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Grimmen Einkaufen mit Handicap: Ein Kraftakt in Grimmen
Vorpommern Grimmen Einkaufen mit Handicap: Ein Kraftakt in Grimmen
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00:00 12.09.2018
Grimmen

Bis vor zwei Jahren war Dieter Lackmann (78) ein sehr aktiver Mann. Jeden zweiten Tag hat er Sport getrieben, half seiner Frau im Haushalt und war immer für sie da. Doch nun benötigt er ihre Hilfe. Drei Schlaganfälle und die Krankheit Parkinson machten ihn plötzlich zum Pflegefall. Seitdem sitzt er im Rollstuhl und kann nicht mehr sprechen. Doch seine Ehefrau Cornelia Lackmann (59) ist eine Kämpferin.

Cornelia Lackmann und ihr Mann Dieter sind seit 33 Jahren verheiratet. Quelle: Foto: Carolin Riemer

Die Grundschullehrerin geht arbeiten, während ihr Mann sehnsüchtig in der Tagespflege auf sie wartet. Und genau dann beginnt es auch für die taffe Frau aus Grimmen kompliziert zu werden: Das Einkaufen der Lebensmittel. „Als unüberwindbaren Kraftakt“, beschreibt sie diesen. Dabei wäre das Problem leicht aus der Welt zu schaffen. Im Gegensatz zu anderen Städten, wie beispielsweise Greifswald, gibt es in Grimmen in keinem Supermarkt Einkaufswagen, die behindertengerecht sind. „Für jemanden, den das nicht betrifft, mag sich das nicht schlimm anhören, aber für mich ist das ein sehr schwieriges Problem.“

Die speziellen Einkaufswagen können mit Hilfe zweier Spangen am Rollstuhl befestigt werden und werden so zu einem leicht steuerbaren und wichtigen Alltagshelfer. Doch, wie gesagt, in Grimmen muss Cornelia Lackmann darauf verzichten. Das bedeutet, sie muss ihre Einkäufe auf dem Schoss ihres gehandicapten Mannes stapeln, weil sie durch das Lenken des Rollstuhls keine Hand für einen Korb oder Wagen frei hat. Ihren Mann während des Einkaufs im Auto sitzen zu lassen, kann sie nicht. Er ist zu sehr auf sie fixiert. „Außerdem braucht er die sozialen Kontakte und ich muss ihn ja auch nicht verstecken, nur weil er jetzt krank ist“, sagt sie. Auch den Aufenthalt in der Tagespflege zu verlängern, ist quasi nicht möglich. „Die Besuche dort strengen ihn sehr an und er ist immer froh, wenn ich ihn abholen komme und er sich zum Schlafen in sein eigenes Bett legen kann.“

Für Cornelia Lackmann ist das Einkaufen zu einem Spießrutenlauf geworden. Zwischen Arbeit, Haushalt, Arztterminen und der Pflege ihres Mannes versucht sie, es einzutakten. „Dann darf wirklich nichts schief gehen oder etwas unvorhergesehenes dazwischen kommen.“ Deswegen erledigt sie ihre Besorgungen mittlerweile am liebsten in einem Greifswalder Supermarkt. „Dort gibt es die speziellen Wagen nämlich. Aber gut find’ ich das nicht. Ich würde mein Geld lieber in Grimmen ausgeben und die heimische Wirtschaft unterstützen.“

Die Grundschulpädagogin fragte bereits in den hiesigen Supermärkten an, ob es nicht möglich wäre, wenigsten zwei oder drei der speziellen Einkaufswagen in Grimmen anzusiedeln. Leider erfolglos. Auch Monate später hat sich noch nichts getan.

Doch Sandra Mainitz, stellvertretende Marktleiterin im Rewe in der Friedrichstraße, macht Hoffnung: „Wir werden versuchen, solche Wagen für unseren neuen Markt zu ordern.“ Bislang wusste die stellvertretende Marktleiterin nicht, dass der Bedarf besteht. Im November zieht der Supermarkt um. Es sei ein guter Zeitpunkt, um die Wagen anzuschaffen, findet sie.

Für Cornelia Lackmann ist es der wichtigste Punkt, den sie nicht allein beseitigen kann. „Im Allgemeinen wurde gut an Rollstuhlfahrer gedacht. Überall wo etwas neu entstand, wurde an barrierefreie Eingänge oder abgesenkte Bordsteine gedacht.“ Natürlich sei es trotzdem manchmal schwierig. Vor allem in der Altstadt oder in vielen Nebenstraßen, die mit Kopfsteinen gepflastert sind. „Aber man findet immer einen Weg. Wir gehen so viel spazieren, dass ich mittlerweile ganz genau weiß, wo ich meinen Mann am besten schieben kann. Und es kann ja auch nicht überall gleich alles neu saniert werden.“

Mehr Verständnis wünscht sie sich von so manchem Autofahrer, wenn sie mit dem Rollstuhl auf die Fahrbahn ausweichen muss, weil die Beschaffenheit des Gehweges das Schieben des Rollstuhls zu schwierig macht. Dann erntet sie nämlich oft böse und genervte Blicke. Aber das ist Cornelia Lackmann nicht so wichtig. Ihr geht es um das Wohlbefinden ihres Mannes. „Und wenn es zu sehr rüttelt, ist das Gift für einen an Parkinson erkrankten Menschen.“

Carolin Riemer

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