Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Grimmen Devise der Pastorin: Weg wollen wir nicht wieder
Vorpommern Grimmen Devise der Pastorin: Weg wollen wir nicht wieder
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:59 01.02.2019
Sebastian (41) und Brunke Ziemann (35) leben mit ihren beiden Kindern Albrecht (fast 2) und Agnes (6 Monate) im Pfarrhaus. Quelle: Dana Frohbös
Groß Bisdorf

 Seit knapp zwei Jahren leben Brunke und Sebastian Ziemann im alten Pfarrhaus in Groß Bisdorf. Er ist Landwirt, sie die Pastorin im Ort. In etwa acht Jahren könnte sich das ändern, denn dann steht ein Gespräch mit dem Bischof zum Thema Stellen- und Ortswechsel an. Die Idee dahinter: „Man soll nicht an seiner Stelle kleben, denn man spricht ja nicht jeden Einwohner menschlich an“, sagt die junge Pastorin. Aber weg will die Familie gar nicht wieder. „Man hat uns hier so herzlich aufgenommen“, sagt Brunke Ziemann.

Dabei stand ein Theologiestudium und der Berufswunsch Pastorin zunächst nicht auf ihrem Zettel. „Eigentlich wollte ich Schauspielerin werden oder Sprechwissenschaft studieren.“ Für Letzteres hatte sie sich sogar in Halle beworben. „Ich dachte, ich komme da ganz gut an, aber deren Reaktion war eher verhalten“, erinnert sie sich. „Und ans Schauspielen habe ich mich dann gar nicht mehr rangetraut.“ Aber es tat sich ein Plan B auf. „Ich war in der Jungen Gemeinde immer sehr aktiv“, sagt Brunke Ziemann. Und der Jugendarbeiter hatte ihr damals immer gesagt, dass man so eine wie sie in der Kirche gut gebrauchen könnte. „Dann habe ich Theologie studiert.“

Für die Größe des Ortes hat Groß Bisdorf eine außergewöhnlich große Kirche.

Groß Bisdorfer sind sehr herzlich

Eine gute Entscheidung. Denn, dass sie in Groß Bisdorf so schnell heimisch geworden ist, hat sie auch ihrer Berufswahl zu verdanken. Da habe man es leichter, sagt die 35-Jährige. Schließlich gehören als Pastorin vor allem Geburtstags- und Seelsorgebesuche zu ihrem Alltag. „Außerdem hat Groß Bisdorf uns auch gleich als Dorf gut gefallen“, sagt Brunke Ziemann über ihren ersten Besichtigungsbesuch. Die Idylle, die reetgedeckten Häuser, die gute Infrastruktur – und natürlich die große Kirche hätten den Ausschlag gegeben, sich für die Pastorenstelle in Groß Bisdorf zu entscheiden.

Auch ihr Ehemann Sebastian ist froh, in Groß Bisdorf leben zu können. Der 41-Jährige stammt aus der Gegend um Demmin. „Ich bin Landwirt, und da kann man mit seinen Flächen ja nicht einfach umziehen“, sagt er. Der gelernte Werkzeugmechaniker geht auch gerne mit seiner Frau zu Geburtstagsbesuchen. „Manche sind ja auch nicht so redselig, und mit Männern kann ich gut über Technik reden“, sagt er. Das sei oft ein Türöffner.

Neue Stelle trotz Schwangerschaft

Als Brunke Ziemann 2017 ihre Stelle in Groß Bisdorf antrat, war sie bereits mit Albrecht schwanger und es war klar, dass sie erst einmal für eine ganze Zeit ausfallen würde. „Dass die Groß Bisdorfer unsere Familienplanung so mittragen, das rechne ich ihnen echt hoch an“, sagt sie. Inzwischen ist mit Agnes schon das zweite Kind da. Die anfallende Verwaltungsarbeit für die 13 zur Kirchengemeinde gehörenden Ortsteile übernimmt zurzeit Christine Rusch vom Kirchengemeinderat. Auch der Förderverein sei eine große Hilfe. „Die sind hier sehr engagiert und wollen ganz viel“, sagt Brunke Ziemann. Das sei sehr besonders für die Region.

Schließlich kennt die 35-Jährige das auch ganz anders. Ihre erste Stelle als Pastorin hatte sie in Feldberg. „Da lief alles nur dann, wenn ich was angestoßen habe“, sagt sie. „Und hier läuft alles problemlos weiter, obwohl ich gerade sogar in Elternzeit bin.“ Brunke und Sebastian Ziemann sind gekommen, um zu bleiben. „Das sind hier so besondere Bedingungen“, sagt die Pastorin. „Das finden wir nie wieder.“

Lesen Sie alle Teile zur Serie:

Zur Arbeit ins eigene Wohnzimmer

Überraschendes aus der Kirchenchronik

Dana Frohbös

Gemeindeoberhaupt wünscht sich auch junge Leute in der Gemeindevertretung.

01.02.2019

Die Lehrer der Dr. Theodor Neubauer Schule verwandelten sich am Donnerstag für einen Tag in Hexen, Teufel, Giraffen und liebenswerte Teufel. Am Freitag wird es wieder ernst. Dann gibt’s Zeugnisse.

01.02.2019

Herbert Degler (84) aus Grimmen war im Jahrhundertwinter Verkehrsmeister im Straßenbauamt.

01.02.2019