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Bronze-Dame wacht hoch oben über dem Gut

Prunk, Zerfall und Wiederaufbau: Das Gutshaus in Deyelsdorf Bronze-Dame wacht hoch oben über dem Gut

Das imposante Herrenhaus soll Mitte des 19. Jahrhunderts auf uralten Vorgängerbau-Fundamenten neu errichtet worden sein

Deyelsdorf. Hoch oben und unnahbar thront sie, die mysteriöse Dame aus Bonze. In einer Mauernische auf einem Erker an der Ostwand des Deyelsdorfer Gutshauses. „Es ist geheimnisvoll. Ich habe tatsächlich noch nicht herausgefunden, wen sie darstellen soll. Vielleicht eine Göttin?“, fragt sich Ulrich Schnell. Der Deyelsdorfer erforscht seit Jahren die Geschichte seines Wahl-Heimatortes und hat schon viel Interessantes herausgefunden. Nur eben nichts Erhellendes über die Rolle besagter Frauenfigur am Schlossgiebel.

Das Gutshaus soll Mitte des 19. Jahrhunderts auf den Fundamenten eines Vorgängergebäudes errichtet worden sein. „1855 ist das Haus fertig geworden“, erklärt Ulrich Schnell. Der vorhergehende Bau muss in einem desolaten Zustand gewesen sein, vermutet Schnell. Sonst hätte man damals wohl nicht neu gebaut.

Zuvor hatte das Deyelsdorfer Gut mehr als 200 Jahre lang der schwedischen Familie von Wachtmeister gehört, schreibt der Leyerhofer Heimatforscher Wolfgang Marder in seinem Buch „Güter und Dörfer im Kreis Grimmen“. 1852 war die bürgerliche Familie Pogge neuer Gutsherr des Dorfes geworden. Die Pogges ließen auch neue Wirtschaftgebäude aus Backsteinen errichten. Nach dem Tod Pogges 1875 wurde das Gut von dessen Erben im Jahr 1883 an den damals sehr bekannten Arzt Prof. Dr. Gustav Veit verkauft. Veit wurde 1883 durch den deutschen Kaiser in den Adelsstand erhoben. Er lebte bis zu seinem Tod im Jahr 1903 auf dem Deyelsdorfer Gut. Dr. August von Veit übernahm dann den Besitz. 1905 wurden dort 760 Hektar bewirtschaftet, schreibt Marder. In den Ställen standen 56 Pferde, 225 Kühe und 220 Schweine.

„Zum Gut gehören noch heute der alte Pferdestall, der ehemalige Kuhstall und die frühere Molkerei“, erklärt der Deyelsdorfer Ulrich Schnell. Alle Gebäude, in denen teilweise Wohnungen eingerichtet sind, seien denkmalgeschützt, eben so wie die alte Begrenzungsmauer, die noch immer steht. Der lauschige Pavillon, der einst auf einer Anhöhe im Park auf der Ostseite des Gutshauses stand, existiert allerdings schon lange nicht mehr.

Nach dem Zweiten Weltkrieg diente das Deyelsdorfer Schloss, wie so viel andere, zunächst als Unterkunft für Vertriebene. Danach, ab 1952, wurde der Bau sowohl als Grundschule als auch Berufsschule genutzt. „Ganz früher war die Schule im alten Pfarrhaus untergebracht, ab 1915 dann in einem eigenen Schulgebäude mit einem einzigen Unterrichtsraum“, weiß Ulrich Schnell.

Ingeburg Siekmeier kann sich noch gut an die Zeit erinnern, als im Gutshaus noch Unterricht gegeben wurde. „Das war damals mein erster Einsatzort als Grundschullehrerin“, erinnert sich die Deyelsdorferin. 1961 sei das gewesen. „Es gab vier große Klassenräume. Pro Klasse hatten 20 bis 30 Schüler Unterricht.“ Alles sei seinerzeit „relativ familiär“ zugegangen. „Wir hatten einen schönen Schulhof, eine schöne Veranda, und der Saal war unsere Turnhalle.“ In den Pausen habe die Lehrerschaft gern in der am Gutshaus angebauten Laube gesessen und Kaffee getrunken und dabei auf die Kinder ein Auge gehabt, die unten auf dem Schulhof munter tobten. An den damaligen Schulleiter Heinz Goerke denkt Ingeburg Siekmeier gern zurück: „Er war leidenschaftlicher Modellflugzeugbauer und hatte eine Arbeitsgemeinschaft Modellflug gegründet. Vor allem die Jungs fanden das unheimlich interessant.“ Goerke wurde später Bürgermeister der Deyelsdorfer. Nachdem der Schulbetrieb Mitte der 1970er-Jahre nach Grammendorf umgezogen war, habe kurzzeitig auch ein Kindergarten sein Domizil im Gutshaus gehabt, erzählt Ulrich Schnell.

Nach der politischen Wende diente das Gebäude unter anderem auch als Jugendclub. Anfang der 2000er-Jahre verkaufte die Gemeinde das Gutshaus an einen neuen Eigentümer. Über die geplante künftige Nutzung des Baus, der über mehr als 20 Zimmer verfügen soll, war noch nichts zu erfahren.

Von Peter Franke

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