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Grimmen Die Dinosaurier von Klein Lehmhagen
Vorpommern Grimmen Die Dinosaurier von Klein Lehmhagen
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13:00 12.04.2019
Norbert Kellers Grundstück grenzt an die Stelle, an der die einzigartigen Knochen des Dinosauriers gefunden wurden. Quelle: Carolin Riemer
Klein Lehmhagen

Dinosaurier verhalfen Klein Lehmhagen gleich zwei Mal zu öffentlichem Interesse. 1963 machten Forscher der Universität Greifswald erstmals einen weltweit einzigartigen Fund in einer Tongrube des Dorfes. Dr. Werner Ernst, Wissenschaftler der Universität Greifswald, entdeckte eine 20 Zentimeter große Kalkknolle mit den Knochenresten eines jungen Dinosauriers, der vor etwa 180 Millionen Jahren vermutlich einen gewaltsamen Tod starb. Fast vollständig erhalten waren die Schädelknochen des jungen Emausaurus, den die Forscher liebevoll nach seinem Entdecker „Ernsti“ und der Greifswalder Ernst-Moritz-Arndt-Universität (abgekürzt: Emau) benannten. Der Fund wurde über die deutschen Landesgrenzen hinaus berühmt, denn bis zu diesem Tag gab es kaum Dinosaurier-Funde im Norden Deutschlands. Ein besonderer Glücksfall ist auch, dass es aus der Zeit, in der der Dino lebte, weltweit kaum Funde gibt. Weltweit handelt es sich bis zum heutigen Tag um den einzigen aus der Zeit der Unterjura, einer Epoche die 201 bis 174 Millionen Jahre zurückliegt.

Stefan Meng, Diplom-Geologe und wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Paläontologie am Institut für Geographie und Geologie der Universität Greifswald zeigt den Skelettabguss des Emausaurus Ernsti. Quelle: dpa

Norbert Keller hat besonderes Glück. Der 69-Jährige kaufte 1995 ein Haus in Klein Lehmhagen, dessen Grundstück genau an die Tongrube, und damit auch an die Fundstelle, grenzt. Seitdem beobachtet er immer wieder, wie Archäologen mit ihren Ausrüstungen ins Dorf reisen und den Boden nach weiteren wertvollen Funden durchsuchen. „Das letzte Mal muss ungefähr zwei Jahre her sein“, erinnert er sich: „Da ergeben sich schon wirklich interessante Gespräche.“ Die Wissenschaftler vermuten, dass der Dino, der ausgewachsen eine Größe von zwei Metern erreicht hätte, am Rand eines Meeres von einem Krokodil gefressen wurde. Nach dem Mahl hatte es den unverdaulichen Knochenklumpen vermutlich als Speiballen zurück ins Wasser gespuckt, der 180 Millionen Jahre später entdeckt wurde. Die rund 50 Skelett-Teile des Sauriers sind das wertvollste Exponat der Paläontologischen Sammlungen an der Universität Greifswald. „Es ist schon eine außergewöhnliche Vorstellung, dass hier mal Dinosaurier durch meinen Garten gerannt sind“, sagt Norbert Keller. Seinen großen Hof nennen er und seine Frau gern „Fabrik“: „Weil es ständig etwas zu tun gibt. Rasen mähen, Sträucher schneiden, Bäume fällen.“

Hier wurden weltweit einzigartige Funde gemacht

Eine zweite außergewöhnliche Entdeckung machte der Greifswalder Geologe Sebastian Stumpf, als er den unvollständigen Beckengürtel einer bislang unbekannten Dinosaurier-Art entdeckte. Erneut wurde Klein Lehmhagen in der internationalen Fach-Presse und unter Wissenschaftlern berühmt. Der Dino gehört zu den pflanzenfressenden Sauropoden, einer der am weitesten verbreiteten Gattung der Dinosaurier. Langer Hals, langer Schwanz, kleiner Schädel – so soll der Dino einst ausgesehen haben, bevor er am Ende der Kreidezeit ausstarb.

Die Geschichten rund um die ausgestorbenen Urzeit-Tiere gehören zu Klein Lehmhagen. Alle Bewohner können mehr oder weniger detailliert darüber Auskunft geben. Einige haben die alten Zeitungsberichte gesammelt.

Die Tongrube ist mittlerweile voll Wasser gelaufen. „Glasklar ist es, aber auch sehr gefährlich“, weiß Norbert Keller. Er schätzt die Wassertiefe auf mindestens 20 Meter und beobachtet im Sommer oft Menschen, die in der Grube baden gehen oder am Ufer grillen. „Wir sind sowieso ein sehr feierfreudiges Völkchen hier in Klein Lehmhagen.“ Osterfeuer und Herrentagsfeiern werden in Eigenregie organisiert. „Und jeder hilft jedem. Das ist bei uns noch alles so wie in den alten Zeiten.“

122 Menschen leben derzeit in Klein Lehmhagen. Das Dorf gehörte vor der Fusion im Jahre 2004 zur Gemeinde Stoltenhagen, mittlerweile aber zur Stadt Grimmen. 58 Männer und 64 Frauen haben hier ihren Lebensmittelpunkt. Das Durchschnittsalter bei den Frauen liegt bei 43, das der Männer bei 44 Jahren. Im vergangenen Jahr wurden zwei Kinder geboren, sie sind aktuell noch die jüngsten Bewohner des Dorfes. Die älteste Bewohnerin ist 89 Jahre alt.

Carolin Riemer

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