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Grimmen Begleitung bis in den Tod

Das „Pflegeteam Ostseeküste“ Grimmen kümmert sich auch um Palliativ-Patienten / Morgen ist Welthospiztag

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Begleitung bis in den Tod

Symbolbild: Fürsorglich kümmern sich Pfleger um kranke Menschen – bis in den Tod.

Quelle: Mascha Brichta/dpa

Grimmen. Anke Tekin bezieht das Bett und stellt eine Vase mit Blumen auf den Tisch. „Nachher zieht ein neuer Patient ein – akut palliativ“, sagt die Pflegedienstleiterin des Pflegeteams Ostseeküste. „Er hat Krebs im Endstadium.“

Seit vielen Jahren werden in den Einrichtungen des Grimmener Teams pflegebedürftige Menschen behandelt. Derzeit befinden sich etwa 30 Menschen in Behandlung: Unter anderem Intensivpatienten, Demenzkranke, Komapatienten und Sterbenskranke.

„Bei Palliativ-Patienten gibt es keine Chance auf Heilung“, erklärt Einrichtungsleiter Daniel Buchholz. „Die Behandlung zielt darauf ab, sie auf ihrem letzten Weg zu begleiten, ihre Schmerzen zu lindern und ihnen zu zeigen, dass sie nicht allein sind.“

Sechs Todkranke wurden in diesem Jahr bereits behandelt. 2015 waren es zehn. Die Palliativpflege gewinnt an Bedeutung, denn für die Angehörigen ist es oft eine große seelische und körperliche Belastung, die Sterbenden rund um die Uhr zuhause zu betreuen. „Hier können sie ihre Lieben immer besuchen“, sagt der Chef. „ Für viele ist es eine große Hilfe, dass es in Grimmen die Möglichkeit zur Palliativpflege gibt. So müssen sie nicht täglich in die Hospize nach Greifswald oder Stralsund fahren.“ Außerdem sei es auch für die Patienten schön, in ihrer Heimatstadt zu bleiben.

„Die meisten Palliativ-Patienten, die austherapiert sind und von der Klinik zu uns geschickt werden, wissen, was auf sie zukommt“, sagt der 42-Jährige. „Ihr letzter Wunsch ist es, schmerzfrei und im Kreise ihrer Familie zu gehen.“ Manchmal käme es jedoch auch vor, dass die Schwerkranken ihr Schicksal nicht wahrhaben wollen, trauern und kämpfen. „Das ist eine schwierige Situation. Hier ist es besonders wichtig, für sie da zu sein und ihnen Trost zu spenden“, sagt Buchholz. „Ich frage sie, was sie alles erlebt haben und woran sie sich zurückerinnern. Das ist das Einzige, was wirklich zählt.“

Oft hat das Pflegeteam die Beobachtung gemacht, dass viele Patienten richtig aufblühen. „Dann fragen wir sie, ob sie einen Wunsch haben, beispielsweise einen Ausflug zu machen“, erzählt Buchholz.

„Und wenn sie einfach nur ein Bier trinken oder wieder rauchen wollen, ist das auch gut.“

Pflegedienstleiterin Anke Tekin nickt zustimmend. Seit zwei Jahren arbeitet sie beim Pflegeteam Ostseeküste. „Ich möchte für Menschen da sein und sie so pflegen, wie ich selbst einmal gepflegt werden möchte“, sagt die Frau , der die Patienten oft ans Herz wachsen. „Wir lesen zum Beispiel zusammen in der Bibel oder hören Musik“, sagt sie. „Natürlich muss man eine gewisse Distanz wahren. Es berührt mich immer wieder, aber der Tod gehört zum Leben dazu.“

Erst vor drei Tagen sei ein Palliativ-Patient verstorben. „Natürlich macht es uns traurig, wenn jemand, den man über Wochen oder sogar Monate jeden Tag gesehen hat, plötzlich nicht mehr da ist“, sagt Buchholz. „Aber man muss versuchen, das nicht zu sehr an sich heranzulassen. Sonst landet man irgendwann selbst hier.“

Oft seien es sogar die Angehörigen, die mehr Angst vor dem Tod haben, als der Kranke selbst. Daher ist die Betreuung der Familie ebenfalls ein wichtiger Bestandteil in der Palliativ-Pflege. „Es kommt natürlich immer darauf an, wie eng das Verhältnis in der Familie war“, sagt der gelernte Metallbauer. Er selbst habe mit dem Tod seiner Eltern zu kämpfen. Seine Mutter starb 2012, sein Vater im vergangenen Jahr. „Die waren beide bei uns“, sagt der Grimmener. „Mein Vater war mein bester Freund.“

Der Einrichtungsleiter weiß, wie wichtig es ist, jeden Tag im Leben zu genießen. Oft höre er Menschen darüber reden, was sie noch alles hätten unternehmen wollen. „Was nützen einem denn 100 000 Euro auf dem Konto?“, fragt er. „ Man muss sich auch mal etwas gönnen und sich eine Freude machen.“

Steigende Bedeutung

304 Palliativstationen und 235 stationäre Hospize gibt es, nach Angaben des Deutschen Palliativ- und Hospizverbands, aktuell in Deutschland. Vor fünf Jahren waren es noch 231 Palliativstationen und 198 Hospize.

Seit 2005 findet jährlich am zweiten Samstag im Oktober der Welthospiztag statt. Er soll die Themen Tod und Trauer in der Gesellschaft verankern.

Am 14. Oktober 2000 wurde der Deutsche Hospiztag ins Leben gerufen. Seitdem finden jedes Jahr im Oktober Aktionen und Benefiz-Veranstaltungen rund um diesen Aktionstag statt.

Katharina Ahlers

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