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Grimmen Bürger fühlen sich überrumpelt von Windmühlen-Plänen
Vorpommern Grimmen Bürger fühlen sich überrumpelt von Windmühlen-Plänen
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21:24 11.05.2018

Glashagen. Nadja Walenta wohnt seit fünf Jahren in Glashagen. Mitten im Dorf. Und sie fühlt sich hier wohl. Bis jetzt. Denn nicht nur sie, sondern auch viele Nachbarn sind um die Idylle besorgt, seitdem bekannt wurde, dass in etwa einem Kilometer Entfernung demnächst Windräder errichtet werden sollen. Sechs Stück. Jedes fast 200 Meter hoch.

Nadja Walenta kommt aus Baden-Württemberg und wohnt seit etwa fünf Jahren in Glashagen.

„Wir waren sehr überrascht, als wir von den Plänen erfuhren“, sagt die junge Frau, die vor kurzem auch Mutter geworden ist. Und sie spricht damit das aus, was auch viele ihrer Nachbarn fühlen und denken. Im Grunde haben wir erst erfahren, dass sich vor unserer Haustür ein sogenanntes Eignungsgebiet für Windkraftanlagen befindet, als alles schon besiegelt war. Nadja Walenta erzählt von einer Zusammenkunft mit Vertretern des Planungsverbandes Vorpommern, auf der im Grunde nur heruntergerattert wurde, was abzuarbeiten war. „Sicher hätten wir vorher besser aufpassen müssen, was hier geschieht“, sagt sie selbstkritisch. Aber für Bürger sei es sehr schwierig, einzugreifen, weil sie gar nicht wissen, wie solch ein Planungsprozess abläuft. Die Öffentlichkeitsbeteiligung sei hier scheinbar nicht gewollt, kritisiert Nadja Walenta. „Alles ist heimlich abgelaufen“, gibt sie ihre gewonnenen Eindrücke wieder. Und sie weiß sich mit dieser Meinung einig mit vielen Dorfbewohnern, die sich auch in einer Interessengemeinschaft „Schöner wohnen in Glashagen“ zusammengefunden haben. Was sie besonders nachdenklich stimmt, ist die Tatsache, dass die Windmühlen auf Flächen errichtet werden sollen, die sich größtenteils in Landeseigentum befinden.

Einzige Hoffnung, die sie im Dorf jetzt noch haben, gegen das Vorhaben etwas ausrichten zu können, sind naturschutzrechtliche Bedenken, die noch mal überprüft werden sollen. Denn, was die vorgeschriebene Kartierung zum Beispiel des Schreiadlers betrifft, sei diese nur in einem Radius von zwei statt vorgeschriebener drei Kilometer vorgenommen worden, meint Nadja Walenta. Und auch der Horst eines Rotmilans wäre betroffen, ergänzt sie. Auf jeden Fall haben die Einwohner die volle Unterstützung der Gemeindevertretung Wittenhagen. Bürgermeister Frederic Beeskow (parteilos) hat sich von Anfang an genauso überrascht gefühlt von den Plänen, wie seine Bürger. Deshalb will er die Sache auch nicht so hinnehmen. „Die Gemeindevertretung wird alle juristischen Mittel ausloten, damit hier eine nochmalige Überprüfung vorgenommen wird“, zeigt sich Beeskow entschlossen.

Nadja Walenta ist seinerzeit zu ihrem Lebensgefährten nach Glashagen gezogen. Der hat hier ein ganzes Jahrzehnt lang ein altes Gehöft wieder aufgebaut. Mit Fachwerk, kopfsteingepflasterter Einfahrt, Spielplatz, großer Wiese und freiem Blick in die Natur. Hier kann man runterkommen von der Hektik des Alltags. Ob das auch künftig noch so sein wird, da hat Nadja Walenta, die aus Baden-Württemberg stammt, ihre Zweifel. Denn die Fundamente für die Windräder werden schon errichtet.

Reinhard Amler

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