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Grimmen Dr. Gerhardt prägte die Geschichte
Vorpommern Grimmen Dr. Gerhardt prägte die Geschichte
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00:00 28.05.2016

Grimmen In der Serie „Gutshäuser: Prunk, Zerfall und Wiederaufbau“ landen wir heute direkt vor den Toren der Stadt Grimmen. Um genauer zu sein, geht es um die Geschichte des Herrenhauses in Groß Lehmhagen.

Aus den Quellen geht hervor, dass das Rittergut um 1892 den Barnewitz`schen Erben gehörte. Etwa in dieser Zeit ist auch das Gutshaus entstanden, welches bis heute alles überragend direkt am Ortseingang aus Richtung Grimmen kommend steht.

Der Prachtbau entstand Ende des 19. Jahrhunderts durch den Umbau eines älteren Gebäudes, welches sich bereits Jahrzehnte zuvor an dieser Stelle befand.

Seit mindestens 1905 gehörte dem Ziegeleibesitzer Karl Leitner aus Grimmen das Gut, ehe seit etwa 1928 dessen Witwe Agnes Leitner den Gutsbesitz führte. Einige Jahre später und schließlich bis zur Enteignung im Jahre 1945 führte noch Johannes Lüttmann den Gutsbetrieb. Das Gebäude, welches den meisten Bewohnern der Region schlicht und einfach als Psychiatrie bekannt ist, wurde tatsächlich bereits seit 1945 als Heim für psychisch kranke Menschen und ab 1957 als Alten- und Pflegeheim genutzt. Am 1. Oktober 1958 wurde es offiziell zum Krankenhaus für Psychiatrie unter der Leitung von Dr.

Gerhardt. Zuerst wurden hier 22 Patienten zur Schlaftherapie aufgenommen. Im Jahre 1960 wurde dann durch verschiedenste Umbauten im Gutshaus Platz für 56 Betten geschaffen. Gleichzeitig wurden für die damalige Zeit moderne Baderäume und die Küche gebaut.

1964 hatte die Einrichtung den Status „Kreiskrankenhaus Bartmannshagen / Fachabteilung für Psychiatrie“. Drei Jahre später, also im Jahre 1967, gab es im Gutshaus weitere Umbauarbeiten, wodurch die Kapazität der aufgenommenen Patienten von 56 auf 62 Personen erhöht werden konnte. Wenig später wurde der einst schöne Park der Gutsanlage diesbezüglich verändert, dass ein Patientengarten entstand.

Der Erfolg und die gute Arbeit im Gutshaus von Groß Lehmhagen wurde erstmals im Jahre 1971 ausgezeichnet. Damals wurde der Pflegeeinrichtung als erstes Kollektiv im stationären Bereich der Staatstitel „Kollektiv der sozialistischen Arbeit“ überreicht.

Die Einrichtung, in der sich zu DDR-Zeiten noch viele alte Möbel der vorherigen Gutshausbesitzer befanden, wurde im Laufe der Zeit immer weiter verschönert. So entstand 1974 beispielsweise ein Arbeitstherapieraum.

Vor allem das Jahr 1978 ist geprägt durch den Namen Dr. Gerhardt, der damals im Alter von 80 Jahren sein Berufsleben, welches sich die vorherigen Jahrzehnte im Gutshaus von Groß Lehmhagen abspielte, beendete. Ihm und vor allem seiner Leitung war es zu verdanken, dass sich eine dermaßen gute Pflegeeinrichtung in dem alten Gutshaus entwickeln konnte. Fortan wurde die Psychiatrie durch das Krankenhaus West in Stralsund unter der Leitung von Dr. Weihs betreut.

Doktor Gerhardt bekam für seine Leistungen im Jahre 1978 den Vaterländischen Verdienstorden in Bronze verliehen. Sechs Jahre später wurde die Fachabteilung durch Frau Dr. Elke Glawe übernommen. Als ein Jahr später im einstigen Herrenhaus die Alkoholnachsorge integriert wurde, kamen die ersten männlichen Patienten ins Haus. Nach der politischen Wende im Jahre 1991 übernahm zuerst die Kreisverwaltung Grimmen das damals so genannte „Heim für psychisch Kranke“, ehe zwei Jahre später der Pommersche Diakonieverein die Trägerschaft erhielt. Fortan bekam die Einrichtung den Namen „Dr.

Gerhardt Haus“. Die Wirtschaftsgebäude des Gutes blieben - abgesehen von einem zu Wohnzwecken umgebauten Schafstall - nicht erhalten, sie wurden in den 1990er Jahren abgerissen.

Nach dem Umzug der Bewohner in das neue Haus, welches sich in unmittelbarer Nähe zum alten Gutshaus befindet, steht dieses seither leer und wird lediglich als Abstellraum genutzt. Derzeit gibt es aber Überlegungen des Pommerschen Diakonievereins, den alten Prachtbau wieder zu nutzen. Dies würde jedoch eine umfangreiche Sanierung bedeuten.

Ein wenig Scharm des alten Gebäudes lebt auch im neuen Haus weiter. Denn alte, sehr massive Möbel und eine Truhe sind als Dekorationsstücke im neuen Haus präsent.

Raik Mielke

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