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Die Welt durch die Linse betrachtet

Miltzow Die Welt durch die Linse betrachtet

Reinberger Schüler stellen ihre Fotoarbeiten im Amt Miltzow aus

Miltzow. Schönheit verbirgt sich oft im Detail. Eine verrostete und durchlöcherte Blechbüchse auf einem Holzpfahl mitten in der Natur hat etwas Surreales und ist auf jeden Fall ein Hingucker.

Das fand auch Henrik Markschönz und drückte auf den Auslöser seiner Kamera. Nun ist das Foto des Achtklässlers – neben vielen weiteren seiner AG-Kameraden – in einer Ausstellung zu sehen, die gestern im Amt Miltzow eröffnet wurde. Bürgermeister Helmut Krüger (CDU), der im Hemd zur Eröffnung erschienen war, entschuldigte sich für seinen „Räuberzivil“. Er sei im Zeitdruck, wollte sich aber die Exposition nicht entgehen lassen.

„Das sind ja nicht einfach nur Fotos“, staunte er. Im Gegenteil: Mit Sinn fürs Besondere, das Einmalige, hätten die Schüler auf die Auslöser ihrer Kameras gedrückt. Herausgekommen seien Fotos, die sich nicht hinter Aufnahmen von Künstlern verstecken müssten, die ihre Werke bereits im Amt Miltzow ausgestellt haben. „Ich bin mir sicher, dass noch viele Interessenten den Weg ins Amt finden werden, um sich diese wirklich tollen Aufnahmen anzusehen“, sagte er.

Die Schüler wirken zwischen den Besuchern regelrecht schüchtern. „Aber wir sind schon echt stolz, dass unsere Fotos jetzt hier zu sehen sind“, sagt Tony-André Schulze. Bislang hätten sie ihre Aufnahmen immer nur in der Schule gezeigt, das hier sei schon was Besonderes. Hauptsächlich sind es Naturaufnahmen, die die Schüler im Amt zeigen. Eine zartlila Krokuswiese. Eine Biene auf einer Blüte. Eine Katze im hohen Gras. Daneben das Abstrakte. Eine Schwarz-Weiß-Aufnahme eines vergitterten Fensters. Ein verrosteter Riegel mit einem Schloss. Ein Stacheldrahtzaun. Alles minimalistisch in Szene gesetzt.

Den Blick fürs Detail, den mussten die Schüler erst entwickeln. „Am Anfang waren wir wie blind“, gibt Enzo Köpp zu. Heute muss den Sechstklässler niemand mehr mit der Nase auf ein gutes Motiv stoßen.

Lars-Christian Itzigehl erzählt von den Anfängen der AG vor vier Jahren. Manche hätten noch nicht einmal gewusst, wo an der Kamera der Auslöser ist, da sie bislang nur immer mit ihren Handys fotografiert hätten. Auch von Brennweite, goldenem Schnitt oder Belichtung hatten viele keine Ahnung. Und dann schließlich der „Blick“. Die jungen Leute hätten erst wieder lernen müssen, die Welt zu sehen. Dass sie jetzt eine Ausstellung haben, zeigt die Entwicklung, die sie durchgemacht haben.

Victoria Karge nickt. Auch sie ist stolz, ihre Fotos hier präsentieren zu dürfen. Dann erzählt sie, dass sie auch Kurzgeschichten schreibt. „Wenn wir in der AG eine davon verfilmen könnten, das wär was“, sagt sie. Der Ehrgeiz, vielleicht irgendwann einen Kurzfilm zu zeigen, ist nach der Ausstellungseröffnung nun auf jeden Fall da.

Claudia Noatnick

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