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Bis 1969 brannte das Schmiedefeuer

Neuendorf Bis 1969 brannte das Schmiedefeuer

Schon der Ur–Großvater von Hans Kruse (91) war Schmied in Neuendorf

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Auch der Friedhof steht auf der Denkmalliste. Hier befinden sich zwei alte Grabstelen. FOTOS (8): RAIK MIELKE

Neuendorf. In Neuendorf hat die Denkmalschutzbehörde des Landkreises Vorpommern-Rügen – im Zuge ihrer Erfassung in den frühen 1990er-Jahren – fünf Denkmäler gelistet. Die Kapelle mit Glockenstuhl und Friedhof mit zwei Grabstelen aus den Jahren 1800 und 1871, die Querbüdnerei, eine Schmiede mit Stall und Scheune, sowie ein Wohnhaus mit Stallscheune und ein Wohnstallhaus geben einen Einblick in die Geschichte des Ortes, der in der Gemeinde Süderholz liegt.

OZ-Bild

Schon der Ur–Großvater von Hans Kruse (91) war Schmied in Neuendorf

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Die Kapelle entstand um 1800 als Fachwerkbau

Die Kapelle ist ein rechteckiger Fachwerkbau, der um 1800 errichtet wurde. Das Highlight im Inneren ist der Altaraufsatz mit Gemälde der Kreuzigung in reich geschnitzter Umrahmung. Zudem befindet sich in der Kapelle Kelch und Patene aus dem 18. Jahrhundert. Ebenfalls aus dieser Zeit stammt das Altarleuchterpaar. Auf dem Kirchhof befindet sich noch heute ein freistehender Glockenstuhl. Der angrenzende Friedhof bekommt seinen Denkmalcharakter vor allem durch zwei Grabstelen aus den Jahren 1800 und 1871. In den 2000 wurde die Kapelle grundlegend saniert. „Im vergangenen Jahr mussten wir die Giebelseite mit Holz verkleiden, weil Wasser eindringen konnte“, erklärt Christine Rusch. Wie die Vorsitzende des Gemeindekirchenrates erklärt, findet einmal im Monat ein Gottesdienst statt.

Hinzu kommen Passionsandachten und diverse Aufführungen, wie beispielsweise von den Laienschauspielern der Gruppe „Comedia povre“. Ein gepflegter Friedhof mit zwei Grabstelen aus den Jahre 1800 und 1871 befinden sich ebenfalls auf der Denkmalliste.

Schmiederei schon zu Ur-Großvaters Zeiten

Stolz sitzt Hans Kruse am Küchentisch seines Geburtshauses in Neuendorf. „Im Jahre 1936 war dieses Haus schon 300 Jahre alt“, erinnert sich der heute 91-Jährige und sagt: „Ich habe mein gesamtes Leben in diesen Wänden gewohnt und nur einige Meter weiter auch gearbeitet.“ Das massive eingeschossige Traufenhaus hatte einst ein Krüppelwalmdach. „Hier im Haus und auch in der Schmiede gab es einen besteigbaren Schornstein“, erklärt Hans Kruse und beschreibt: „Wenn der Schornsteinfeger kam, musste er von unten hineinklettern.“ Der ganze Stolz des Rentners ist die denkmalgeschützte Schmiede mit einem straßenseitigen Tor und den Segmentbogenfenstern. „In der Schmiede hat schon mein Ur-Großvater gearbeitet. Danach wurde das Handwerk in unserer Familie von Sohn zu Sohn weitergegeben. Ich war der Letzte in der Reihe und habe die Schmiede bis 1969 geführt“, verrät er.„Tausende Pferde habe ich in meinem Leben beschlagen. Fünf Jahre war ich sogar in Süd-Frankreich im Einsatz. Da wurden selbst Maulesel beschlagen“, erinnert sich der Senior. Die Schmiede ist immer noch komplett eingerichtet. „Ich könnte sofort loslegen und das Schmiedefeuer anwerfen“, scherzt er und sagt: „Früher kamen die Bauern aus der ganzen Umgebung in unsere Schmiede.“ Ein 1928 errichteter Stall rundet das geschichtsträchtige Grundstück ab.

Querbüdnerei aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts

Das Fachwerkgebäude mit rohrgedecktem Krüppelwalmdach ist in einem sehr guten Zustand und bewohnt. Ein Büdner war der Besitzer eines kleinen ländlichen Anwesens, einer Büdnerei. Dazu gehörte ein eigenes Haus, jedoch nur wenig Land. Das Wort ist von „Bude“ abgeleitet.

Was ist eine Grabstele?

Die Tradition der Stele reicht bis in die griechische Antike zurück. Damals wurden diese hohen, freistehenden Steine, Pfeiler oder Säulen als Grab- und Inschriftensteine oder auch als Grenzpfeiler benutzt.

Sie tragen auf der Vorderseite den Namen des oder der Toten und häufig ein Relief, auf dem auch die Familie oder Szenen aus dem Leben des Verstorbenen dargestellt sein können.

Quelle: wiktionary.org/wiki/Stele

Blick in die Historie

Die Neuendorfer Scholle wurde höchstwahrscheinlich von niederdeutschen Siedlern gerodet und urbar gemacht.

Nach 1250 ist es als „neues Dorf“ von niederdeutschen Kolonisten angelegt worden.

Aus einer Urkunde vom 12. Juli 1276 geht hervor, dass Fürst Wizlaw II. von Rügen dem Kloster Ivenack das Dorf Neuendorf im Lande Loitz schenkte. Zur damaligen Zeit wird der Ort als „Niendorp“ bezeichnet.

1337 fiel das Dorf an die Greifswalder Familie Letzendz.

1343 gehörte Neuendorf laut Bederegister dem Kirchspiel Groß Bisdorf an.

1677 wurde der Ort während des Schwedisch-Brandenburgischen Krieges zerstört. Nach Ende dieses Krieges lebten nur noch zwei Bauernfamilien im Ort. Dieser Zustand änderte sich erst 1684.

1720 hatte Neuendorf wieder einen kleinen Wohlstand erreicht.

Neuen wirtschaftlichen Aufschwung gab es mit dem Bau und der Inbetriebnahme der Greifswald - Grimmener - Eisenbahn, welche durch den Preußenkönig 1895 genehmigt wurde. Der erste Zug fuhr 1896, der letzte 1945.

Nach Beendigung des 1. Weltkrieges pflanzten die Neuendorfer eine Linde, in Hoffnung auf Frieden.

Die Bodenreform von 1945 hatte zunächst keine direkten Auswirkungen auf den Ort, da das Neuendorfer Vorwerk im Jahre 1905 von der Rentenbank gekauft und in 21 Rentenstellen aufgeteilt wurde. Somit handelte es sich bei dem Ort um eine Altbauernsiedlung.

Quellen Internet: http://www.findcity.de/suederholz-buerg erinfo Denkmalbehörde LK Vorpommern-Rügen

Raik Mielke

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