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Grimmen Blut kann man nicht bezahlen
Vorpommern Grimmen Blut kann man nicht bezahlen
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00:00 07.02.2017
Walter Scholz mit Schwester Anja vor knapp zwei Jahren bei seiner 145. Blutspende. Quelle: Foto: Anja Krüger

Walter Scholz ist enttäuscht. Und hat doch allen Grund, stolz zu sein. 147 Blutspenden hat er geschafft, 70 Liter seines Blutes gab er, um Menschenleben zu retten. 150 sollten es aber werden, bevor er Anfang März 70 Jahre alt wird und er mit dieser wichtigen und freiwilligen regelmäßigen Leistung aufhören muss. „Der Eisengehalt in meinem Blut reichte in den vergangenen Monaten nicht mehr aus und ich werde nicht zur Spende zugelassen“, erklärt der Grimmener. „Und nun ist wohl Schluss“, meint er etwas wehmütig.

Gerade mal 18 Jahre jung war Walter 1964, als er zum ersten Mal von seinem Blut gab, um anderen zu helfen. Waldemar Lachmann und Hans Wiedemann vom Roten Kreuz hätten in damals angesprochen und um die Spende gebeten, erinnert er sich. Als Fachverkäufer für Lebensmittel habe er zu dieser zeit im HO Kreisbetrieb Grimmen gearbeitet. „Als ich wenig später meine Armeezeit absolvierte, machte ich weiter“, erzählt Scholz.

Damals sei das Blut noch in Glasflaschen abgefüllt worden, und die waren rar. „Deshalb wurden manchmal einige potenzielle Spender wieder nach Hause geschickt – vor allem bei großem Andrang vor Weihnachten, wenn sich mancher ein paar Markt zusätzlich holen wollte“, sagt Scholz. Viermal im Jahr durfte man spenden, und es gab an und für sich ein kleines Entgelt dafür: zweimal 28 und zweimal sogar 48 Mark. Walter Scholz habe aber immer darauf verzichtet. „Blut kann man nicht bezahlen“, ist er überzeugt. „Ich habe niemals Geld dafür genommen“, betont er. Besonders stolz sei er gewesen, als Grimmen der erste sogenannte weiße Kreis im Bezirk Rostock wurde. Scholz: „Das heißt, bei uns wurde ausschließlich unentgeltlich Blut gespendet. Das muss Anfang der 80er-Jahre gewesen sein.“

Heute gibt es ausschließlich Einweg-Material und flexible Blutbeutel. Auch die Kanülen, mit denen das Blut abgenommen werde, hätten sich verändert. „Die waren damals sehr dick und mussten immer angeschliffen werde“, sagt Walter Scholz. Heute seien sie so fein, dass man den Piecks kaum merke.

Der Grimmener spendete während all der Jahre nicht nur in der Stadt selbst, sondern auch in den umliegenden Dörfern wie in Glewitz, Brandshagen oder Abtshagen. In Arztpraxen und Betrieben sei das damals möglich gewesen. Auch in Grimmen selbst gab es mehrere Standorte für den Blutspendedienst, beispielsweise beim Rat des Kreises, im Seniorenheim oder in der Berufsschule, wo die Schüler besonders spendenaktiv waren, weil sie anschließend nach Hause fahren durften.

„Überall gab es ein tolles Spenderfrühstück, das war interessant zu sehen, wie es überall anders angerichtet wurde. Und in der Broilermast Bassin bekam jeder Spender sogar ein kleines Geschenk vom Betriebsleiter – meist ein Florena-Produkt.“ Einmal im Jahr seien die Blutspender geehrt worden – im „Haus der Freundschaft“ in Grimmen fand diese Festveranstaltung statt.

Nicht nur die Technik hat sich nach 1990 verändert, weiß Walter Scholz. Auch die zugelassene Häufigkeit des Spendens – zumindest bei den Männern. Die dürfen inzwischen nämlich nicht nur vier-, sondern sechsmal im Jahr zur Ader gelassen werden. Wenn sie gesund sind. „Das ist ja der besonders wertvolle Nebeneffekt“, sagt Scholz. Bei jeder Spende werde man untersucht und habe so einen zusätzlichen Gesundheitscheck.

Seit seiner 100. Blutspende besitzt Walter Scholz eine Goldene Blutspende-Chipkarte und darf damit deutschlandweit sein Blut geben. Gruppe B Rhesusfaktor (D) ist darauf vermerkt. „Nur acht Prozent der Bevölkerung haben dieses Blut“, sagt Scholz , der bereits 1977 in Taschkent auf einer Reise nach Vietnam wegen einer Erdbeben-Katastrophe anderen sein Blut zur Verfügung stellte. Oder vor ein paar Jahren in Sri Lanka, wo die Prozedur völlig anders gehandhabt werde: „Dort musste ich mich nackt ausziehen, duschen, bekam ein weißes Hemd und wurde auf eine Liege gelegt. Meinen Arm steckte ich durch ein Loch in der Wand und dann wurde das Blut entnommen“, berichtet er.

„An sich sind aber meine Reisen – vor allem nach Asien – schuld, dass ich nicht noch mehr Spenden geschafft habe“, resümiert Scholz. Denn nach diesen Reisen, die der Grimmener seit Jahren regelmäßig vor allem nach Sri Lanka unternimmt, um auch dort zu helfen, sei er jedesmal für ein halbes Jahr von der Blutspende ausgeschlossen gewesen.

Allerhand erlebt habe Scholz bei seinen Spenden. Beispielsweise wie Kerle aus dem Grimmener Erdöl-Betrieb, breit und groß wie Schränke, bei der Blutentnahme einfach vom Stuhl gekippt seien. Drei Menschenleben können mit einer Spende gerettet werden, erzählt er weiter. Und doch weiß Walter Scholz, dass nicht jeder gerettet werden kann. Anfang der 80er-Jahre beispielsweise sei er einmal direkt ins Krankenhaus nach Bartmannshagen gerufen worden, um zu spenden. Bei Lehmhagen war ein junger Mann bei einen schlimmen Verkehrsunfall verletzt worden. Und doch konnte die Blutübertragung ihn nicht retten.

Almut Jaekel

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