Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 15 ° Regenschauer

Navigation:
Er hasst Schlager und die Leute feiern ihn

Grimmen Er hasst Schlager und die Leute feiern ihn

Fast alle der 600 Plätze sind am Sonnabend besetzt / Zum Schluss gibt es Standing ovations im Kulturhaus

Voriger Artikel
Tschüß, Frau Bobzien!
Nächster Artikel
Fünf Personen bei Unfall verletzt

Heinz-Rudolf Kunze bei seinem Auftritt am Sonnabend in Grimmen.

Quelle: Christian Rödel

Grimmen. „Jedem Menschen, dem man nachweist, dass er deutschen Schlager hört, sollte sofort der Führerschein und das Wahlrecht entzogen werden.“ Diesen Spruch traut sich Heinz-Rudolf Kunze zu sagen. Und das in Grimmen. Im selben Saal, in dem Hunderte Fans sonst die „Laddiner“, G.G. Anderson, Andrea Jürgens oder Andreas Martin feiern. Denn wann immer sich in Grimmen der deutsche Schlager oder die Volksmusikanten ankündigen, kann man darauf warten, dass der „Treffpunkt Europas“ voll ist. Rappelvoll.

OZ-Bild

Fast alle der 600 Plätze sind am Sonnabend besetzt / Zum Schluss gibt es Standing ovations im Kulturhaus

Zur Bildergalerie

Summ, summ, summ, dieses Land ist dumm. Schlapp, schlapp, schlapp, dieses Land kackt ab.“Heinz Rudolf Kunze

Eines mus man Heinz-Rudolf Kunze allerdings auch zugute halten. Auch er hat das Kulturhaus voll gekriegt. Mit 550 Leuten. Nur ganz wenige Plätze blieben leer.

Natürlich war es ein anderes Publikum als bei den Laddinern. Ein deutlich jüngeres, obwohl auch nicht mehr ganz jung. Kunzes Fans kamen auch nicht nur aus Grimmen und den umliegenden Dörfern.

Viele Besucher waren von weiter her angereist: aus Greifswald, Rostock, Demmin, dem Müritzkreis und von Rügen. Ja, selbst aus Hamburg, Regensburg in Bayern und Eutin in Schleswig-Holstein sah man Auto-Kennzeichen. Heinz-Rudolf Kunze, dessen große Erfolge nun auch schon ein paar Jahre zurückliegen, scheint in Deutschland immer noch ein Markenzeichen zu sein.

Am Ende seines Solo-Auftrittes haben sich fast alle Zuhörer im Grimmener Kulturhaus von ihren Plätzen erhoben und jubeln dem Mann mit seiner großen, dunkel umrandeten Brille und dem Leinen-Blazer zu.

Kunze genießt das sichtlich. „Es ist nicht immer so“, gesteht er im Gespräch. Er hat auch schon erlebt, dass nicht geklatscht wurde.

Heinz-Rudolf Kunze ist ein Provokateur. Schon immer gewesen. Auch in Grimmen kann er es nicht lassen, immerfort zu sticheln. Aber wahrscheinlich muss man heute so sein, um in der Welt überüberquellender Angebote überhaupt noch wahrgenommen zu werden. Jan Böhmermann lässt grüßen. Kunze verteidigt ihn und die Freiheit der Kunst. „Auch wenn sie nicht jedem gefällt“, sagt er.

In seinem Konzert geht er nicht nur aggressiv gegen Schlagerfans vor. Er urteilt auch hart über Lehrer. „Die Kinder mit ihrer Unfähigkeit infizieren“, betont er. Das ist harter Tobak. Er dürfe das sagen, meint Kunze, denn er sei selbst Lehrer gewesen. Obwohl er nie in dem Job gearbeitet habe.

Seine Kritik richtet sich aber wohl vordergründig an die deutsche Bildungspolitik. Kunze nennt sie verbrecherisch. Aber offenbar ist alles so gewollt, sagt er an anderer Stelle, wenn er reimt: „Wehe, es wird nachgedacht, dann gefährden wir die Macht.“ Oder: „summ, summ, summ, dieses Land ist dumm.“ „Schlapp, schlapp, schlapp, dieses Land kackt ab.“

Wer am Sonnabend bei Heinz-Rudolf Kunze war, der war gefordert: Interlektuell, weil er zweieinhalb Stunden intensiv zuhören musste, und auch physisch. Denn kaum jemand im Saal traute sich, während des Konzertes aufzustehen, um etwas zu trinken zu holen, obwohl einem die Zunge schon am Gaumen klebte. Zudem war Ausdauer gefragt. Denn genau fünfzig Minuten dauerte es, bis Kunze seinen ersten bekannten Hit zum Besten gab.

Das war „Aller Herren Länder“ von 1999. Erst kurz vor Konzertende erklangen dann noch „Marlon, ich fleh sie an, finden sie Mebel“ und „Dein ist mein ganzes Herz“ von 1985. In der Zusage sang Kunze noch „Lola“, die deutsche Version des Titels der „Kinks“, mit dem er 1984 die Charts gestürmt hatte.

Ein bisschen hatte man den Eindruck dass Heinz-Rudolf Kunze diesen Erfolgen hinterher trauert. Und der verblichenen Zeit. Er ist jetzt 60. Aber: Seine Stimme ist noch die alte und seine Ausstrahlung auch. Und zu sagen hat er auch noch was.

Im Oktober ist er in HRO

550Besucher waren Sonnabend ins Kulturhaus „Treffpunkt Europas“ gekommen, um den Rockbarden solo zu erleben. es war sein erstes Konzert in Grimmen und auch das einzige dieser Art in MV überhaupt.

Kunze will ab 1. Oktober dann mit Band auf große Deutschland-Tour gehen. Dabei kommt er auch nach Rostock. Das wird am 9. Oktober im Moya sein. Karten dafür gibt es auch bei der OZ.

Von Reinhard Amler

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel

Morgen werden im Theater die diesjährigen Putbus-Festspiele eröffnet

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Grimmen
Verlagshaus Grimmen

Bahnhofstraße 11
18507 Grimmen
Telefon: 03 83 26 / 46 07 84

Öffnungszeiten:
Montag bis Donnerstag
9.30 bis 16.30 Uhr

Leiterin Lokalredaktion: Almut Jaekel
E-Mail: lokalredaktion.grimmen@ostsee-zeitung.de

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Termine, Events, Veranstaltungen Teaser der den User auf die Seite "Termine" führen soll image/svg+xml Image Teaser Termine 2015-09-23 de Veranstaltungen Aktuelle Termine Konzerte, Kino, Ausstellungen, Vorträge, Theater, Workshops, Tanz und noch vieles mehr. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier.
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Lererbriefe, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Leserbriefe" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Leserbriefe“ 2015-09-23 de Meinung Ihre Leserbriefe Über unser Kontaktformular können Sie uns gern Lob, Kritik, Ideen oder andere Anmerkungen zu aktuellen Themen aus Ihrer Region, MV und der Welt zusenden. Wir freuen uns auf Ihre Meinung. Hier geht es zum Formular.