Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Grimmen Einwohner schwingen Hacke und Harke
Vorpommern Grimmen Einwohner schwingen Hacke und Harke
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:08 16.04.2018
Sören (32) und Gordon Klink (28) packten am Neuhofer Strand kräftig mit an. Es galt, den Strand zu reinigen. Quelle: Fotos: Anja Krüger

Etwas verunsichert stehen René Wendt und seine Tochter Leandra (12) vor der Mehrzweckhalle in Brandshagen. Mit Müllsäcken in der Hand. „Wir sind wegen des Aufrufs zum Frühjahrsputz hier“, erzählt Wendt, der schon befürchtet, dass die Aktion aus Mangel an Beteiligung ins Wasser fällt. Aber weit gefehlt. Letztendlich sind es mehr als 20 Einwohner der einstigen Gemeinde Brandshagen, die heute zu Sundhagen gehört, die am Sonnabendvormittag in Brandshagen, Neuhof sowie Niederhof Hacke, Harke und Besen schwingen, Müll sammeln und sogar Schilf schneiden.

Der Frühjahrsputz im Bereich Brandshagen hat Tradition / 20 Bürger kamen

Sabine Wennrich fährt bei der Mehrzweckhalle vor. Bei ihr und der Brandshagenerin Elke Lück laufen die Fäden des diesjährigen Frühjahrsputzes zusammen. „Diese Aktion hat schon Tradition. Seit Anfang der 90er gibt es den Frühjahrsputz bei uns“, erzählt Sabine Wennrich. „Die Mehrzweckhalle haben wir Frauen von der Gymnastikgruppe bereits am Mittwoch geputzt“, berichtet sie. Schnell wird im Gespräch klar, dass sich an diesem Tag bereits an den Stränden in Neuhof und Niederhof sowie auf dem Brandshagener Friedhof und in der Kirche Frauen und Männer eingefunden haben. Wendt und seine Tochter machen sich schließlich daran, Unrat am Niederhofer Weg einzusammeln. Zur gleichen Zeit steht bereits Bettina Voigt in Niederhof mit einer Heckenschere im Schilf. „Leider wächst unser Strandabschnitt immer mehr zu“, bedauert sie. Bund für Bund schneidet sie ab. „Seit Jahren regen wir an, dass hier etwas unternommen wird. Leider bislang ohne Erfolg, weil wir uns hier in einem Naturschutzgebiet befinden – der Kormorane wegen“, erzählt sie weiter. Jedoch nehme die Population der geschützten Vögel enorm zu, was dem Wald ihrer Meinung nach sehr schadet. Derweil ziehen Ines Stein und Susanne Stollenwerk mit dem Handwagen durchs Dorf. Dort, wo bis 1947 noch ein Schlösschen stand und heute noch der Grundriss erkennbar ist, holen sie einige Flaschen „und sogar eine Fit-Flasche aus DDR-Zeiten“, wie Ines Stein erzählt, aus dem bodenbedeckenden Grün.

Mit allerhand Wildwuchs sind am Sonnabendvormittag auch die Mitglieder des Kirchengemeinderates auf dem Brandshagener Friedhof beschäftigt. Gerhard Tober hat einige Mühe, den am Gotteshaus wachsenden Holunderstrauch zu entfernen. Zuvor hat er bereits sich zwischen anderen Sträuchern rankendes Brombeerrutengewirr entfernt. Der Wildwuchs mache zwar den Charme des Friedhofs aus, soll nun aber Struktur bekommen, wie Nora Nübel, Geschäftsführerin des Kirchengemeinderates, berichtet. „Der Charme soll aber erhalten bleiben“, versichert sie. Der Friedhof solle nach und nach einen parkähnlichen Charakter bekommen. Der diesjährige Arbeitseinsatz sei sowas wie ein Auftakt zur Umsetzung des Projektes. „Zu diesem gehört auch die Beleuchtung einzelner Wege, wie dem vom Eingangstor zum Kircheneingang“, berichtet Nora Nübel. Dies solle noch in diesem Jahr passieren. Auch die Idee von Baumbestattungen, wie es sie in Friedwäldern gibt, gebe es, erzählt Gudrun Haseloh, Vorsitzende des Kirchengemeinderates, als sie eine kleine Pause vom Kirche kehren macht.

Kurz darauf findet sich auch Sabine Wennrich auf dem Friedhof ein. Gerade hat sie gemeinsam mit elf weiteren Einwohnern Neuhofs den dortigen Strand gereinigt und die Liegewiese abgeharkt. „Später wird der Strand noch mit Sand aufgefüllt, der dank der Unterstützung von Einwohnern finanziert wird“, berichtet sie. Sie ist des Lobes voll für alle Beteiligten am Frühjahrsputz, hätte sich aber noch einige Engagierte mehr gewünscht, resümiert sie während des gemeinsamen Mittagessens der Helfer in der Kirche. Michael Jordan vom Neuhofer Hafenrestaurant „Ziegelhafen“ hat dafür eine Suppe gekocht.

Auch René Wendt und Tochter Leandra finden sich dazu ein. „Die Brandshagener scheinen durstig“, beschreibt er den von ihnen eingesammelten Müll. Zahlreiche Plastik- und Glasflaschen hätten sie eingesammelt. „Aber es hat Spaß gemacht“, sagt Leandra. Sie denke beim Müllsammeln auch an die Tiere. „Ich will nicht, dass die Müll fressen“, sagt sie. Im kommenden Jahr wollen die beiden auf alle Fälle wieder dabei sein, wenn der Frühjahrsputz ansteht.

Anja Krüger

Mehr zum Thema

Junge Familien beleben den abgelegenen Ort zwischen Greifswald und Stralsund

16.04.2018

Tägliche Kalendereinträge und das Lesen der Zeitung gehören auch heute noch zum Alltag von Dora Höfs

18.04.2018

Perlenkleider, Himmelbetten, Reisepässe mit dem falschem Geburtsjahr: 16 Monate nach dem Tod von Zsa Zsa Gabor wird der Nachlass der Filmdiva versteigert. Witwer Prinz von Anhalt muss sich von vielen Sachen trennen.

18.04.2018

Viel Überzeugungsarbeit musste Flora (6) nicht bei ihrer Mama leisten. War der begehrte, wenn auch gebrauchte, Playmobil-Ponyhof in Originalverpackung doch um einiges günstiger als im Spielzeugladen.

19.04.2018

Kommune bewirbt sich bei europaweiter Initiative

16.04.2018

Fünf Bands in einer Nacht – das gibt es am 21. April im Grimmener Kulturhaus. Musiker aus der Region spielen dann Hits aus den 60-iger, 70-iger und 80-iger Jahren, Blues, Soul und Rock.

16.04.2018
Anzeige