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Grimmen Das letzte Pommern-Schloss
Vorpommern Grimmen Das letzte Pommern-Schloss
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00:01 05.12.2017

Die geografische Verteilung historisch wertvoller Schlösser, für die sich die Landesregierung verantwortlich fühlt, ist in Mecklenburg-Vorpommern seit jeher recht ungleich. Sieben Schlösser in Mecklenburg, nur eines in Vorpommern – das Jagdschloss Granitz auf Rügen. Westlich der Recknitz sind hingegen das Schweriner, das Güstrower und das Ludwigsluster Schloss sowie die Residenzbauten in Mirow und Hohenzieritz, Schloss Bothmer und Willigrad mit finanzieller Unterstützung aus Schwerin vor dem Verfall gerettet worden.

Die Landes- regierung entdeckt das kulturelle Erbe Vorpommerns und will nun das Schloss Ludwigs- burg übernehmen. Das Gebäude, das architektonisch recht profan daherkommt, soll ein Ort für Kunst und Kultur werden.

„Ich bin optimistisch, dass die Bundesregierung ein Interesse daran hat, dieses regionalgeschichtliche Engagement zu fördern.Mathias Brodkorb

Landes-Finanzminister (SPD)

Der Umstand, dass das Land vor wenigen Tagen im Koalitionsausschuss des Landtages entschieden hat, sich nun auch für Ludwigsburg in der Nähe von Greifswald engagieren zu wollen, könnte dieses seit Jahren bestehende Missverhältnis ein wenig korrigieren helfen. War die Benachteiligung Vorpommerns (egal, ob dies eine gefühlte oder reale ist) die Motivation für den Wandel bei der Unterstützung, die architektonisch eher unspektakuläre Anlage in Ludwigsburg zu erhalten? Kein Prunk von Sanssouci oder Versailles, dafür solide Satteldächer auf dem Haupt- und den Nebenflügeln.

Finanzminister Mathias Brodkorb (SPD) sagt überraschend offen, dass es bei der Entscheidung durchaus um das Gleichgewicht im Land gegangen sei. „Die historisch begründeten Eigentumsverhältnisse sind so, dass das Land in erster Linie für die Schlösser in Mecklenburg sowie das Jagdschloss Granitz zuständig ist. Angesichts der verbesserten finanziellen Situation des Landes war der Entschluss angemessen, ein landesgeschichtlich wichtiges Schloss, das über Jahre von einem Verein vor dem Verfall bewahrt worden ist, für die Zukunft auch mit Unterstützung des Landes zu erhalten.“ In früheren Jahren wäre dies auf Grund der angespannten Haushaltslage des Landes schwierig gewesen. Er sieht die Qualität des Schlosses nicht in der Architektur, sondern in seiner Bedeutung für die pommersche Geschichte.

Schloss Ludwigsburg ist in Deutschland der letzte vorhandene Renaissancebau der pommerschen Herzöge und als einziger fast vollständig im Original erhalten. Das Herrschergeschlecht war mit dem Tod von Bogislaw XVI. 1637 ausgestorben. Er verließ das Leben kinderlos und völlig verarmt. Lediglich das Schloss Rügenwalde, heute polnisch Darlowo, hat die Zeit recht angemessen überdauert und ist in den 80er-Jahren Stück für Stück saniert und 1988 der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht worden.

Andere baugeschichtliche Zeugnisse der pommerschen Herzöge sind verfallen oder stark verändert worden – wie das Schloss in Ueckermünde, dem herzöglichen Jagdsitz. Darin residiert heute die Stadtverwaltung. Allerdings wurde das Gebäude im Laufe der Jahrhunderte mehrfach umgebaut. Drei Flügel sind 1730 abgerissen worden, ein Brand gab dem Schloss 1866 den Rest. In der Stadt erinnert in den Wintermonaten aber nach wie vor das Bogislaw-Läuten der St. Marienkirche Abend für Abend an Bogislaw X., der sich um 1500 bei einem Jagdausflug verirrt hatte und nur durch den Ton der Glocke wieder zurückfand.

Das Stettiner Schloss ist während des Zweiten Weltkrieges zu großen Teilen ebenfalls weitgehend zerstört worden. Insofern gilt Ludwigsburg, was die Qualität der historischen Beschaffenheit angeht, durchaus als etwas Besonderes. Heute befindet es sich nach mehreren Eigentümerwechseln in Besitz der Familie Weißenborn, die aber bereit sei, das Gebäude zu einem symbolischen Preis an das Land zu verkaufen, wenn es im Gegenzug ein würdiges Andenken gebe, sagt Sascha Ott, konservativer CDU-Politiker, Oberstaatsanwalt, engagierter Vorpommer. Ott ist zugleich Vorsitzender des Ludwigsburger Fördervereins. Die zunächst eher schwammig formulierte Entscheidung des Landes, für Ludwigburg Verantwortung übernehmen zu wollen, ist für ihn eine Absichtserklärung dazu, dass „Geld in die Maschine kommt“.

Dem widerspricht auch Finanzminister Brodkorb nicht. Sein Plan sei es, Schloss Ludwigsburg dem Pommerschen Landesmuseum anzuschließen, das wiederum von einer Stiftung getragen wird, in der auch der Bund Mitglied und Geldgeber ist. An der Sanierung des Schlosses müsste sich der Bund beteiligen, hofft Brodkorb: „Ich bin optimistisch, dass die Bundesregierung ein Interesse daran hat, dieses regionalgeschichtliche Engagement zu fördern.“ Er, wie auch der Schlossvereinsvorsitzende Ott rechnen mit Sanierungskosten in Höhe von rund 20 Millionen Euro. Bezieht man die weitläufige Parkanlage mit ein, könnten gut 30 Millionen Euro nötig sein.

Egal, ob es nun bei der Sanierung eine kleine oder große Lösung gibt, haben zuvor sowohl der Verein als auch das Land einige Hausaufgaben zu erledigen. Dazu zählt die Regelung der bislang etwas ungeordneten Grundstücksverhältnisse. Während das Schloss selbst noch im Besitz der nach dem letzten Weltkrieg enteigneten Weißenborns ist, gehört dem Förderverein ein riesiges, früher landwirtschaftlich genutztes Gebäude, das aus der Luft betrachtet wie ein großes L aussieht. Den Innenhof besitzt die Gemeinde Ludwigsburg. Da alle drei Eigentümer das Interesse haben, dass es mit der Sanierung der Schlossanlage endlich vorangeht, deuten sich im Hintergrund bereits recht einvernehmliche Verhandlungen an. Dennoch wird das Land das Schloss nur übernehmen, wenn es Eigentümer des gesamten Anwesens wird.

Sind diese Details geklärt, will die Landes- bei der Bundesregierung vorsprechen, um die nötigen Fördermillionen einzusammeln. Vorteil Vorpommern: An dieser Stelle könnte der Chefhaushälter der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Eckhard Rehberg seinen Einfluss nutzen. Rehberg, der in MV seinen Wahlkreis hat, sorgte zuletzt beispielsweise auch dafür, dass der Bund sich mit satten 15 Millionen Euro an dem geplanten Umbau des Stralsunder Meeresmuseums beteiligt – immerhin der Hälfte der avisierten Gesamtsumme. Im Fall von Ludwigsburg könnte man also heimlich mit rund zehn Millionen aus Berlin rechnen. In den Mund nimmt diese Summe aber noch niemand.

Brodkorb schmiedet unterdessen bereits Pläne, wie Schloss Ludwigsburg einigermaßen kostendeckend betrieben werden kann. Als ein Ort für kunstinteressierte Sommerfrischler beispielsweise, der nur von März bis Ende Oktober geöffnet ist. In dieser Zeit könnte das Schloss Ausstellungen beherbergen oder ein Ort für Kulturveranstaltungen sein. Der Minister rechnet mit höchstens 10- bis 20000 Besuchern pro Jahr, weshalb ein ganzjähriger Betrieb aus seiner Sicht nur schwer zu realisieren sei.

CDU-Mann Ott sieht in Schloss Ludwigsburg sogar so etwas wie ein Symbol, dass solides politisches Handeln erfolgreich sein kann. „Alle, die nur meckern oder zur AfD laufen, sollten lieber nach Möglichkeiten suchen, etwas zu tun.“

Wechselvolle Geschichte

1586 schenkt Pommern-Herzog Ernst- Ludwig seiner Frau Sophie Hedwig von Braunschweig-Wolfenbüttel Land aus dem Besitz des Klosters Eldena, worauf sie das Schloss errichten lässt.

1650 wird das Schloss an den Greifswalder Stadtkommandanten Burchard Müller von der Lühne verkauft. 1776 ersteigert der schwedische Oberstleutnant Friedrich Ernst Sebastian von Klinkowström das Schloss. Es bleibt bis 1810 in schwedischem Besitz. Friedrich Ernst Sebastian von Klinkowström ist der Vater des Romantikers Friedrich August von Klinkowström.

1810 Johann Philipp Hermann Weißenborn kauft das Schloss. Seine die Familie nutzt es als Sommerresidenz. 1946 wird die Familie enteignet. Das Schloss kommt in den Besitz der Gemeinde, die hier Flüchtlinge unterbringt.

1991 kauft die Familie Weißenborn das Anwesen zurück. Ab 2002 ist es regelmäßig geöffnet. Das Land erklärt 2017, das Schloss zu erwerben.

Benjamin Fischer

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