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Das schwarze Schaf unter den Ostsee-Badestellen?

Barth Das schwarze Schaf unter den Ostsee-Badestellen?

Die Glöwitzer Bucht bei Barth wird von der EU als mangelhaft eingestuft / Es gilt ein Badeverbot / Aktuelle Messung besagen das Gegenteil

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Die Badestelle Glöwitzer Bucht bei Barth: Jetzt auch mit Strandsand.

Quelle: Stefan Sauer

Barth. ist anerkannter Erholungsort. Darauf sind die Barther stolz. Gute Luft, gute Infrastruktur, ein schicker Hafen, Urlauber sollen sich wohlfühlen in der Vinetastadt. Doch eine Sache trübt das Bild. In der vergangenen Woche wurde der jüngste Badegewässer-Report der Europäischen Umweltagentur veröffentlicht. Der bescheinigt der Glöwitzer Bucht eine mangelhafte Gewässer-Qualität. „Wo man besser nicht ins Wasser hüpft“, titelten Online-Medien daraufhin, auch mit Hinweis auf den Boddenabschnitt bei Barth. Als einzige Badestelle in Mecklenburg-Vorpommern fiel die Glöwitzer Bucht in dem Prüfbericht durch. Zum Ärger für die Betroffenen.

Ein einziges Mal wurden die zulässigen Höchstwerte überschritten.“Dr. Stefan Kerth (SPD), Bürgermeister von Barth

„Das Thema bewegt uns jedes Jahr“, sagt Dr. Stefan Kerth (SPD), Bürgermeister der Stadt Barth. Die kümmert sich seit Jahren um die Badestelle. Rettungsschwimmer sind vor Ort, vor der diesjährigen Saison wurden gar 800 Tonnen Strandsand aufgefüllt, um Gästen ein richtiges Strandgefühl bieten zu können. Zuvor war dort am Ufer vorrangig Wiese zu finden.

„Ein einziges Mal wurden die zulässigen Höchstwerte überschritten“, sagt Stefan Kerth. Und zwar Anfang September 2012. Ansonsten hätten die Proben in den vergangenen Jahren stets gute Werte ergeben.

„Die letzten Messungen zeigen, dass wir Top-Wasser haben.“

Entsprechend widersprüchlich sind die Einschätzungen. Laut EU gilt in der Badestelle Glöwitzer Bucht ein Badeverbot. „Zum Baden geeignet“, heißt es auf der Internetseite des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lagus).

Komplizierte Rechenmethode Der Grund, dass die EU zu einer anderen Bewertung kommt, liegt in der komplizierten Berechnungsmethodik. 2006 hatte das Europäische Parlament eine Richtlinie für Badegewässer erlassen, der das Land Mecklenburg-Vorpommern mit einer Verordnung 2008 folgte. „Früher wurde im Zweiwochen-Rhythmus beprobt. Waren die zulässigen Grenzwerte überschritten, wurde ein Badeverbot verhängt“, erklärt Mathias Kutschke vom Gesundheitsamt des Landkreises. Eine kurzfristige Sache also.

Mit der EU-Regelung sind fünf Proben pro Badesaison vorgeschrieben. Über einen Zeitraum von vier Jahren werden diese ausgewertet, insgesamt also Ergebnisse von 20 Proben. Die drüber hinaus komplizierte statistische Rechenmethode führt schließlich dazu, dass ein Außreißer nach oben ausreicht, „um die Arbeit aus vier Jahren zunichte zu machen. Das ist ein statistisches Problem“, sagt Kutschke.

Und das war 2012, als der Wert der Probe für E.coli-Bakterien (Magen-Darm-Bakterien) bei einer Probe im September 2012 mit mehr als 4000 koloniebildenden Einheiten (KBE)/100 ml Wasser den Höchstwert von 1800 KBE/100 ml überschritt.

In der Folge seien die Werte stets weit unter dem Höchstwert gewesen. Die letzte Probe des Gesundheitsamtes vom 11. Mai wies einen E.coli-Wert von 22 KBE/100 ml aus. Doch laut EU-Prüfung gilt ein Badeverbot seit 2012. Das Schild hängt dort auch in diesem Jahr. „Ich würde da baden gehen“, sagt Bürgermeister Kerth. Viele andere würden es ihm gleich tun. Die Badestelle sei sehr beliebt, werde rege genutzt.

Hoffen auf 2017 Fest steht allerdings dennoch, dass immer zum Saisonende die Messwerte höher sind als am Anfang, auch wenn die Höchstwerte nicht erreicht werden. Warum das so ist und warum diese eine Messung im September 2012 so ein Ausreißer war, ist unklar. Bäche sind geprüft worden, die Zufahrt zum Barther Hafen wurde an vier Stellen untersucht, Wasserversorger, Umweltministerium, Untere Wasserbehörde saßen mit im Boot. Wirklich etwas rausgekommen ist nichts. „Es hat keine Auffälligkeiten gegeben. Das ist zum Teil auch frustrierend“, sagt Mathias Kutscke. Laut Lagus seien „für die zum Teil sporadisch auftretende Verunreinigungen mit hoher Wahrscheinlichkeit die landwirtschaftliche Nutzung des Umlandes sowie die Beweidung von ufernahen Flächen“ ursächlich. Doch auch das sei nicht nachgewiesen worden, könne nur vermutet werden.

Letztlich hoffen die Betroffenen darauf, dass es in diesem Jahr keinen weiteren Ausreißer geben wird. Da die Bewertung der EU auf dem Zeitraum der vergangenen vier Jahre basiert, also für die Einstufung für die Badesaison 2017 die Proben der Jahre 2013 bis 2016 ausgewertet werden, fällt das Jahr 2012 und damit die ominöse Probe aus dem September 2012 aus der Wertung. Damit wäre der Makel von der Landkarte der Ostsee-Strände mit Top-Wasserqualität getilgt.

Robert Niemeyer

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