyerhof bei Grimmen, um mit der LMS-Landwirtschaftsberatung, der Landgesellschaft und Vertretern von Banken über Auswege aus der Situation zu sprechen. Im Raum stehen unter anderem Verkäufe von Land, um Geld in die Kassen zu spülen. Das Land würde wieder zurückverpachtet, um weiter bewirtschaftet werden zu können. Fest steht: „Viele Betriebe müssen das Liquiditätsvolumen aufstocken“, sagt Frank Hartmann.

Und der Ausblick sieht ebenfalls nicht wirklich rosig aus, auch wenn Frank Hartmann sagt: „So pessimistisch möchte ich nicht sein. Wir müssen die Zeit abwarten.“ Doch bereits jetzt prangen große braune Flächen auf den Feldern in der Region. Die Trockenheit im Spätsommer/Früherbst habe laut Hartmann dafür gesorgt, dass die Aussaat ins Stocken geraten bzw. nicht optimal angewachsen ist.

Landesweite Einbußen

Laut statistischem Amt fällt die Getreideernte in Mecklenburg-Vorpommern um 17 Prozent schlechter aus als im Durchschnitt.

Die Erntemenge beim Raps liegt um 35 Prozent unter den Ergebnissen des Vorjahres. Bei der Wintergerste liegen die Einbrüche bei 33 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Pro Hektar wurden 57,9 Dezitonnen je Hektar geerntet, 2015 waren es 86,3. Beim Winterweizen fällt der Ertrag um 23 Prozent auf 68 Dezitonnen je Hektar zurück. Raps brachte nur 26,6 Dezitonnen je Hektar, im Vorjahr waren es 40,9.

Robert Niemeyer

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
WILSEN
Ein Teil der Mitglieder des „Kollektivs 9 Raben“: Daniel Daedlow (2. v. r.) gehört zu den Gründern der Most-Genossenschaft.

Wenn das „Kollektiv 9 Raben“ Äpfel und Birnen zu Saft verarbeitet, gibt es Lesungen gleich dazu

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Grimmen
Verlagshaus Grimmen

Bahnhofstraße 11
18507 Grimmen
Telefon: 03 83 26 / 46 07 84

Öffnungszeiten:
Montag bis Donnerstag
9.30 bis 16.30 Uhr

Leiterin Lokalredaktion: Almut Jaekel
E-Mail: lokalredaktion.grimmen@ostsee-zeitung.de

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Termine, Events, Veranstaltungen Teaser der den User auf die Seite "Termine" führen soll image/svg+xml Image Teaser Termine 2015-09-23 de Veranstaltungen Aktuelle Termine Konzerte, Kino, Ausstellungen, Vorträge, Theater, Workshops, Tanz und noch vieles mehr. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier.
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Lererbriefe, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Leserbriefe" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Leserbriefe“ 2015-09-23 de Meinung Ihre Leserbriefe Über unser Kontaktformular können Sie uns gern Lob, Kritik, Ideen oder andere Anmerkungen zu aktuellen Themen aus Ihrer Region, MV und der Welt zusenden. Wir freuen uns auf Ihre Meinung. Hier geht es zum Formular.