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Grimmen Ein Gähnen als Dankeschön
Vorpommern Grimmen Ein Gähnen als Dankeschön
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09:16 14.03.2019
Anna Rindler mit Carli bei Dehnungsübungen. Quelle: Almut Jaekel
Oberhinrichshagen

Wenn die vierbeinigen Patienten von Anna Rindler gähnen oder gar mit dem Kopf schütteln, heißt das noch lange nicht, dass sie nicht einverstanden mit der Behandlung sind. Im Gegenteil: „Das ist für mich das größte Kompliment. Es bedeutet, sie entspannen total“, sagt die junge Frau, die seit dem vergangenen Sommer mit ihrer Pferdeosteopathie und Pferdephysiotherapie selbstständig ist.

Die erste Kundin von Anna Rindler an einem Montagmorgen ist Pauline. Ihr Reitpony Carli muss an die Longe – eine lange Leine, an der das Pferd seine Bewegungen im Schritt, Trab und Galopp zeigen soll. Die Fachfrau erkennt Taktunreinheiten und, ob beispielsweise das Becken frei beweglich ist. Dann geht es zurück in den Stall auf einen ebenen, festen Untergrund. Fast sieht es so aus, als würde Anna Rindler jeden Zentimeter des Pferdes mit ihren Händen erkunden, erfühlen, untersuchen. „Ich fange am Hals an und arbeite mich nach hinten durch“, beschreibt sie ihre Arbeit am Tier. Nicht nur offensichtliche Problemstellen, sondern jedes einzelne Gelenk wird untersucht. Es wird gedrückt und gezogen. Hilfsmittel bei dieser Arbeit? Die Hände, ein Block, damit Anna Rindler auch gut an den Rücken der Tiere kommt, zwei kleine Stäbe, das Auto und das Handy. Bei Carli ist dieser Termin eine Nachbehandlung. „Es sieht schon ganz gut aus“, verkündet die 24-Jährige. Schwierigkeiten gibt es noch am siebten Halswirbel und am Rücken. „Denen entgegenzuwirken kostet Kraft“, erzählt Anna Rindler. Denn erst, wenn sie es mit punktgenauer Massage – manchmal eine dreiviertel Stunde lang - geschafft hat, dass die Muskeln entspannen, kann sie beispielsweise die Wirbel behandeln.

Die junge Frau aus Oberhinrichshagen – ihre Eltern betreiben dort einen Landwirtschaftsbetrieb – ist selbst erfolgreiche Dressurreiterin und absolvierte nach dem Abitur ab 2014 eine Ausbildung zur Tiermedizinischen Fachangestellten auf Rügen. „Schon dabei habe ich viel mit einer Chiropraktikerin zusammengearbeitet, deren Ziel es ist, Funktionsstörungen im Bewegungsapparat der Pferde entgegenzuwirken. „Ich habe unfassbar viel bei ihr gelernt, auch über Zahnheilkunde“, sagt Anna Rindler. Kurz nachdem sie die Lehrzeit verkürzt beendete, begann sie ein Studium im Fachzentrum für Pferdeosteopathie bei Neumünster. Anatomie, Huflehre, Sattellehre, Zahnkunde, Reitlehre und natürlich die jeweiligen Behandlungstechniken – das alles gehörte zur Ausbildung. Zusätzlich bietet Anna Rindler Akkupunktur an.

Gleich nach der Abschlussprüfung im vergangenen Jahr startete sie ihre Selbstständigkeit. Ihre jahrelange eigene Reiterfahrung waren für die Oberhinrichshagenerin von Vorteil: Sie kann sich in Beschwerden wie Schieflagen, verspannte Rücken & Co. schnell hineinversetzen und war in Pferdekreisen in MV anerkannt. Die ersten Kunden, die Hilfe für sich und ihr Pferd bei ihr suchten, kamen schnell.

Die Pferdephysiotherapeutin und Osteopathin Anna Rindler bei der Behandlung der Rückenmuskulatur. Quelle: Almut Jaekel

„Osteopathie heilt nicht“, sagt Anna Rindler. Sie könne nur helfen, die Harmonie im Pferdekörper wieder herzustellen. Bei Carli, dem Reitpony von Pauline, hat das auf Anhieb geklappt. „Der Zustand hat sich wirklich von einem Tag auf den anderen verbessert“, sagt Pauline. Das Pferd hatte einst einen Unfall auf der Weide und war danach komplett lahm. Der Tierarzt konnte jedoch nichts finden. „Er war im Rücken und im Halswirbel fest“, beschreibt Anna Rindler den Zustand. Es folgten Behandlungen und Hausaufgaben. „Die Abstände zwischen meinen Terminen liegen immer so bei acht bis zehn Wochen und sollen jeweils größer werden“, sagt die Osteopathin. Manchmal stellen sich erste Erfolge erst nach 14 Tagen ein. „Und in einigen Fällen gibt es sogar zunächst Verschlechterungen“, ergänzt Annas Mutter, Inga Rindler. Beim eigenen Pferd sei das geschehen. Anna Rindler: „Da konnten plötzlich wieder Muskeln genutzt werden, die vorher schon ganz abgeschrieben waren und das tut eben weh“.

Dehnungsübungen, wie auch wir Menschen sie vor dem Sport machen sollten, und eben jene Hausaufgaben seien enorm wichtig. Anna Rindler wünscht sich deshalb, dass dieses Wissen auch Reitern bei ihrer Ausbildung vermittelt werde. „Das Pferd ist eben kein Sportgerät, sondern ein Lebewesen.“ In diesem Punkt seien ihr die Freizeitreiter die lieberen Kunden. „Die lassen sich Zeit für ihre Pferde und sind sehr gewissenhaft“, bei den Turnierreiter spiele Zeit oft eine nachteilige Rolle. Aber die Einstellung zur Pferdeosteopathie und -physiotherapie entwickele sich. Vor einigen Jahren hätten solche alternativen Behandlungsmethoden noch kaum eine Rolle gespielt, es gab viel Skepsis – auch noch als sie mit der Ausbildung begann. Heute arbeiten viele Tierärzte mit diesen Fachleuten zusammen. Und so werde Anna Rindler auch zu Notfällen hinzugezogen, die ihre Tagesplanung manchmal ganz schön durcheinanderwirbeln. „Normalerweise plane ich Touren durchs Land mit fünf bis sechs Terminen am Pferd am Tag. Mehr ist körperlich nicht drin“, sagt sie.

Arbeit mit den Händen

Osteopathieleitet sich von den beiden griechischen Worten für Knochen und Leiden ab. Der Osteopath arbeitet bei dieser alternativen Behandlung ausschließlich mit seinen Händen und sieht den Körper als Ganzes. Die Osteopathie dient auch der Gesundheitsvorsorge.

Physiotherapie ist eine der wichtigsten natürlichen Heil- und Behandlungsmethoden – auch beim Pferd. Das Wort stammt aus dem Griechischen, wobei „Physis“ Natur bedeutet und „Therapie“ dienen. Massagen gehören zu den manuellen Therapieformen der Pferdephysiotherapie. Auch verschiedene Bewegungsübungen zählen dazu. Zu den traditionellen und alten Therapieformen gehören auch die Wärme-, Kälte- und Lichttherapie.

Die Kosten für die Arbeit eines Pferdeosteopathen oder -physiotherapeuten sind an die tierärztliche Gebührenordnung angelehnt.

Aber wenn, wie auch schon geschehen, ein länger vom Tierarzt behandeltes lahmes Tier durch ihre Hilfe wieder fit wird, weil sie einen blockierten Wirbel zurechtrücken konnte, sei das ein sehr gutes Gefühl. Und auch, wenn Anna Rindler seit ihrem Berufseinstieg schon mehrfach unter einem Pferd gelegen hat und inzwischen weitaus vorsichtiger geworden ist, würde sie diesen Weg immer wieder gehen: „Ich kann mit Menschen und Pferden arbeiten“, begründet sie ihre Wahl. Wenn dann das Pferd zum Abschluss einer Behandlung noch träge gähnt oder zufrieden vor sich hin kaut wie Reitpony Carli, ist die Osteopathin sehr zufrieden.

Almut Jaekel

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