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Grimmen Erdölmuseum wird nicht geschlossen
Vorpommern Grimmen Erdölmuseum wird nicht geschlossen
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00:00 12.02.2018
Klaus Wähner (r.) ist einer der aktiven Museumsführer. Er erklärt Besuchern nicht nur die damalige Förderung von Erdöl, sondern weiß auch über aktuelle Förderungen in der Welt genau Bescheid. FOTOS (2): REINHARD AMLER
Reinkenhagen

Eigentlich ist es ein großer Schatz, den Sundhagen mit seinem Erdölmuseum beherbergt. Denn es handelt sich dabei um eines von nur dreien, die es in Deutschland gibt. Und dann ist es noch das, mit den wohl wertvollsten Exponaten. So befindet sich in Reinkenhagen, just an jener Stelle, wo 1961 erstmals Erdöl aus der vorpommerschen Erde schoss, auch ein Bohrmeißel mit echten Diamanten aus Südafrika. Er soll heute einen Wert von über 80 000 Euro haben. Das ist einmalig.

Trotz vieler Probleme will Sundhagen die Einrichtung auf jeden Fall erhalten

Aber Schatz hin und her, so richtig Begeisterung scheint darüber in Sundhagen nicht aufzukommen. Zumindest nicht in der Gemeindevertretung. Das wird auch Dieter Landes vom Verein Erdöl und Heimat nicht verborgen geblieben sein, der in der vergangenen Woche einen Tätigkeitsbericht in Miltzow gab.

Der Verein betreut das Museum, Träger ist die Gemeinde. Aber die bekam von Landes ihr Fett weg. Seines Erachtens kümmert sie sich zu wenig um ihr Museum, vor allem, was die Werbung betrifft.

Ergebnis: Viel zu wenig Leute würden den Weg nach Reinkenhagen finden. „Wir tun alles, was wir können“, wollte Bürgermeister Helmut Krüger (CDU) die Kritik nicht auf sich sitzen lassen. Er schob aber sofort hinterher, dass dieses Museum eigentlich eine Nummer zu groß sei für die Gemeinde.

Denn jedem ist klar, Schätze wollen auch behütet werden. Und das kostet Geld. Geld, das die Gemeinde einfach nicht hat. Krüger würdigte deshalb das Engagement, das die Männer des Vereins in den zurückliegenden Jahrzehnten beim Aufbau und Erhalt des Museums gezeigt haben. Denn das sei einzigartig.

Aber die Männer sind mittlerweile alle Ende 70, auch Dieter Landes. Noch tun sie, was sie tun können, nehmen den Farbpinsel in die Hand und mähen im Sommer auch Gras. Jede Woche treffen sie sich, um die Aufgaben zu besprechen. Aber wie lange wird das alles noch so sein?

93 Mitglieder umfasst der Verein „Erdöl und Heimat“. Einst waren wir 100, erzählte Landes , einige seien bereits verstorben. Bei den Vereinsmitgliedern handelt es sich vor allem um ehemalige Mitarbeiter des VEB Erdöl-Erdgas Grimmen. Jenem Betrieb, den die DDR hier in den 1960er Jahren aus dem Boden stampfte, und der es zu Spitzenzeiten auf 2600 Beschäftigte brachte. Bis 1996 wurde Erdöl in Reinkenhagen gefördert. Dann war Schluss. Auch für Dieter Landes.

Bereits 1994 öffnete das Museum. Viel Herzblut ist seither hier hinein geflossen, sagt er. Deshalb kämpfen Landes und seine Mitstreiter, die mittlerweile heute auch in Kanada, Österreich und in den Niederlanden leben, um den Erhalt dieser für die Region so geschichtsträchtigen wie einmaligen Stätte.

Denn die Erdölförderung hat die Region nachhaltig verändert. Vor allem auch die Stadt Grimmen, die um die Wohngebiete Südwest und Straße der Befreiung ebenso wie ums Kulturhaus wuchs. Insofern wäre es verständlich, wenn sich Grimmen in den Erhalt des Museums einbringen würde. Die Stadt tut es aber nicht. Sundhagens Bürgermeister Helmut Krüger bedauert das.

„Wir haben in der Gemeinde zwar einen Haushaltsposten, aus dem Geld entnommen werden kann“, sagte er. Aber das ist natürlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Es reicht nicht einmal für alle dringenden Reparaturen.

Und weil die Situation so ist, wie sie ist, wird schon seit Langem darüber nachgedacht, das Museum zu verändern, in dem man es zum Beispiel an die neu zu errichtende Schule in Miltzow anschließt. Im dortigen B-Plan gibt es nämlich noch einen nicht verplanten weißen Fleck, erklärte der Bürgermeister. Aber selbst wenn man dort einen Großteil der Exponate ausstellen würde, das große Freigelände, das sich um jenes erste Bohrloch von 1961 ausbreitet, kann man nicht nach Miltzow verlegen.

Somit konnte Dieter Landes vom Verein für diese Idee auch nicht all zu große Sympathien empfinden. „Was wird mit dem gesamten Material, wenn man eines Tages das Museum auflöst“, fragte er besorgt.

Dazu soll es aber nicht kommen. Denn Bürgermeister Krüger formulierte nämlich sehr deutlich, dass die Gemeinde das Museum auf keinen Fall schließen werde. „Wir stehen hier in der Verantwortung. Und die werden wir auch wahrnehmen“, sagte er vor der Gemeindevertretung. Wie, darüber wird sicher in den nächsten Wochen und Monaten noch viel diskutiert werden müssen.

Förderung begann 1961

Erdöl wurde in Reinkenhagen von 1961 bis 1996 gefördert. Zuletzt unter der Ägide eines französischen Unternehmens.

Bis zu 2600 Menschen waren zu DDR-Zeiten im VEB Erdöl-Erdgas Grimmen beschäftigt.

Keine 1000 Besucher kommen heute pro Jahr ins Erdölmuseum nach Reinkenhagen. Dieses gibt es seit 1994.

Auf 6400 Quadratmetern Fläche ist in Reinkenhagen heute regionale Erdölgeschichte erlebbar.

Reinhard Amler

Seltene nautische Messgeräte sind ab sofort im Bestand des Deutschen Meeresmuseums: Dr.

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