Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Grimmen Die Maurerkelle an der eigenen Pension geschwungen
Vorpommern Grimmen Die Maurerkelle an der eigenen Pension geschwungen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:05 09.12.2017
Angelika und Dieter Sengbusch vor dem Kamin in ihrer Pension „Lindenhof“. Quelle: Foto: Reinhard Amler
Bremerhagen

Angelika und Dieter Sengbusch betreiben in Bremerhagen eine Pension. Sie ist gar nicht so einfach zu finden, weil Bremerhagen doch etwas abseitig liegt.

„Sie läuft aber, ohne dass wir große Werbung machen müssen“, erklärt Angelika Senbusch. „Meist sind wir ausgebucht. Auch jetzt.“ Das liege vor allem daran, dass es viele Stammgäste gibt. Aber nicht nur die kommen immer wieder. Im Winter seien es auch viele Arbeiter, die hier wohnen. Auch Jäger. Die Pension sei im Katalog des Fremdenverkehrsvereins Vorpommern gelistet.

Die Pension hat vier Zimmer und zwei Ferienwohnungen. Dadurch würden im Sommer auch Familien mit Kindern nachfragen. Und was zieht die hierher in die Einöde? „Verkehrstechnisch liegen wir günstig“, entgegnet Angelika Sengbusch. „Von uns sind Usedom, Rügen, der Darß und Rostock sehr gut zu erreichen.“ Das ziehe. Und natürlich der Preis. Der sei günstig. Fürs Einzelzimmer zahlt man 25 Euro die Nacht. Wo gibt es das sonst. „Und wir sind ja auch die einzige Pension weit und breit“, fügt Angelika Sengbusch hinzu.

Die beiden Rentner haben Spaß am Betreiben ihrer Pension. „Wir verdienen uns damit etwas zu unserer Rente dazu“, sagen sie. Von dem Geld würden sie reisen und hin und wieder auch den sechs Enkeln etwas zustecken. „Das freut einen doch“, sagt die 66-jährige Oma. Stolz erzählt sie, dass sie jetzt sogar auch ein Urenkelchen hat und damit auch Uroma ist.

Früher hatten die beiden auch eine Gaststätte in der Pension.„Die haben wir neben der Arbeit betrieben“, sagt Angelika Sengbusch. 44 Jahre habe sie bei der Stadtverwaltung in Grimmen gearbeitet.

Die Gaststätte ist immer noch eingerichtet. Selbst der Zapfhahn fürs Bier wurde noch nicht demontiert. Es lohne sich aber nicht, sagt Dieter Sengbusch. 2010 wurde sie zugemacht. „Es hat auch viel Arbeit gemacht“, ergänzt seine Frau und spricht die vielen Familienfeiern an, die beide hier ausgerichtet haben. „Ich habe immer alles selber gekocht und zubereitet. Das könnte ich heute auch nicht mehr“, ist Angelika Sengbusch ehrlich. „Wie ich das alles geschafft habe, weiß ich nicht mehr.“

Die beiden Eheleute freuen sich, dass sie gesund sind. Sie wollen ihren Ruhestand jetzt genießen. Mit weniger Arbeit und mehr Freizeit.

Angelika Sengbusch erzählt, dass sie in Bremerhagen geboren wurde. „Hier auf dem Hof“, sagt sie. Ihre Mutter war noch im Gutshaus angestellt.

Dieter Sengbusch kam dann 1971 nach Bremerhagen. Maurer hat er gelernt und auch viel in der Gegend mitgebaut. Auch seine Pension hat er selber errichtet. 1996 wurde sie eröffnet.

Zwischenzeitlich arbeitete der jetzt 69-Jährige auch im Konsum. Und dann hat er es zu DDR-Zeiten auch mal mit einer Champignonzucht versucht. Damals habe man ihm die Pilze quasi aus den Händen gerissen, weil Champignons zu den Raritäten zählten. Nach der Wende wollte dann niemand mehr die Pilze haben, weil sie nun in jedem Supermarkt angeboten wurden, erzählt er.

Das Leben in Bremerhagen hat sich mit den Jahren ganz schön verändert. Am meisten trauern die Sengbuschs der Hubertushütte im Wald hinterher, die heute ein jämmerliches Dasein führt, weil sich Kommune und Forst nicht einig werden über ihre Zukunft. „Was hat es hier für schöne Feiern gegeben“, schwelgt Angelika Sengbusch in Erinnerung an vergangene Zeiten. Noch heute denkt sie gern daran, wie der Weihnachtsmann damals aus dem Wald in die Hütte gestapft kam und die Kinder überraschte. Das ist aber alles lange her. Gefreut habe sie sich, sagt Angelika Sengbusch, dass das Bienenhaus wieder aufgebaut wird. Sie habe auch ein bisschen dafür gespendet, erzählt sie. „Als Kind war ich dort oft, es war immer sehr schön.“

Reinhard Amler

Mehr zum Thema

Birgit Nordmann möchte aus Trips nicht weg

08.12.2017

Der Ortsname stammt laut Ohle-Baier vermutlich von den „Leuten des Trebes“. 1318 taucht der schon früh zum Haus Putbus gehörende Ort als Tripbesitze auf. Anfang des 15.

08.12.2017

Das Leben von Horst Steltner war schwer und arbeitsreich. Heute freut er sich über Haus, Hof und eine große Familie.

08.12.2017

In der Kita „Trampolin“ lebt die Natur mit

09.12.2017

Gut 150 Einwohner leben in Bremerhagen. Der älteste mit 88 Jahren ist Werner Koch, der jüngste mit sechs Wochen Til Laurin Rettich. Er wurde am 31. Oktober 2017 geboren.

09.12.2017

Bremerhagen hatte 2009 drei Optionen für die künftige Gemeindestruktur

09.12.2017
Anzeige