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Dem Landkreis droht Verlust von 40 Notärzten

Zingst Dem Landkreis droht Verlust von 40 Notärzten

In MV müssen Lebensretter auf Honorarbasis sozialversicherungspflichtig beschäftigt werden / Diese Praxis beschäftigt inzwischen das Bundessozialgericht

Zingst. /Grimmen. „Lebensretter gesucht“ – unter diesem Motto stand der erste Aktionstag des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Zingst. An zahlreichen Stationen konnten sich die Besucher einen Eindruck über die vielfältigen Aufgaben des Wohlfahrtsverbandes in Mecklenburg-Vorpommern informieren. DRK-Präsident Dr. Rudolf Seiters ließ es sich nicht nehmen, den Aktionstag zu eröffnen.

Das Motto des Tages könnte für Mecklenburg-Vorpommern durchaus besondere Bedeutung gewinnen. Denn derzeit streiten sich die Träger von Rettungsdiensten mit den Sozialkassen vor Gericht. Es geht um den Einsatz von angestellten Ärzten im Rettungsdienst auf Honorarbasis.

Abweichend von der Praxis in vielen anderen Bundesländern wird im Nordosten eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung gefordert. Aber: Die auf Honorarbasis beschäftigten Notärzte haben eine Anstellung – meist in Krankenhäusern. Sollte das Bundessozialgericht die Auffassung der Träger der Rettungsdienste verwerfen, würde der Landkreis Vorpommern-Rügen auf einen Schlag gut 40

Notärzte verlieren. Das bestätigte der zweite stellvertretende Landrat Manfred Gerth auf Nachfrage der OSTSEE-ZEITUNG.

Kurzfristig sei diese Lücke nicht zu schließen. Zwar gebe es sogenannte Freelancer – selbstständige Notärzte, die sich dort verdingen, wo die Personaldecke dünn ist –, doch fürchtet Gerth, dass im Zweifel erst einmal ein Rettungsassistent der kompetenteste Retter am Unglücksort sein könnte. Noch ist ist ein endgültiges Urteil nicht gesprochen worden – und bis dahin werden auch angestellte Ärzte weiterhin auf Honorarbasis im Rettungsdienst eingesetzt.

Rudolf Seiters erinnerte während der Eröffnung an die rund 400000 ehrenamtliche Helfer in ganz Deutschland. Die machten das Land „ein Stück weit menschlicher“.

Der Zingster Bürgermeister Andreas Kuhn (CDU) sah den Aktionstag auch als Würdigung für das Engagement des DRK in dem Seeheilbad.

„Wer kann sich noch daran erinnern, wie ein Patient in die stabile Seitenlage gebracht werden muss?“, fragte Werner Kuhn. Der Präsident des DRK-Landesverbandes MV freute sich, dass mit dem „Tag des DRK“ ein tiefer Einblick in die Arbeit des Verbandes ermöglicht werde.

Besonders betonte er die Medical Taskforce. Das ist eine Spezialeinheit für Katastropheneinsätze. „Allein das DRK“, so Werner Kuhn, „sei durch seine Größe in der Lage, in solchen Fällen sowohl technisches Gerät als auch medizinisches Personal, etwa aus den eigenen Krankenhäusern, für den Notfall zur Verfügung zu stellen“.

Die Medical Taskforce dient mit ihrer besonderen Ausstattung auch dazu, bei Groß-Schadensfällen Verletzte versorgen zu können, bis ein Platz in einem Krankenhaus gefunden wurde, wie Manuela Thiede aus Greifswald sagte.

Timo Richter

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