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Ein kapitales Stück Malerei

Pantlitz/Greifswald Ein kapitales Stück Malerei

Wie ein weltberühmtes Gemälde das Pommersche Landesmuseum mit Köln verbindet

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Das Kölner Bild der Anbetung der Hirten des niederländischen Malers Gerrit van Honthorst .

Quelle: Foto: Constantin Graf Von Hoensbroech

Pantlitz/Greifswald. „Das Kölner Bild ist abgeklärter“, sagt Anja K. Sevcik. „Das Greifswalder Bild ist anekdotischer“, sagt Birte Frenssen. Was sich wie ein Wettstreit lesen mag, ist die Begeisterung und Freude an einem herausragenden Werk der Malerei, das beide Frauen verbindet. Dabei ist es nicht nur die berufliche Gemeinsamkeit – Sevcik ist Kuratorin am weltberühmten Wallraf-Richartz-Museum in Köln, Frenssen ist Kuratorin im bedeutenden Pommerschen Landesmuseum in Greifswald. Vielmehr ist dafür ein kunsthistorisch herausragender ,Zwilling'

ausschlaggebend, nämlich „Die Anbetung der Hirten“ des niederländischen Gerrit van Honthorst (1592 bis 1656).

Dieses Bild und das darauf dargestellte Geschehen der Geburt Christi in der Heiligen Nacht, das der frühbarocke Meister aus Utrecht in vier, möglicherweise sogar in fünf Versionen gemalt hat, gehört sowohl in Köln als auch in Greifswald seit Langem zum festen Bestand. Das Besondere: Das Kind ist die Lichtquelle, „es strahlt heller als die Sonne“, wie der katholische Priester Dominik Meiering aus Köln es bei der Rückkehr des Bildes in das Wallraf-Richartz-Museum beschrieben hat. Nach über zwei Jahren der Restaurierung ist dieses Gemälde nun wieder für die Öffentlichkeit zu sehen. Die Darstellung der auf den Gesichtern der Hirten ausgedrückten Freude und ihr Staunen über die Geburt des Gottessohnes üben eine so suggestive Wirkung auf den Betrachter aus, „dass dieser gleichsam als Protagonist in das Geschehen im Stall einbezogen wird“, sagt Birte Frenssen. „Wir stehen selbst unmittelbar mit an der Krippe“, ergänzt Anja K. Sevcik. Die sakrale Aura wirkt alles andere als distanzierend in ihrer großformatigen Darstellung. Das gilt auch für das Greifswalder Bild (1,48 mal 1,81 Meter). Es ist wie die Kölner Version (1,64 mal 1,92 Meter) im Jahr 1622, gleichwohl einige Wochen oder Monate vorher, entstanden. Die Ähnlichkeit ist ebenso frappierend wie die fast unwirklich anmutende Abschirmung gegen das Licht. Honthorst war einige Jahre in Rom gewesen und hat dabei vor allem das Werk von Caravaggio (1571 bis 1610) verinnerlicht und dessen Schaffen in seine niederländische Malkunst aufgenommen. „Mit seinen verschiedenen Darstellungen dieser biblischen Historie“, so Birte Frenssen, „hat er als erster nachhaltig dieses Motiv verwendet. Viele Künstler nach ihm haben es dann aufgegriffen und bearbeitet.“ In Köln lässt sich das gut nachvollziehen: Das Wallraf-Richartz-Museum präsentiert das im wahrsten Sinne des Wortes wunder-volle Gemälde, das letzte der Honthorstschen Bearbeitungen, in einem eigenen Raum – umrahmt von zehn weiteren großartigen Gemälden bedeutender Meister zu diesem Sujet der Gebetsliteratur und Kunstgeschichte.

Für die Erstellung des lesenswerten Begleitbüchleins, das über Honthorst und seine ,Anbetung der Hirten' sowie über die Restaurierungsgeschichte informiert, wurde selbstverständlich die Expertise aus Greifswald einbezogen. Ausdrücklich wird neben anderen dem Pommerschen Landesmuseum sowie Birte Frenssen für die Unterstützung bei den Forschungsarbeiten „über ein kapitales Stück Malerei“

gedankt, das die beiden Universitäts-, Hanse- und Domstädte miteinander verbindet.

Spannend zu lesen ist, wie die Greifswalder Version überhaupt ins Pommersche Landesmuseum gekommen ist und dort seit 2005 als Dauerleihgabe der Kirchengemeinde Ahrenshagen-Pantlitz hängt. Birte Frenssen: „Wir wissen gesichert durch die Datierung und Signatur, dass das Bild 1622 fertiggestellt worden ist.“ Im Jahre 1869 wurde das Gemälde dann in Berlin für die Pantlitzer Kirche bei Damgarten angekauft. Aber wo war es in den knapp 250 Jahren davor? Das gehört noch zu den vielen ungeklärten Fragen und Geheimnissen, die das Werk des ,Meisters der Nacht' - Gherardo della Notte –, so eines der Pseudonyme von Honthorst, umgeben.

In Pantlitz und Zarnekow hängen Kopien des Gemäldes

Das Bild „Anbetung der Hirten“ des Holländers Gerrit von Honthorst gilt vielen als wertvollstes Bild im Bereich der früheren pommerschen Kirche.

Die Kirche in Pantlitz war vor über 50 Jahren dem Verfall preisgegeben. So kam das von Honthorstsche Gemälde im Jahre 1972 nach Zarnekow bei Karlsburg und schmückte die dortige Kirche. Damals war man aber noch nicht sicher, ob es sich bei dem Gemälde wirklich um ein Werk des Holländers handelt. Es gab Vermutungen, doch die Signatur wurde nicht gefunden. Diese ist im Zuge der Restaurierung 2001 von Frank Hösel entdeckt worden. Der Holländer hat sie in der Mitte oben rechts.

Inzwischen war die Pantlitzer Kirche vor dem Verfall gerettet und saniert worden. Die dortige Kirchengemeinde wollte das Bild zurück. Doch nach der Entdeckung des Namenszuges kam es dazu nicht mehr.

Das Gemälde landete als Dauerleihgabe im Pommerschen Landesmuseum. Pantlitz erhielt eine Kopie, angefertigt vom Rostocker Georg von Knorre. Der Greifswalder Künstler Bernd Anders schuf eine weitere Kopie für die Zarnekower Kirche.

Constantin und Ulrike Graf und Gräfin von Hoensbro

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