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Grimmen Das große Fressen
Vorpommern Grimmen Das große Fressen
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00:00 12.06.2017
Revierförster Hendric Wojtek überprüft eine Borkenkäferfalle. In den roten Kapseln ist ein Lockstoff enthalten, dem die Plagegeister nicht widerstehen können. Sie fliegen den schwarzen Kasten an, aus dem sie, einmal drin, nicht wieder entkommen können. FOTOs (4): CLAUDIA NOATNICK
Bremerhagen

Er ist etwa fünf Millimeter groß, ziemlich verfressen und scheint sich momentan sehr wohl zu fühlen – der Borkenkäfer. Erst vor einigen Tagen hat Revierförster Hendric Wojtek die Käferfalle im Bremerhäger Forst frisch mit Lockstoffen bestückt. Nun schüttet er geschätzte 150 dieser schwarzen Winzlinge in einen Eimer. „Der Borkenkäfer ist eigentlich immer da“, erklärt der Förster. „Man muss nur aufpassen, dass es zu keiner Invasion kommt.“

Vorsicht in den Wäldern der Region: Der Borkenkäfer ist im Anmarsch

Krabbelnder Tod

Weltweit gibt es etwa 6000 Borkenkäferarten, in Mitteleuropa kommen etwa 120 Arten vor.

Bei günstigen Bedingungen (warmes, trockenes Wetter) kommt es zu Massenvermehrungen.

Borkenkäfer können ganze Nadelwälder zum Absterben bringen.

Keiner der natürlichen Feinde wie Spechte kann bei einer Massenvermehrung eine Borkenkäfer-Population wesentlich verringern.

Denn der kleine Käfer ist alles andere als harmlos. Schafft er es erst einmal, sich durch die Rinde einer Fichte zu bohren und darin seine Eier abzulegen, dann kann er ganze Bäume zum Absterben bringen. Im Moment herrschen für den fünf Millimeter großen Vielfraß ideale Bedingungen: Der Borkenkäfer liebt Temperaturen über 15 Grad Celsius. Und wenn es dazu wenig regnet, ist es für ihn perfekt.

Von Panik ist Hendric Wojtek zwar weit entfernt, dennoch, so sagt er, könne es nicht schaden, etwas wachsamer zu sein und den gefräßigen Fichtenschädling im Auge zu behalten. Die Fallen – schwarze mit Pheromonen bestückte Plastikbehälter – geben erste Aufschlüsse darüber, ob der Borkenkäfer vermehrt aktiv ist. Je größer die Anzahl der Insekten darin, desto mehr Wachsamkeit ist geboten. Ein weiteres Indiz, dass die Käfer in Fichten ihr Unwesen treiben, ist ein vermehrter Harzfluss der Bäume. „Durch das Harzen wehrt sich der Baum gegen Schädlinge. Er versucht sie quasi herauszuspülen“, erklärt der Revierförster. Nicht zuletzt weist feines rötliches Bohrmehl an Stämmen darauf hin, dass sich hier Käfer durch die Borke gefressen haben.

Es sind die männlichen Käfer, die winzige Löcher durch die Rinde bohren und dahinter so genannte Rammelkammern anlegen. Die dorthin gelockten Weibchen werden hier begattet. Anschließend fressen diese weitere Muttergänge in Rinde und Holz, in jeden Gang werden bis zu 80 Eier abgelegt. Schlüpfen die kleinen Borkenkäfer, geht das große Fressen weiter. „Indem die Käfer fressen und fressen, unterbinden sie die Versorgung des Baumes und er stirbt ab. Das ist so, als wenn ein Mensch verhungert“, erklärt Hendric Wojtek.

Wenn man dann noch weiß, dass ein einziges Borkenkäferpärchen – inklusive aller ihrer Nachfolgegenerationen – bei idealen Bedingungen rund eine Viertelmillion Nachkommen erzeugen kann, ist die Vorsicht der Forstleute zu verstehen. Im Bremerhäger Forst ist deshalb derzeit der Harvester im Einsatz. Die Holzerntemaschine fällt bereits vom Borkenkäfer befallene Bäume, um eine Invasion der Plagegeister im Keim zu ersticken. Wenige Meter weiter sammelt eine Holzrückemaschine die Stämme und transportiert sie zu Sammelplätzen, von wo sie schnellstmöglich abgeholt werden sollten. Denn dem Käfer ist es egal, ob er in einen lebenden oder toten Baum seine Kammern und Gänge frisst und neue Generationen der schwarzen Plagegeister heranzieht.

Hendric Wojtek jedenfalls wird seine Borkenkäferfallen weiter mit Ködern bestücken und beobachten. „Manche halten das für unsinnig. Ich sehe das ein wenig anders“, sagt er. Käfer, die in die Falle fliegen, können keinem Baum mehr schaden. Im Herbst werden seine Beobachtungen der Fallen und Bäume ausgewertet und notfalls weitere Fällmaßnahmen entschieden.

Claudia Noatnick

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