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Ein Beschluss mit Bauchschmerzen

Ein Beschluss mit Bauchschmerzen

Sundhagen beteiligt sich an der Bezahlung ihres Schulsozialarbeiters- wenn auch widerwillig

Miltzow. Die Schulsozialarbeit in Reinberg ist gerettet. Zumindest bis Ende des Jahres. Denn die Gemeindevertreter von Sundhagen haben auf ihrer letzten Sitzung mehrheitlich beschlossen, die Stelle ihres Schulsoziarbeiters an der Regionalen Schule in Reinberg mit monatlich 900 Euro zu bezuschussen. Lediglich der Abgeordnete Peter Voß (CDU) stimmte dagegen.

Er habe eine andere Auffassung zur Schulsozialarbeit, sagte er.

Aber auch andere Gemeindevertreter plagten bei ihrer Stimmabgabe Bauchschmerzen. Denn mit ihrem Beschluss verbanden sie die eindringliche Aufforderung ans Land, das Thema Schulsozialarbeit noch einmal neu zu definieren. „Wir haben lange darüber diskutiert“, erklärte Martina Liedtke (CDU), die Vorsitzende des Ausschusses für Schule, Jugend, Soziales, Kultur, Vereine und Sport der Gemeindevertretung. „Und wir sind zu der Auffassung gelangt, dass die Bezahlung der Schulsozialarbeit nicht Aufgabe der Gemeinde, sondern des Landes ist.“ Das hatte zuvor auch schon Bürgermeister Helmut Krüger (CDU) mehrfach betont. „Als Schulträger kümmern wir uns um die sachlichen Mittel. Für die Inhalte und dazu zählt er auch die Schulsozialarbeit sei das Land zuständig. Es bezahle schließlich auch die Lehrer, so Krüger.

Warum aber kam es nun überhaupt zu dem Beschluss der Gemeindevertretung?

Bislang wird Sundhagens einziger Schulsozialarbeiter Lars Itzigehl in Reinberg aus Mitteln des sogenannten Bildungs- und Teilhabepaketes (kurz : BuT) der Bundesregierung bezahlt. Die dafür vorhandenen Mittel reichen aber nur noch bis August, also bis zum Ende des Schuljahres. Deshalb war seine Stelle ab dem neuen Schuljahr vakant. Vom Land kam deshalb der Vorschlag, diese Stelle finanziell zu teilen: 50 Prozent will das Land übernehmen, die anderen 50 Prozent sollen sich Landkreis und Gemeinde teilen, ließ das Bildungsministerium verlauten. Das ist nämlich der Auffassung, dass Schulsozialarbeit entgegen der Argumentation der Gemeindevertreter, Pflichtaufgabe der Jugendhilfe sei. Und die liege nunmal in der Verantwortung der Landkreise, erklärt Alexander Kujat, Sprecher von Ministerin Stefanie Drese (SPD). Damit es nach dem Wegfall der BuT-Mittel mit der Schulsozialarbeit weitergehen kann, habe das Land schnell reagiert und entsprechende Mittel zur Verfügung gestellt.

Vorpommern-Rügen, rechnet Kujat vor, erhält danach genau 237 533 Euro. Die Summe müsse vom Landkreis zu 50 Prozent kofinanziert werden, so dass dann genau 475 000 Euro zur Verfügung stehen, sagt er.

Auf diesem Fundament, ergänzt Kujat, könne der Landkreis dann mit den Kommunen Lösungen für einzelne Schulsozialarbeiterstellen entwickeln, so der Plan aus Schwerin.

Reinberg ist im Landkreis Vorpommern-Rügen nämlich nur ein Beispiel. Insgesamt sind 21 sogenannte BuT-Stellen ab September vom Wegfall betroffen. Darunter auch an Grimmener Schulen.

Lars Itzigehl, der in Reinberg seit sechs Jahren als Schulsozialarbeiter arbeitet, kann zwar erst einmal erleichtert sein. Für ihn stellt sich bloß die Frage: Wie lange?

Denn zum Ende des Jahres muss erneut die bange Frage gestellt werden, wie es weitergeht. Die Hoffnung, dass das Land zuvor noch einlenkt und die klammen Kommunen – Sundhagen schiebt ein riesiges Haushaltsminus vor sich her - von der Zahlung für die Schulsozialarbeit befreit, ist auch in Sundhagen gering. „Da ändert sich doch sowieso nichts“, ist Miltzows Amtsvorsteher Hajo Hahn (Wählergemeinschaft) deshalb schon jetzt vollends überzeugt. „Jetzt, wo wir eine stabile Regierung haben“, ergänzt er.

Dass Schulsozialarbeit aber wichtig ist, davon ist zumindest die übergroße Mehrheit der Sundhäger Gemeindevertreter überzeugt.

Der 37-jährige Lars Itzigehlt berichtet, dass er jeden Morgen meist schon um 6.30 Uhr in der Schule ist, um den Mädchen und Jungen in Reinberg schon vor Unterrichtsbeginn seine Sprechstunden anzubieten. „Sie werden auch rege genutzt“, sagt er. „Manche wollen nur reden, andere kämen gezielt, um ihre Sorgen loszuwerden“, erklärt der junge Mann. Dazu zähle Stress mit Kumpels, Eltern oder Lehrern. Es gäbe aber auch Gespräche mit schwerer wiegendem Inhalt. So habe es in der Vergangenheit auch schon mal den Verdacht auf Kindeswohlgefährdung gegeben“, berichtet der diplomierte Sozialarbeiter, der in Devin wohnt. Erst kürzlich sprach jemand Cybermobbing an. Das Thema bewegt viele. Deshalb kümmert sich der Schulsozialarbeiter auch um gezielte Präventivmaßnahmen, um solchen Entwicklungen vorzubeugen. Außerdem organisiert er Mitmach-Angebote, wie die Foto-Video-AG oder den Kreativworkshop „Rumpelkammer“, wo Speckstein, Glas und Holz bearbeitet werden. Die Schule, so Lars Itzigehl, sei für viele Schüler der einzige gesellschaftliche Treffpunkt, an dem sie außer zuhause, kommunizieren könnten. Deshalb seien gerade in ländlichen Bereichen, wo es so gut wie keine Jugendtreffs mehr gibt, Schulsozialarbeiter wichtig.

Reinhard Amler

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