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Grimmen Die Pommern sind „ehrbar und züchtig“
Vorpommern Grimmen Die Pommern sind „ehrbar und züchtig“
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00:07 14.05.2018
Tribsees 1615 in der Stralsunder Bilderhandschrift, Vorlage für die Lubinsche Karte.
Vorpommern

Vor 400 Jahren war Pommerns Fischreichtum legendär. „So ist auch jetziger Zeit Pommern ein geseegnetes Land... Für allen Dingen aber hat Pommern den Preiß und Ruff von vielen guten Fischen. ... daß kein Land oder Furstenthum im gantzen Römischen Reich Teutscher nation sey, welches sich Pommern an Vielheit und manningerley Art (denn etliche sagen dürffen, daß in Pommern über Sebentzigerley Arth Fische zu finden) vergleichen könte." So steht es in der „Beschreibung des Pommernlandes“ des Eilhard Lubinus (1561 bis 1621). Er führt eine große Zahl von Arten auf, lobt beispielsweise den wohlschmeckenden und viel gefangenen Dorsch. Auch Störe und Schwertfische wurden angelandet.

Einige Fakten

Mehr als 2000 Städte und Ortschaften sowie Flüsse, Sümpfe und Wälder sind auf der ersten Karte ganz Pommerns dargestellt. Ansichten von 49 Städten rahmen die Karte außen ein. Eilhard Lubinus bereiste 1611 Vorpommern und im Jahr darauf Hinterpommern. 1617 war er noch einmal in Pommern unterwegs, um mögliche Fehler zu finden.

Lubinus berichtet übrigens, dass guter Wein in Pommern nur bei Stettin angebaut wurde. Er ist der Autor der vor 400 Jahren erschienen ältesten Karte des Landes am Meer, die in der Regel nur Lubinsche Karte genannt wird. Sie ist 2,21 Meter mal 1,25 Meter groß (Maßstab 1:23500). Eilhard Lubinus war Professor an der Universität Rostock. Den Auftrag für die berühmte Karte gab Herzog Philipp II.

von Pommern-Stettin 1610. Am Hof des 1573 auf Schloss Franzburg geborenen Herrschers blühten Kunst und Wissenschaften. Es war das sogenannte goldene Zeitalter Pommerns. Der vielseitig interessierte und sehr gebildete Philipp II. verfügte selbst über große Sammlungen. Lubinus war 1611 und 1612 in seinem Auftrag in Pommern-Stettin und Pommern-Wolgast unterwegs. Lubinus nutzte Astrolabium (Werkzeug zum Winkelmessen), Jakobstab und Höhenwinkelmesser. Manfred Vollack, der sich eingehender mit der Karte befasst hat, bescheinigt Lubinus 1980 ein geradezu erstaunliches Ergebnis: Seine Karte enthält nahezu alle zu Beginn des 17. Jahrhunderts vorhandenen Dörfer. Einige werden hier erstmals erwähnt.

Alfred Haas (1860 bis 1950) hat sich schon in der Weimarer Repubik eingehend mit der Karte befasst. Sie enthält viele interessante Einzelheiten. Zwei Hirsche und drei Wildschweine kennzeichnen beispielsweise den wildreichen Darßer Wald, das Haff drei Segelboote und ein Ruderboot.Viele Krüge, also gastliche Stätten, Mühlen und Schäfereien werden dargestellt. Auf dem Galgenberg bei der Stadt Wollin stehen die Hinrichtungswerkzeuge Galgen und Rad. Und die Außenküste Hiddensees wird in lateinischer Sprache das durch viele Schiffbrüche gekennzeichnete Gestade genannt.

Vieles hat sich seitdem verändert. So wurde der Ahlbecker See im 18. Jahrhundert trockengelegt. Auch die von Lubinus dargestellte Insel Stubber im Greifswalder Bodden gibt es nicht mehr, um noch ein Beispiel zu nennen.

Zur Karte gehören unter anderem auch Stammbäume und Wappen der Rügenfürsten und des pommerschen Herzogsgeschlechts. Am Rand befinden sich Veduten, also wahrheitsgetreue Ansichten, hinterpommerscher und vorpommerscher Städte. Die Aquarelle der berühmten Stralsunder Bilderhandschrift sind Vorarbeiten für die Kupferstiche der Lubinschen Karte. Viele dieser Darstellungen sind die ersten der gezeigten Städte überhaupt.

Im Winter 1617/18 stach der Amsterdamer Nikolaus Geilkercken die zwölf Kupferplatten für den Stich der Karte. Philipp II. starb am 3. Februar 1618. Im November des gleichen Jahres übergab Lubinus zunächst Herzog Philipp Julius von Pommern-Wolgast Exemplare der Karte und wenige Tage später auch Herzog Franz von Pommern-Stettin (1570 bis 1620), dem Nachfolger Philipp II.. Er war übrigens nicht so sehr an Kunst und und Wissenschaft interessiert wie sein Buder Philipp II.. Anfang Dezember präsentierte Lubinus dann auf dem Rügenwalder Schloss den Herzögen Bogislaw XIV. und Ulrich die für sie bestimmten Drucke Noch einmal zurück zu der Beschreibung des Pommernlandes: „An Weitzen wirdt von Stettin, wie auch an Gersten oder Maltz oder davon gebrauen Bier von Stralsunde, Gripswalde und Colberg in guten Jahren etl(iche) tausendt Last über Meer in Dännemarck und Preußen abgeführet."Pommerns Bewohner seien ehrbar und züchtig. Um zu gefallen, würden viele Frauen ihre Haare blond färben. Viele Bürger der „vornehmen Städte“ trugen laut Lubinus damals Kleidung aus Samt und Seide, Pelze und Schmuck. Auch die Häuser seien weit wohnlicher als in vergangener Zeit.

Eckhard Oberdörfer

. Ein Kalender für 2019 mit sehenswerten Fotos aus dem Stralsunder Stadtarchiv ist im Stralsunder Druck- und Verlagshaus Kruse erschienen. Gezeigt werden Straßen in der Zeit um 1865.

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