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Brechen Betonpfeiler unter der A20?

Grimmen/Tribsees Brechen Betonpfeiler unter der A20?

Experten rätseln, warum die Autobahn bei Tribsees (Vorpommern-Rügen) im Boden versinkt.

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Abgesackt: Um einen halben Meter senkte sich die A20, Richtung Rostock, bei Tribsees bislang ab.

Quelle: Peter Franke

Grimmen/Tribsees. Sie steckten hoffnungslos in der Falle am Montag kurz vor Mitternacht auf der Autobahn 20, die beiden dänischen Schwerlasttransporte mit ihren Windmühlenflügel-Ladungen. Die Fahrer wussten offenbar nichts von der Vollsperrung der Autobahn hinter der Trebeltalbrücke in Richtung Rostock. Die Ausfahrt nach Tribsees (Vorpommern-Rügen) konnte mit den überlangen und je 40 Tonnen schweren Fahrzeugen nicht genutzt werden. Jetzt müssen die Fahrzeugführer viel Geduld haben, bevor sie weiterrollen dürfen. Denn die neue, jeweils einspurig in beide Richtungen führende Ersatz-Verkehrsführung auf der Gegenfahrbahn wird wohl nicht vor Sonnabend eingerichtet sein.

 

Die Autobahn war am Montagvormittag aus Sicherheitsgründen gesperrt worden (die OZ berichtete). Schon seit März waren auf rund 80 Metern Länge der A20 bei Tribsees Absenkungen beobachtet worden, die sich in den vergangenen Tagen regelrecht dramatisch entwickelten. Zuletzt senkte sich die Trasse täglich um bis zu zwei Zentimeter ab auf insgesamt einen halben Meter – die Verantwortlichen zogen die Notbremse und machten den Bereich dicht. Der Verkehr in Richtung Rostock/Lübeck wird, vermutlich noch bis Sonnabend, auf der Landesstraße 19 über Tribsees, Bad Sülze und Sanitz umgeleitet.

In den vergangenen Wochen war in Regie eines Ingenieurbüros ein Stück der abgesackten A20 aufgegraben worden, bis zum Torf in sechs Metern Tiefe, berichtet Ronald Normann, Abteilungsleiter im Landesverkehrsamt in Güstrow. Doch die Ursache für die immer tiefer werdende Autobahn-Delle bleibt rätselhaft. Straßenbaufachmann Normann vermutet jetzt, dass einige der 70 bis 80 unterirdischen Betonpfeiler, die die Trasse stützen und sich bis zu 25 Meter tief durch den Torf in den festen Boden bohren, abgeknickt sein könnten. „Wenn mehr als zwei Drittel gebrochen sind, kommt auch der Rest“, befürchtet Ronald Normann.

Europaweite Ausschreibung der Bauarbeiten nötig?

„Wir müssen wohl komplett neu gründen“, blickt der Experte in die Zukunft. Dafür sei eine sogenannte Moorbrücke nötig, die wohl erst in rund 30 Metern Tiefe auf festem Grund stehen würde. „Wir werden jetzt den Umfang der nötigen Sanierung feststellen“, sagt Normann. Dabei würden Bohrkernuntersuchungen vorgenommen. Dann werde die Höhe der Kosten veranschlagt. Bei drohenden Bauleistungskosten von mehr als fünf Millionen Euro netto müsse europaweit ausgeschrieben werden. Ebenso bei Planungskosten, die eine Summe von 211000 Euro überschreiten könnten. Die Ausschreibung könne ein halbes Jahr dauern, für die Bauarbeiten seien mit Sicherheit sechs bis sieben Monate nötig, weiß Ronald Normann.

Experten fürchten derweil, dass auch die gegenüber liegende Richtungsfahrbahn der A20 bei Tribsees aufgrund der Mehrbelastung in den kommenden Monaten im Boden versinken könnte. Die komplette Sperrung in beide Richtungen wäre die fatale Folge.

Der Polizei bereitet indessen Sorge, dass viele Autofahrer auf der Umleitungsstrecke versuchen, von der L19 über den Abzweig auf die L23 in Richtung Böhlendorf und Gnoien möglichst schnell wieder auf die A20 zu kommen. Doch der Bereich ist eindeutig als gesperrt gekennzeichnet, weil auch auf dieser Strecke gebaut wird – zwischen Böhlendorf und dem Abzweig zur Bundeswehr.

„Die Leute haben vergessen, was sie in der Fahrschule gelernt haben, unter anderem das Schilderlesen“, sagt eine Autobahn-Polizistin. „Sie verlassen sich zu sehr auf Navigationssysteme.“ – „Wir werden an der L23 Kontrollen vornehmen“, stellt Peter Woch klar, Erster Polizeihauptkommissar und Leiter des Autobahnpolizeireviers in Grimmen.

Peter Franke

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