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Einheitswerte längst überaltert

Bad Sülze Einheitswerte längst überaltert

Grundsteuern A und B, Einheitswerte, Steuermesszahlen, Hebesätze – für die meisten unverständliche Begriffe.

Bad Sülze. Grundsteuern A und B, Einheitswerte, Steuermesszahlen, Hebesätze – für die meisten unverständliche Begriffe. Annette Nickel, Leiterin der Finanzbuchhaltung im Amt Recknitz-Trebeltal, bringt Licht in die Sache:

Welche Grundsteuern gibt es eigentlich?

Es gibt die Grundsteuer A für landwirtschaftliche Grundstücke. Bei der Grundsteuer B sind bebaute oder bebaubare Grundstücke gemeint. Immer geht die Steuer an die Gemeinde.

Welche Werte haben Einfluss auf diese Grundsteuer B, die Eigentümer von Häusern oder Wohnungen zahlen müssen?

Ausgangspunkt ist der Einheitswert – im Osten aus dem Jahr 1935, in den westlichen Ländern von 1964. Das ist eine jährliche angenommene Rohmiete, die 5570 Euro für ein Beispielhaus im Tribseeser Koppelweg aus dem Jahr 2001 beträgt. Dieser Betrag wird mit einem Vervielfältiger multipliziert, den das Finanzamt aufgrund der Art des Gebäudes, der Lage und Größe der Gemeinde und des Baujahres festlegt. Im Fall aus Tribsees beträgt er 8 von 1000. Daraus ergibt sich ein Messbetrag von 44,58, der mit dem von der Gemeinde beschlossenen Hebesatz (390 %) die zu zahlende Steuersumme von rund 173 Euro festlegt. 2010 bei einem Satz von 300 % waren es nur 133 Euro.

Und was ist das aktuelle Problem?

Die Einheitswerte sind längst überaltert, sollten alle sechs Jahre erneuert werden. Das ist nie geschehen. Das gesamte Grundsteuerdurchführungsgesetz stammt aus dem Jahr 1937. Wenn sich beispielsweise die Einheitswerte verdreifachen, verdreifachen sich auch – wenn alle anderen Parameter bleiben – die Steuern.

Was kann dagegen getan werden?

Der Bund könnte veranlassen, die Vervielfältiger zu reduzieren oder die Kommunen können an den Hebesätzen drehen.

Wie liegen die Landesdurchschnitte der Hebesätze?

Für kreisfreie oder große kreisangehörige Städte bei 477 Prozent, bei kreisangehörigen Gemeinden bei 396 Prozent.

Und wie viele Grundsteuer-B-Fälle gibt es im Amt Recknitz-Trebeltal?

Wir haben ca. 11500 Fälle bei nur 8790 Einwohner, da nicht nur Häuser, sondern auch Garagen und einige Garten- und Bootshäuser Grundsteuer-B-pflichtig sind.

aj

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