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Grimmen Die traurige Rückkehr der Box-Talente
Vorpommern Grimmen Die traurige Rückkehr der Box-Talente
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00:00 06.02.2018
Stralsund

Max Suske sitzt im elterlichen Hotel am Stralsunder Hafen. Der 15-Jährige schaut nachdenklich. Er ringt nach Worten, um seine Enttäuschung auszudrücken. „Boxen war neun Jahre lang mein Traum“, sagt Max. „Und der wurde mir innerhalb von nur zwei Jahren kaputt gemacht.“

Mit großen Ambitionen war der Stralsunder 2015 dem Lockruf des Bundesstützpunktes in Schwerin gefolgt. Doch schnell folgte die Ernüchterung. Ob unter Trainer Andy Schiemann oder Sebastian Zbik, zu dem er im Sommer vergangenen Jahres wechselte: Max kam nie richtig an. Er beklagte stupides Training, ungenügende Wettkampfvorbereitung und mangelnde Wertschätzung.

„Wenn wir gewonnen haben, ließen sich die Trainer feiern. Haben wir verloren, waren wir schuld“, erzählt Max. Außerhalb des Trainings sei der Coach kaum für die Sportler da. Einen Bezug zu einem Trainer habe er nie aufbauen können, da Schiemann und Zbik oft mit anderen Sportlern unterwegs waren. Nach Ansicht seines Vaters hätten es die Trainer versäumt, „am erfolgreichen Boxstil zu arbeiten“. Zbik habe sich bei den Eltern nicht als neuer Trainer vorgestellt, beklagt Suske. „Bei minderjährigen Sportlern sollte das so sein.“

Die Kritik richte sich nicht an Cheftrainer Michael Timm, betonen die Suskes. „Mit ihm konnte ich über alles reden. Das war bei den anderen Trainern nicht der Fall“, bekräftigt Max.

René Suske und Thomas Neumann, Vater von Joulina Suhrow, die bereits in den Herbstferien Abschied aus Schwerin nahm, hatten bereits im Frühsommer vergangenen Jahres ein langes Gespräch mit Timm geführt. „Wir haben ihm unsere Aufzeichnungen übergeben, das Protokoll der vergangenen zwölf Monate. Was wurde im Training gemacht? Gab es Wettkampfvorbereitungen?“, berichtet der Hotelier. Alles sei besprochen worden, geändert habe sich nichts.

Zbik weist die Kritik seines ehemaligen Schützlings zurück. „Das ist Quatsch! Max war im gesamten Quartal gefühlt nur zwei Wochen im Training. Ansonsten war er krank, verletzt oder hatte diverse andere Ausreden“, entgegnet der 35-Jährige. Der frühere Profi-Weltmeister, der 2017 mit seinen Schützlingen fünf deutsche Meistertitel feierte, legt nach: „Max hatte keine Lust auf Leistungssport.“

Landestrainer Ralf Bünger stärkt Zbik den Rücken. „Er ist der Boss und gibt die Richtung vor.“ Boxen sei ein harter Sport, meint der Stralsunder. „Da muss man dorthin gehen, wo es wehtut. Nur so kommt man weiter.“

Max Suske und die ebenfalls 15-jährige Joulina Suhrow entschieden sich für eine Rückkehr in ihre Heimatstadt. Das sind keine Einzelfälle, behauptet Thomas Neumann. Etwa zehn Boxtalente hätten den Schweriner Stützpunkt in den vergangenen zwei Jahren verlassen. Neumann: „Wenn ich den Nachwuchs vergraule, brauche ich mich nicht zu wundern, wenn Erfolge auf internationaler Ebene ausbleiben.“

Nach Ansicht von Dieter Breitenbach, Vizepräsident des Box-Landesverbandes Mecklenburg-Vorpommern, ist die Situation nicht alarmierend. „Aber wir haben im Nachwuchsbereich schon ein paar Sorgen“, räumt er ein. Lediglich 18 der 32 Vereine in MV seien aktiv. „Das sind zu wenige.“ Breitenbach hat von Landestrainer Bünger eine Analyse gefordert. Das Thema Talentförderung werde bei der Vorstandssitzung am 21. Februar in Rostock zur Sprache kommen, kündigt der Verbands-Vize an.

Grundsätzlich können Joulina und Max weiterhin an Meisterschaften teilnehmen – sofern sie sich dafür qualifizieren. Doch ob sie dem Boxsport treu bleiben, ist ungewiss. Suhrow droht nach einem erneuten Kreuzbandriss das Karriereende. Suske befindet sich nach eigener Aussage in der „Findungsphase, ob ich den Spaß am Boxen wiederfinde“. Falls ja, könnte sein Traum doch noch in Erfüllung gehen.

Stefan Ehlers

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