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Grimmen Bedeutender Historiker gestorben
Vorpommern Grimmen Bedeutender Historiker gestorben
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00:00 16.10.2017

Das Ehrenmitglied der Gesellschaft für pommersche Geschichte, Altertumskunde und Kunst, Joachim Wächter, lebt nicht mehr. Der diplomierte Archivar Joachim Wächter starb am 7. Oktober in Greifswald.

„Er hat sich um Pommern und die Erforschung seiner Vergangenheit große Verdienste erworben“, stellt der langjährige Vorsitzend der Gesellschaft, Ludwig Biewer, fest. Wächter war einer der Herausgeber der „Geschichte Pommerns im Überblick“. Für den großen Band zur 750-Jahr-Feier der Stadt Greifswald übernahm er den Abschnitt zur Schwedenzeit. Das Verzeichnis seiner Schriften in den Baltischen Studien von 2015 umfasst mehrere Seiten.

Der gebürtige Magdeburger leitete 1953 bis 1969 das Landesarchiv Greifswald und war dann bis 1974 Abteilungsleiter, ehe er Referent für das kirchliche Archiv- und Bibliothekswesen wurde und das Landeskirchliche Archiv leitete. Wächter war einer der Initiatoren des Greifswald-Stralsunder Jahrbuchs, das in den Jahren 1961 bis 1982 erschien und nicht nur in Fachkreisen sehr populär war.

Der Archivar war Vorstandsmitglied der Gesellschaft für pommersche Geschichte (1990 bis 2011), Leiter der Abteilung Vorpommern (1990 bis 2007) und Mitglied der Historischen Kommission für Pommern (1990 bis 2009). Er ist Träger des Pommerschen Kulturpreises für Wissenschaft.

Wächter ist in ganz Vorpommern durch seinen klaren Vortragsstil und seine zahlreichen Publikationen bekannt geworden. Unermüdlich war er nach der Wende für die Erforschung und die Verbreitung von Wissen über die Geschichte des Landes am Meer unterwegs. Er mischte sich noch in hohem Alter aktiv bei Tagesfragen ein, so in der Debatte um Ernst Moritz Arndt 2010 und bei der Diskussion um die Zukunft pommerscher Akten. Nach der Wende saß Wächter für die CDU in der Greifswalder Bürgerschaft. Hobbyhistoriker werden ihn wegen seiner großen Hilfsbereitschaft in Erinnerung behalten.

Vielen Greifswaldern wird Joachim Wächter als einer der schnellsten Fahrradfahrer der Stadt im Gedächtnis bleiben – noch bei dem Festkolloquium zu seinem 80. Geburtstag wurde gern darauf Bezug genommen.

Nach dem Tod seiner schwerbehinderten Frau, der er rund um die Uhr aufopfernd und liebevoll zur Seite gestanden hatte, nahm seine Kraft zusehends ab, so Ludwig Biewer. Zuletzt war es still um Joachim Wächter geworden.

eob

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