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Grimmen Die Domuhr soll wieder laufen
Vorpommern Grimmen Die Domuhr soll wieder laufen
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00:01 15.04.2016

Seit etwa einem Jahr drehen sich die Zeiger der Domuhr in der Hansestadt Greifswald nicht mehr. „Wenn die Uhr steht, steht alles still“, zitiert Dompfarrer Matthias Gürtler Stimmen von Besuchern. Das soll nicht so bleiben. Die Kirchengemeinde will das am Turm aufgestellte Gerüst nutzen, um die über 100 Jahre alte Uhr reparieren zu lassen.

Eine grobe Schätzung geht von 60000 Euro Kosten aus. Eine Metallrestauratorin soll die genauen Kosten bestimmen.

Die jetzige Uhr stammt von der renommierten Firma Weule aus dem Harz. Sie wurde 1908 eingeweiht. Die nötigen 5100 Mark zahlte die Stadt. Sie hatte großes Interesse an einer genauen und sichtbaren Uhr, an der sich alle Greifswalder orientieren konnten. Damals noch nicht jeder Greifswalder einen Zeitmesser.

Die Instandsetzung des Turms gehört zum siebten Bauabschnitt der laufenden Domsanierung. Die Uhr ist kein Teil des Vorhabens. „Da geht es nur um Dach und Fach“, begründet der Pfarrer. Die Kirchgemeinde hofft nun auf Spenden. Knapp 5000 sind schon zusammengekommen, ein Fünftel der Summe bezahlte eine Greifswalderin, berichtet Gürtler. Aber um die große Summe zusammenzubekommen, müssten sicher auch Stiftungen angesprochen werden.

„Von weiteren Reparaturen hat uns unser Uhrmachermeister Udo Griwahn abgeraten“, erzählt Matthias Gürtler. „Das habe keinen Sinn mehr und kostet auch immer so 300 bis 500 Euro.“ Durch den starken Wind an der Küste seien auch die Zeiger lose und müssten wieder richtig befestigt werden.

Die Turmuhr fasziniert auch Jan Degner. Er studiert Deutsch, Geschichte und Geographie auf Lehramt an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität. Im Rahmen seines Studiums hat er sich mit der Geschichte des Zeitmessers der Nikolaikirche befasst, Archive besucht und einen Aufsatz darüber geschrieben. „Das war auch mentalitätsgeschichtlich interessant für mich“, erzählt Degner.

Vermutlich gab es um 1440 eine erste Uhr hat er herausgefunden. Gesichert ist ihre Existenz für das Jahr 1650, der Wismarer Barthold Liebelt fertigte eine Turmuhr an. Damals war der Turm eingestürzt.

Am Ostgiebel wurde ein großes Zifferblatt angebracht, das mit der Turmuhr in Verbindung stand. „Auf einem Bild von 1860 sieht man es noch“, sagt Degner. Auch heute könne man die Stelle noch vom Markt aus erkennen. Auch am Turm befand sich bereits im 17. Jahrhundert ein Zifferblatt. Ende des 19. Jahrhunderts war der historische Zeitmesser in die Jahre gekommen. 1889 schrieb der Greifswalder Magistrat gar dem Pfarrer, dass mehrere Reisende zu spät zum Zug gekommen waren. Denn die Uhr am Dom ging gegenüber der am Bahnhof nach. Die Stadtväter baten die Kirche um gut und von weitem sichtbare Zifferblätter.

Bei der Neuanschaffung plädierte der Gemeindekirchenrat für die international anerkannte Firma Weule, die Uhrmacher für die Firma Rochlitz aus Berlin, die den Handwerkern ihre Stellungnahme durch 900 Mark Provision „erleichterte“.

Die Kirchgemeinde in Greifswald entschied sich schließlich für Weule, der dazu auch noch 15 Jahre Garantie gab.

In den 1980er Jahren erfolgte eine Umstellung des Antriebs und seit Anfang der 1990er Jahre wird die Uhr über Funk gesteuert.

Spendenkonto, Iban: DE41150616380000011908

Von Eckhard Oberdörfer

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