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Grimmen Besitzer Bilow beim Ausritt ermordet
Vorpommern Grimmen Besitzer Bilow beim Ausritt ermordet
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00:00 24.09.2016
Das Herrenhaus musste komplett saniert werden. Als der Verein „Gartenhaus“ das Haus übernahm war es sehr runtergekommen.

In unserer Serie „Prunk, Zerfall und Wiederaufbau“ werfen wir heute einen Blick in die Gemeinde Süderholz. Genauer gesagt nach Grischow. Dort befindet sich in ein, in einem weichen Blauton gestaltetes Herrenaus, welches zu Beginn des 20. Jahrhunderts errichtet wurde.

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Das Gutshaus in seiner jetzigen Form wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts errichtet

Quellen und Literatur

Textarchiv der OSTSEE-ZEITUNG: „Mordanschlag beim Ausritt“ (veröffentlicht am 6. Januar 2012) Marder, Wolfgang: „Güter und Dörfer im Kreis Grimmen“, 2008.

• Internet: http://www.gutshaeuser.de/guts_herrenhaeuser/gutshaeuser_g/gutshaus_grischow_bei_grimmen

Über die Geschichte des Gutshauses in Grischow ist nicht sehr viel überliefert. Sicher kann man jedoch sagen, dass das alte vorpommersche Adelsgeschlecht von Bilow eine wichtige Rolle spielte.

Das Adelsgeschlecht ist erstmals um 1320 bis 1325 mit Hinricus Bylowe und Dominus Hermannus de Bylowe urkundlich erwähnt worden. Die ununterbrochene Stammreihe begann 1387 mit Radeke von Bilow.

Angehörige der Familie hatten übrigens mit Auszeichnung im schwedischen, preußischen und dänischen Militär gedient. So ist beispielsweise aus den Bilows der schwedische General Georg von Bilow, ein preußischer Kapitän Karl Gustav von Bilow, Ritter des Orden Pour le Merite und der pommersche Gutsbesitzer, Politiker und Historiker Nils Ferdinand von Bilow (1800 - 1846), hervorgegangen. Viel entscheidender für die Geschichte des Gutes in Grischow war, wie aus den Urkunden hervorgeht, dass die Familie diverse Güter in Pommern und Mecklenburg besaß. So unter anderem Borgstedt, Grellenberg, Gülzow, Rakow, Schmoldow, Schönenwalde und eben Grischow. Daher kann davon ausgegangen werden, dass es bereits vor der Errichtung des Gutshauses zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine Wohnresidenz der Familie von Bilow in Grischow gab.

Ein interessantes Detail befindet sich immer noch im nordwestlichen Teil des Gartens. Nachdem vor einigen Jahren dort die Restauration der Grabmale im ehemals herrschaftlichen Garten von Grischow abgeschlossen wurde, geben drei Grabstellen einen Einblick in die Geschichte auf dem Rittrergut von 1834 bis 1940. In den beiden älteren Gräbern sind die Ehefrauen des zweimal verwitweten Nils Ferdinand von Bilow begraben. Seine erste Frau, Louise Constanze Meier, stammte aus Brandenburg, wo Nils Ferdinand v. Bilow beim sechsten Kürassier-Regiment als Leutnant diente. Im September 1829 war sie mit ihrem Mann auf dessen väterliches Gut nach Grischow gekommen. Nur 25 Jahre alt, starb sie am 15. April 1834, vier Tage nach der Geburt ihres zweiten Kindes an Kindbettfieber und Scharlach. Zu ihrer Beerdigung ist der Platz im herrschaftlichen Garten mit königlicher Genehmigung zum „Schlummerort“ der Familie von Bilow kirchlich geweiht worden. Am 6. April 1842 wurde neben ihr die zweite Frau von Bilow, Ida, beerdigt.

Nils Ferdinand v. Bilow, der sich wissenschaftlich betätigte und 1843 den ersten Teil einer historischen Arbeit über die Entwicklung der Steuer-Verhältnisse in Vorpommern veröffentlichte, ist im Garten hinter dem Gutshaus beerdigt. Er fiel im Januar 1846 bei einem Ausritt in Grischow einem Mordanschlag zum Opfer. Sein Leichnam - der erst im Mai 1846 gefunden wurde - ist zu Füßen seiner Ehefrauen im Grischower Garten bestattet worden. Mit dem Tod von Nils Ferdinand ging die Geschichte derer von Bilow als Besitzer des Gutes Grischow zu Ende. Rund 100 Jahre später wurde eine weitere Person auf der Fläche begraben. Es handelt sich um Johann Wilhelm von Wolffradt, Urenkel eines Cousins des Nils Ferdinand v. Bilow, der im Oktober 1940 bei einem Reitunfall ums Leben gekommen war.

Seine Familie hatte das Gut 1910 erworben und bis zur Enteignung durch die Bodenreform 1945 besessen.

In den 1920er Jahren hatte man sich in Grischow auf die Pferde- und Schweinezucht spezialisiert. So zählte man damals 150 Schweine, 120 Pferde und immerhin noch 70 Kühe auf dem Gut. Joachim von Wolffradt, der älteste Sohn von Johann Wilhelm von Wolffradt, hatte vor einigen Jahren in Verbundenheit zu seinem Geburtsort Grischow Steinmetzmeister Lada in Grimmen mit der Restaurierung der Grabmale beauftragt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg bot das Gutshaus Flüchtlingen ein vorübergehendes Zuhause, eher es in den folgenden Jahrzehnten immer mehr zerfiel.

Seit nunmehr 16 Jahren befindet sich in dem jetzt grundsanierten Herrenhaus ein Übergangs- und Wohnheim des Vereins „Gartenhaus“ für psychisch kranke Menschen. Insgesamt 18 Personen leben in dem modern eingerichteten Haus. Besonderes Higlight ist inzwischen wieder der einst strahlende herrschaftliche Garten, in dem neben vielen Haustieren unter anderem auch zwei Alpakas leben.

Raik Mielke

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