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Die „Alte Bäckerei“ ist Werkstatt für Kinder

Grimmen Die „Alte Bäckerei“ ist Werkstatt für Kinder

Kleine Handwerker bauen Nützliches für den Alltag

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Jugendwart Hansi Hartmann zeigt Aliz (9), wie man ein Glas graviert. Es ist für ihren Opa.

Grimmen. Wenn der Gravurstift auf Glas trifft, wird es laut im ersten Stock der „Alten Bäckerei“. Konzentriert zeichnet Aliz (9) ein O auf die glatte Oberfläche. „Das hört sich ja an wie beim Tätowierer“ ruft jemand dem Lärm entgegen. Zehn Kinder kommen in dieser Woche täglich vorbei, um gemeinsam zu basteln und zu werkeln. „Finger-Ferien“ nennen sie das.

 

OZ-Bild

Christian (11) entfernt des Blech-Etikett von einer Flasche. Er will sie halbieren und später Kerzen hineinstellen.

Quelle: Fotos: Philip Schülermann

Auf dem großen Tisch in der Mitte des Raumes sieht es nach Arbeit aus: Korken, Flaschen, Kleber, Scheren, ein Spiegel, Werkzeuge. An einem Schraubstock steht der elfjährige Christian und sägt, als hinge sein Leben davon ab. „Das mache ich schon seit vier Stunden“, sagt er und lacht, „gestern auch schon.“ Muskelkater? Fehlanzeige. Die Scheibe Birkenholz wird die Grundlage für einen Kerzenhalter zum Hinhängen. „Ich bohre da auch noch Löcher rein“, erzählt Christian. In die werden halbierte Flaschen kopfüber hineingestellt. In ihnen finden dann die Kerzen Platz. Um die Flaschen kümmert sich Christian im nächsten Schritt.

Hansi Hartmann leitet die „Fingerferien“. Ein vielgefragter Mann in der Werkstatt. „Ich finde es erschreckend, dass viele Kinder nicht mehr mit Werkzeug umgehen können – weil sie es nicht dürfen“, sagt er. Unterm Dach der „Alten Bäckerei“ lagert er allerlei Materialien, aus denen man etwas bauen kann. „Bauen!“, das ist ihm wichtig, dass die Kinder an etwas arbeiten, was hinterher auch einen Nutzen hat. Viel vorgeben will er nicht. „Die Kinder sollen sich selbst etwas ausdenken.“ So kam es auch zu einem herzförmigen Spiegel, der gleichzeitig Pinnwand ist. Aliz baut ihn. Er war auch ihre Idee. Jetzt wird aber erst mal ein Glas graviert. Das O ist bereits fertig, nun folgt ein P.

Die „Finger-Ferien“ sind ein lockeres Beisammensein. Wer eine Pause braucht, kann das Werkzeug mal beiseite legen oder ein wenig an die frische Luft gehen. Laut geht es in der Werkstatt nicht zu – vom Lärm der Schleifmaschine und dem Gravier-Werkzeug mal abgesehen. Die Kinder arbeiten still für sich und doch alle zusammen. „Es ist immer schön, wenn man etwas selbst gemacht hat“, sagt Jugendwart Hansi Hartmann.

Seit Montag treffen sich die Kinder. „Wir sind zum ersten Mal dabei“, sagt Charlize (12), die mit Freundin Leonie (13) Armbänder flechtet, die auch als Haarbänder dienen können. Die Technik haben sie erst kürzlich gelernt. „Das geht schnell“, sagt Charlize. Aber es dauert, bis so ein Schmuckstück fertig ist. Die Wollfäden werden über ein Holzbrett gespannt, und Reihe für Reihe entsteht neuer Schmuck. Wie das Muster am Ende aussieht, wisse man vorher nicht genau, erklären die beiden.

Aliz ist mittlerweile beim A angelangt. Gleich ist die Gravur fertig. Neben ihr steht Christian und taucht Flaschen in heißes und kaltes Wasser, um sie danach mit einem speziellen Werkzeug zu zerschneiden. Es bleiben scharfe Kanten zurück, die er im letzten Arbeitsgang glattschleifen will. Elena (7) hat ihre Flasche schon fertig. „Ich habe daraus eine Glocke gebaut“, sagt sie und holt sie für eine kurze Präsentation ihres Werks aus Flasche, Wollfaden und Kugel. Und was baut sie als nächstes? „Jetzt gehe ich erst mal raus“, sagt sie und geht auf dem Hof spielen.

Noch bis morgen sind „Finger-Ferien“ in der „Alten Bäckerei“, eine Zeit, in der die Kinder viel gelernt haben werden. Über Werkzeuge und Techniken, Materialien und darüber, dass man vieles von dem selbst bauen kann, was man braucht. Aliz’ Großvater zum Beispiel hat jetzt sein eigenes Glas, auf dem in großen Lettern „Opa“ steht.

Philip Schülermann

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