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Ein Küstenschutz der Superlative

Greifswald Ein Küstenschutz der Superlative

Nach 20 Jahren Planung und Bauzeit setzt Landwirtschaftsminister Till Backhaus das Sperrwerk in Betrieb

Greifswald. Möwen kreischen, ein Hagelschauer vertreibt Touristen von der Kaikante, während Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) völlig unspektakulär in einem nahezu leeren Raum auf einen Bildschirm tippt. Kein Knirschen einer Stahlkonstruktion, kein Motorengeräusch, kein Hupen oder Pfeifen. Völlig lautlos hebt sich daraufhin der schwarz glänzende Hauptverschluss im Zeitlupentempo aus dem Ryck. Das Drehsegment — einzigartig in seiner Bauweise — es funktioniert. Das 32 Millionen Euro teure Sperrwerk in Wieck geht in Betrieb.

„Das ist schon ein Stein“, sagt Frank Mikkat, der ihm da gestern vom Herzen gefallen sei. Als Abteilungsleiter beim Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt (StALU) lange Zeit Projektverantwortlicher, erinnert er sich noch gut an die lautstarken Auseinandersetzungen zu Beginn der Planungsphase. Das ist nahezu 20 Jahre her. „Von Monsterbauwerk war da die Rede. Davon, dass die Segler nicht mehr auf die Dänische Wieck kommen“, berichtet Mikkat von den Anfeindungen. Doch zum Glück habe es auch die leisen, die vernünftigen Stimmen gegeben. Nach etlichen Verzögerungen begannen 2011 schließlich die Erdarbeiten. Ein Projekt mit vielen Höhen und Tiefen nahm seinen Lauf. Auch ganz persönlich für den Ingenieur Thorsten Quast, in dessen Händen auf der Baustelle die Projektleitung lag. „So etwas wie den Drehsegmenteinhub vergisst man nicht“, sagt der 44-Jährige stolz. Als das 108 Tonnen schwere und 21 Meter lange Teil im Sommer 2014 millimetergenau in die Halterung eingesetzt wurde, hielten Bauleute und Schaulustige gleichermaßen den Atem an. Doch es habe auch schwarze Tage gegeben, räumt Quast ein. „Die Probleme mit dem Großlager etwa waren schon sehr komplex“, deutet er an.

Das alles ist Geschichte. „Die Hürden sind genommen, die Tests erfolgreich verlaufen“, sagt Christian Lettner, Geschäftsführer des Ingenieurbüros hpl aus Berlin. Der Planer betrachtet das Sperrwerk nicht nur als Schutz für Leib und Leben, sondern auch als „architektonische Herausforderung“, die nicht alle Tage auf dem Schreibtisch lande. Ähnlich sieht das Henning Schrewe, Direktionsleiter der bauausführenden Züblin AG. Bei dem Sperrwerk handele es sich um ein „hochkomplexes Ingenieurbauprojekt“, das das gesamte Spektrum der Baukunst abbilde.

Um so unscheinbarer ist das, was die Gäste der feierlichen Inbetriebnahme gestern in Augenschein nehmen konnten. Die Schaltzentrale enthält nicht mehr als den Schreibtisch mit Bildschirm und einem Stuhl. Künftiger Arbeitsplatz von Sebastian Geldschläger und weiteren zwölf geschulten StALU- Mitarbeitern, die nun Bereitschaftsdienst schieben. Heißt: Das Sperrwerk ist bei normalem Wetter nicht besetzt. „Bei nahender Sturmflut werden zwei von uns vom Hochwassermeldedienst informiert und kommen her“, sagt Geldschläger. Der 30-Jährige wohnt nahe Stralsund, arbeitet in der Weltkulturerbestadt und freut sich auf die „verantwortungsvolle Aufgabe“.

Auch wenn Greifswald in den jüngsten Jahren von einer dramatischen Sturmflut verschont blieb, lässt Till Backhaus an diesem „Tag der Superlative“ keinen Zweifel an der Notwendigkeit des Bauwerks aufkommen: „Es geht um das Leben der Menschen“, betont der Minister. Deren Sicherheit rechtfertige auch die Kosten für das gesamte Küstenschutzprojekt, die mit 42 Millionen Euro deutlich über dem Planansatz liegen.

Diesen Preisanstieg hat die Hansestadt zum Glück nicht zu verantworten. Insofern konnte sich Greifswalds Baudezernent Jörg Hochheim (CDU) gestern entspannt zurücklehnen und dem Land danken. Auch wenn er keinesfalls die nächste Sturmflut heraufbeschwören möchte, wagte er doch für den Fall der Fälle einen Scherz: „Die Greifswalder können sich nun den Wind um die Nase wehen lassen.“

Von Petra Hase

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