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Grimmen „Ein Landrat zum Anfassen“
Vorpommern Grimmen „Ein Landrat zum Anfassen“
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20:47 16.05.2018

Was hat Sie bewogen, sich als Kandidat zur Landratswahl zu stellen?

Steffen Ulrich vor dem Rathaus am Bergener Markt. Er ist derzeit stellvertretender Bürgermeister der Stadt und Hauptamtsleiter. Quelle: Foto: Jens-Uwe Berndt

Steffen Ulrich: Ich will für unsere Menschen da sein, etwas bewegen, denn ihre Wünsche und Bedürfnisse sind das Entscheidende. Seit 1991 arbeite ich in kommunalen Verwaltungen, erst in Sassnitz, dann beim Landkreis und jetzt in Bergen. Ich fühle mich gut, habe Erfahrungen, Energie und Ausdauer. Ich bin bereit für diese große Herausforderung.

Dieses „etwas bewegen“ hört man in der Politik immer wieder. Was meinen Sie damit?

Ich möchte unsere Menschen mitnehmen, wenn es um die Entwicklung unserer Region geht. Deshalb will ich viel vor Ort sein, ein „Landrat zum Anfassen“ sozusagen. Ich plane Landratssprechstunden in den Kommunen und an den Verwaltungsstandorten des Kreises und möchte nicht nur in Stralsund, sondern auch in den Außenstellen Grimmen, Ribnitz-Damgarten und Bergen arbeiten. Die Außenstellen sollen auf jeden Fall bleiben – als „kleine Landratsämter“.

Welches Thema ist Ihrer Meinung nach für die Insel Rügen das wichtigste?

Ich beziehe mich nicht auf regionale Themen. Für mich zählt der gesamte Landkreis.

Was halten Sie von der Idee eines Landkreises Rügen, so wie sie gegenwärtig immer wieder kursiert?

Das ist von einigen Vereinen, Verbänden und Parteien eine Forderung, die nachvollziehbar ist. Allerdings halte ich das nicht für umsetzbar. Eine Rückkehr zu den alten Kreisstrukturen wird es aus meiner Sicht nicht mehr geben. Wir müssen vielmehr aus der neuen Situation das Beste für unsere Menschen im gesamten Landkreis machen. Deshalb bin ich auch strikt gegen eine weitere Zentralisierung von Verwaltungsstandorten und Aufgaben in Stralsund.

Der jetzige Landrat, Ralf Drescher von der CDU, ist besonders auf Rügen ziemlich umstritten. Was lief falsch unter ihm?

Der scheidende Landrat hat – genau wie die jetzigen Kandidaten – Ziele und Visionen gehabt, die er erreichen wollte. Ich möchte nicht bewerten, ob das gut oder schlecht gelungen ist. Ich kann hier nur für mich sprechen und sagen, worauf ich großen Wert lege. Ich will so oft es geht, vor Ort in den Kommunen Ansprechpartner für unsere Menschen sein und eng mit den Ämtern, Städten und Gemeinden zusammenarbeiten. Sehr wichtig ist mir zudem ein vertrauensvolles Miteinander in der Kreisverwaltung. Hier arbeiten gut ausgebildete Mitarbeiter, deren Fachlichkeit und Rat ich sehr schätze.

Politiker sprechen häufig von „Visionen“, wenn es um ihre Ziele geht. Was bezeichnen Sie als Ihre „Visionen“?

Dazu gehört, die Regionalentwicklung mit den Kommunen gemeinsam zu planen und zu gestalten. Auch gilt es, Förderprogramme stärker zu nutzen. Ich spreche da vor allem internationale Kontakte an.

Die sind in den letzten sieben Jahren eindeutig zu kurz gekommen. Ich möchte, dass unsere Menschen gern in Vorpommern-Rügen leben und sich Gäste bei uns im Landkreis wohlfühlen.

Der Schaproder Wikingerschatz ist derzeit nicht nur auf Rügen ein heiß diskutiertes Thema. Was meinen Sie, soll er auf der Insel verbleiben?

Ich würde es begrüßen, wenn wir ihn auf der Insel zeigen könnten – oder zumindest in Stralsund. Dafür werde ich mich einsetzen. In dem Zusammenhang sollten wir dann auch darüber nachdenken, andere archäologische Kostbarkeiten aus unserer Region bei uns im Landkreis zu präsentieren.

In der Gemeinde Altefähr diskutiert man über einen möglichen Anschluss an Stralsund. Für viele Rüganer ist das ein schmerzlicher Gedanke. Wofür plädieren Sie?

Ich kann – auch als Landrat – eine Meinung haben, aber die ist nicht maßgebend. Gemeindefusionen sind Angelegenheiten der kommunalen Selbstverwaltung. Daher vielleicht nur so viel: Ich bin ein Verfechter von Gemeindefusionen, wenn sich die Kommunen, die zusammengehen wollen, auf Augenhöhe begegnen. Die Bürger sollten dabei im Vorfeld umfassend über alle positiven und negativen Auswirkungen informiert werden.

Die AfD von Rügen hat sich in einer öffentlichen Verlautbarung zu Ihnen bekannt. Wie finden Sie das?

Ich habe keinen Einfluss darauf, wer sich wann, wo und wie zu meiner Kandidatur oder zu einer Unterstützung meiner Kandidatur äußert. Es gibt keine Vereinbarungen, dass die AfD mich unterstützt.

Ich bin als unabhängiger und parteiloser Kandidat angetreten und werde bis zum Schluss als unabhängiger und parteiloser Kandidat für die Region, unsere Menschen und meine Ziele eintreten.

Nach Informationen der OZ will Sie auch die Bergener CDU unterstützen – obwohl die Christdemokraten einen eigenen Kandidaten im Rennen haben.

Das ist mir so nicht bekannt. Wenn dem aber so ist, freue ich mich natürlich. Im Endeffekt heißt das nämlich, dass man sich über Parteigrenzen hinweg mit meiner Person und mit meinen Zielen identifizieren kann.

Wenn Sie Landrat werden – würden Sie dann Ihren Lebensmittelpunkt verändern?

Arbeitsmäßig – und auf Arbeit verbringt man ja einen großen Teil seines Lebens – selbstverständlich. Ich bin dann ja in Stralsund und in den anderen Verwaltungsstandorten des Landkreises. Wohnen werde ich aber weiterhin in Parchtitz. Die Fahrten zur Arbeit und zurück stellen kein Problem dar.

Steffen Ulrich

In Bergen auf Rügen am 21. September 1969 geboren, besuchte Steffen Ulrich zwischen 1976 und 1986 die Polytechnische Oberschule in Sassnitz.

Im VEB Fischfang Sassnitz lernte er den Beruf des Fischbetriebsschlossers. Bei der Nationalen Volksarmee (NVA) hatte er sich für drei Jahre verpflichtet, um danach sein Abitur machen zu können und in Rostock Schiffstechnik zu studieren. Die Wende 1989 veränderte allerdings den eingeschlagenen Lebensweg.

Steffen Ulrich bewarb sich 1990 auf eine Stellenausschreibung der Sassnitzer Stadtverwaltung für eine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten – und wurde angenommen. Später baute er dort als Rathausmitarbeiter das Büro der Stadtvertretung mit auf.

Zum Landkreis Rügen wechselte Ulrich im September 1992. Er arbeitete in der Kreisverwaltung, dann im BAföG-Amt und im Büro des Kreistages bis 2001.

Im selben Jahr wurde er Hauptamtsleiter im Bergener Rathaus. Diese Funktion hat Steffen Ulrich bis heute inne. 2008 wurde sein Aufgabenbereich mit der Angliederung des Ordnungsamtes erweitert. Gleichzeitig wurde er zum zweiten stellvertretenden Bürgermeister gewählt. Auch das ist Ulrich bis heute.

Steffen Ulrich lebt in einer Lebensgemeinschaft, er hat zwei erwachsene Kinder. Ehrenamtlich ist er bereits seit einiger Zeit im Vorstand des Fördervereins der Musikschule Rügen aktiv.

Der Rüganer stellt sich als einziger parteiunabhängiger Kandidat zur Wahl des Landrats für den Kreis Vorpommern-Rügen.

Interview von Jens-Uwe Berndt

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