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Ein Klassenzimmer mitten im Wald

Grimmen Ein Klassenzimmer mitten im Wald

Neuntklässler gehen das Thema Ökologie praktisch an

Grimmen. Wozu braucht man eigentlich das gesamte theoretische Wissen aus dem Biologieunterricht, wenn man es doch nie anwendet? Diese Frage haben sich sicher auch schon mal die 86 Schülerinnen und Schüler des Jahrgangs neun des Grimmener Gymnasiums gestellt, die sich in diesem Schuljahr intensiv mit dem Thema Ökologie auseinandersetzen.

Im Rahmen eines Exkursionstages gingen die Neuntklässler darum gestern in den Grimmener Stadtwald und machten den Test, was denn so aus dem Biologieunterricht hängen geblieben ist. „In diesem Schuljahr spielt das Thema Ökologie eine wichtige Rolle und daher gehen wir traditionell mit diesem Jahrgang in die Natur, um das Erlernte anzuwenden”, beschrieb Lehrerin Cornelia Franke.

Für mehr als vier Stunden hieß es für die Gymnasiasten also: Wir lassen das „staubige“ Klassenzimmer für einen Tag hinter uns und machen den Wald zu unseren Lernort. Und dieses Motto war nicht einfach nur so eine Floskel. Denn gerade erst im Stadtwald angekommen, zog sich Lehrer und Pflanzenfreund Jens Schramm mit seiner Gruppe fernab des Hauptweges in den Wald zurück und bat die Neuntklässler inmitten von Vogelgezwitscher, vorbeilaufenden Rehen und fernab des eigentlichen Waldweges, Platz zu nehmen. Da bekam der Begriff „Baumschule“ plötzlich eine völlig neue Bedeutung. Denn ein langer Baumstamm ersetzte die Stühle im Klassenzimmer. „An dieser Station sollten wir Pflanzen bestimmen“, erklärt Schülerin Michelle Holtz. Wie die Schüler zuvor erfahren hatten, gibt es zahlreiche verschiedene Bücher, die eine genaue Bestimmung in ziemlich wenigen Schritten sehr genau ermöglichen. „Dies macht auf jeden Fall mehr Spaß, als nur theoretischen Wissen vermittelt zu bekommen, ohne es jemals wirklich anzuwenden“, fand auch Schülerin Sharline Labrenz. Nur wenige Meter weiter lagen die Gymnasiasten der zweiten Gruppen auf dem Bauch, machten es sich auf einem Baumstumpf bequem oder lehnten sich entspannt an eine alte Eiche. Nicht etwa, weil sie der rund fünf Kilometer lange Fußmarsch von der Grimmener Schule in den Wald dermaßen erschöpft hatte. Nein, vielmehr hieß es, ganz genau hinzusehen, um eine Pflanze mit all ihren Merkmalen zeichnen zu können. „Auf diese Station habe ich mich am meisten gefreut“, sagte Lara Poggendorf. Biologielehrer Arno Ganske schickte seine Gruppe derweilen auf die Suche nach Blättern. „An dieser Station geht es um die Bodenlebewesen. In einem ersten Schritt sollen die Schüler Blätter finden, an denen man die verschiedensten Stadien der Verwesung erkennen kann“, erklärte der Lehrer des Grimmener Gymnasiums.

Richtig tierisch wurde es wenige Meter weiter. Hier hatte Katrin Heuer, Praktikantin im Forstamt eine kleine Suche vorbereitet. „Es geht um das Thema ‘Tiere des Waldes‘ und ihr müsst 19 verschiedene finden“, schickte sie die Gymnasiasten los. Und tatsächlich fanden die Neuntklässler sehr schnell Damwild, Uhus, Baummarder und sogar Luchse. Natürlich konnten sie all diesen Tieren nicht in echt gegenüberstehen, aber große Fotografien zeigten die Jugendlichen, welche kleinen und großen Tiere sich den Wald als Lebensort gewählt haben. „Diese Suche lockert das Thema auf jeden Fall enorm auf“, fand Sarah Witte. Gemeinsam mit Victoria Worseg und Lara Stein hatte sie die nächste Schautafel entdeckt und erklärte: „Es wäre sehr erfrischend, wenn man insbesondere in den naturwissenschaftlichen Fächern noch häufiger praktisch arbeiten würden.“ Dass solche Projekte aber ehe die Ausnahme sind, konnten die Mädels aber auch verstehen. „Solche Projekte sind ja auch ziemlich zeitintensiv. Sie helfen aber auf jeden Fall, bestimmte Zusammenhänge einfach zu verstehen“, war sich Lara Stein sicher. Tatsächlich schien so einiges aus dem Biologieunterricht dann auch hängen geblieben zu sein. „An vieles konnte ich mich erinnern und es anwenden“, freute sich Ike Schäfer.

Und irgendwann kam jeder Gymnasiast zu Revierförster Hendric Wojtek. Dieser hatte ein Quiz vorbereitet, welches die wichtigsten Themen des Waldes behandelte. „Wir haben an dieser Station viel über die Forstwirtschaft erfahren und was man im Wald darf und was nicht“, sagte Ragna Stremlau. Mit einer kleinen Stärkung auf dem Schützenplatz wurde der Projekttag abgerundet.

Von Raik Mielke

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