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Elmenhorst hat keine Zahnärztin mehr

Elmenhorst Elmenhorst hat keine Zahnärztin mehr

Marita Penz schloss vor wenigen Tagen ihre Praxis / Nach fast 26 Jahren

Elmenhorst. Nachdem die gut 700 Elmenhorster Einwohner seit Jahresbeginn auf ihre Sparkassenfiliale verzichten müssen, weil diese schloss, gibt es nun noch eine weitere traurige Nachricht: Denn auch die Zahnarztpraxis ist zu.

Nach fast 26 Jahren hat Marita Penz aufgehört, zu praktizieren. „Der Abschied fiel mir sehr schwer“, sagt sie. Wie Abschiede eben so sind. Aber es sei nicht mehr gegangen, erklärt die 60-Jährige. Sie habe massive Probleme mit der Schulter. „Jeden Tag, meist zehn Stunden lang die gleiche Haltung... Irgendwann muss man dann einen Schlussstrich ziehen“, sagt sie. Und genau das hat sie jetzt auch getan.

„Aber ich bereue keinen einzigen Tag“, fügt die neue Ruheständlerin hinzu. „Es hat immer sehr viel Spaß gemacht, in Elmenhorst zu arbeiten“. „Meine Praxis befand sich ja direkt in unserem Wohnhaus.

Besser geht es eigentlich nicht“.

„Ein Nachfolger war und ist leider nicht in Sicht“, sagt die Zahnärztin. Sie habe ihren Patienten nun den Tipp gegeben, nach Franzburg zu gehen. Dort hat sich eine neue Kollegin niedergelassen. Sie war auch bereit, die Elmenhorster zu übernehmen.

Diese haben sich rührend von ihrer langjährigen Frau Doktor verabschiedet. „Es war überwältigend“, ist Marita Penz noch heute bewegt. „Ich habe Blumen über Blumen bekommen“, erzählt sie und strahlt dabei. Viele selbst gemalte Karten bekam sie. „Und einen selbst gehäkelten Zahn“, fügt sie noch immer voller Freude hinzu. „Das kleine Mädchen, das ihn mir übergab, war mit der Omi gekommen. Das war unglaublich rührend“, so die Zahnärztin.

Ich habe in meiner Praxis sehr viele Kinder behandelt, beginnt Marita Penz auch gleich zu erzählen und in Erinnerungen zu schwelgen. Es sei immer bewegend gewesen, wenn sie auf ihrem „Zauberstuhl“

Platz genommen hatten. Denn die Angst war meist schnell verflogen, erinnert sich die Zahnmedizinerin. „Ich konnte gut mit den Kindern“, sagt sie. Und das glaubt man ihr durchaus. Denn mit ihrer offenen und ehrlichen Art, gelang es ihr bestimmt schnell, die Jüngsten zu überzeugen. Davon, dass es beim Zahnarzt nicht weh tut. „Obwohl das nicht immer gestimmt hat“, gibt Marita Penz heute zu.

Aber wenn die Kinder abgelenkt waren, dachten sie gar nicht mehr an mögliche Schmerzen.

„Noch Tage nach der Schließung ihrer Praxis kamen viele langjährige Patienten vorbei. Manche fragten nur, ob sie mich noch einmal drücken können. „Erst war ich überrascht, aber dann habe ich alle gewähren lassen. Warum soll ich mich nicht drücken lassen“, fragt Marita Penz und lacht dabei.

Warum aber kommt kein Nachfolger nach Elmenhorst?

„Die jungen Leute tun sich heute schwer, eine eigene Praxis zu übernehmen“, ist Marita Penz überzeugt. Zum einen führt sie das auf die Risiken zurück, die eine damit verbundene Verschuldung mit sich bringt. Mittlerweile gäbe es ja auch sehr viel teures High-Tech, auf das man vielleicht dann nicht verzichten möchte. „Zum anderen sind es wohl auch die Arbeitszeiten, die abschrecken.“ Denn ein Zahnarzt muss immer da sein. Jeden Tag. Und will er in den Urlaub, braucht er eine Vertretung. Marita Penz ist froh, dass es mit ihrer Kollegin Doris Delfs aus Brandshagen in dieser Hinsicht nie Probleme gegeben hat. Aber auch sie hört nun in wenigen Tagen auf.

„Es ist ja auch nicht mit der Behandlung der Patienten getan“, erklärt Marita Penz. „Abends und an den Wochenenden saß ich regelmäßig und bearbeitete meinen Schreibkram.“ Dabei habe sie immer versucht, den kompletten Tag zu rekapitulieren. „Man hat ja auch nicht immer und alles sofort aufgeschrieben“, sagt sie. „Und wenn ich etwas vergaß, abzurechnen, bekam ich dafür auch kein Geld“.

Diesen Stress wollen sich viele junge Leute heute offenbar auch nicht mehr antun“, denkt Marita Penz. Sie würden sich lieber anstellen lassen. Zu festen Arbeitszeiten. Die meisten jungen Leute zieht es doch ohnehin woanders hin. Meist in Großstädte oder noch weiter weg. Auch Marita Penz hat zwei erwachsene Töchter. Die eine wohne in Hamburg, die andere sei verheiratet auf Gran Canaria, verrät sie.

„Als ich mich am 1. April 1991 selbstständig machte, war alles noch ganz anders, blickt die jetzige Ruheständlerin zurück. Zu DDR-Zeiten waren die meisten Ärzte und Zahnärzte doch in staatlichen Polikliniken beschäftigt. Marita Penz arbeitete in der Außenstelle Elmenhorst der staatlichen Zahnarztpraxis Abtshagen. „Ja so hieß das damals“, sagt sie fast entschuldigend. Doch war sie damit sogar privilegiert. Weil es auch in der DDR nicht üblich war, dass jede Gemeinde einen eigenen Zahnarzt hatte. „Aber in Elmenhorst gab es schon damals einen pfiffigen Bürgermeister und vor allem eine LPG.

Und da ging so etwas eben“, sagt sie rückblickend. Außerdem hatte Elmenhorst bis in die 1970-er Jahre schon mal eine private Zahnarztpraxis. Von Dr. Jahn. Auch das war etwas Besonderes. Marita Penz und ihr Mann, der übrigens in Grimmen arbeitet, konnten dessen Haus 1988 erwerben. Was lag also näher, diese Praxis nach der Wende wieder zu eröffnen? Aber auch das war nicht so einfach, blickt Marita Penz zurück. „Ich hatte zwar ein Studium als Zahnärztin absolviert“, erzählt sie, „aber doch überhaupt keine Ahnung von Betriebswirtschaft.“ Der jungen Frau blieb also nichts anderes übrig, als erneut zu lernen. Viele wertvolle Hinweise erhielt sie bei ihren Besuchen im Westen. Dafür ist sie heute noch dankbar. Vor allem wurde ihr gesagt, wie man mit Vertretern umgehen muss, die fortan natürlich auch nach Elmenhorst fanden. Und auch Helferinnen benötigte sie, sagt die Zahnärztin. Ihre beiden habe sie selbst ausgebildet. Sie seien jetzt auch wieder in Arbeit. „Darüber freue ich mich sehr“.

Reinhard Amler

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