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„Es war eine tolle Erfahrung“

Griebenow „Es war eine tolle Erfahrung“

Die 16-jährige Isabella aus Kolumbien war sechs Monate zu Gast bei Herrmanns in Griebenow

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Isabella (16) am Ortseingangsschild von Griebenow.

Quelle: Foto: Anja Krüger

Griebenow. 9683,83 Kilometer sind es ganz genau, die zwischen der 16-jährigen Isabella und ihrer Heimatstadt Cali in Kolumbien liegen – seit knapp sechs Monaten. Die 16-Jährige ist Austauschschülerin und zu Gast bei Familie Herrmann in Griebenow. In wenigen Tagen reist sie wieder nach Hause. Ein Abenteuer waren die vergangenen Monate für beide Seiten – für Herrmanns, weil es ihr erstes Kind auf Zeit war, für Isabella, weil es ihr erstes Austauschsemester im Ausland war.

OZ-Bild

Die 16-jährige Isabella aus Kolumbien war sechs Monate zu Gast bei Herrmanns in Griebenow

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Alles begann mit einer Anzeige im Süderholzer Blatt. „Gastfamilie für sechs Wochen gesucht“, hieß es darin. „Das konnten wir uns gut vorstellen“, erzählen die Griebenower, die selbst zwei Kinder haben. Herrmanns bewarben sich, bekamen jedoch eine Absage. Anfang der Sommerferien im vergangenen Jahr flatterte dann ein Brief mit dem Angebot ins Haus, ein kolumbianisches Mädchen aufnehmen zu können – für sechs Monate. „Wir waren erstmal baff“, gestehen Herrmanns. Der Familienrat habe dann aber sehr schnell entschieden, dieses Abenteuer zu wagen. Nur sechs Wochen später sollte ihr Kind auf Zeit ankommen. Je näher die Ankunftszeit rückte, um so mehr Ängste bekamen Anke und Göran Herrmann, gestehen die beiden. Passt die Chemie zwischen uns? Können wir ihre Erwartungen erfüllen? – und noch ganz viele anderen Fragen stellte sich die Griebenower Familie im Vorfeld. Aber auch bei Isabella gab es nicht nur Vorfreude. Ganz im Gegenteil. Schließlich lebt ihre Gastfamilie auf dem Dorf.

„Dorf in Kolumbien bedeutet: Kein Geld, kein Strom, kein fließend Wasser“, erzählt der Teenager in sehr gutem Deutsch.

Mit der deutschen Sprache ist Isa, wie sie genannt wird, aufgewachsen. „Meine Großeltern und Eltern haben in Deutschland gelebt“, berichtet sie. Der Opa habe darauf bestanden, dass sie in Kolumbien eine deutsche Schule – eine Privatschule – besucht. „Staatliche Schulen in Kolumbien sind nicht so gut. An manchen wird nur vormittags oder nachmittags unterrichtet“, berichtet sie aus ihrem Heimatland. Ihr Schulalltag und auch der Unterrichtsstoff seien jenen in Deutschland aber sehr ähnlich. Gemeinsam mit ihren Gastgeschwistern besuchte sie während ihres Aufenthaltes das Ostseegymnasium in Greifswald.

„Das ist auch schon die einzige Bedingung, die an uns gestellt wurde“, erzählen Anke und Göran Herrmann. Organisiert wurde der Austausch über das Humboldteum, einem gemeinnützigen internationalen Verein für Bildung und Kulturdialog. „Vom Humboldteum wird auch schon vorher geklärt, ob beispielsweise Freizeitaktivitäten der Gastfamilie zu denen der Austauschschüler passen“, erzählt Göran Herrmann.

Der Alltag hat schließlich ganz schnell Einzug gehalten im Hause Herrmann. Die Verständigung klappte super, Isa konnte ihrem liebsten Hobby, dem Reiten nachgehen, schulisch gab es auch keine Probleme und dass sich ein deutsches Dorf ganz deutlich von einem kolumbianischen unterscheidet, hatte Isa sofort erkannt. Nur zwei Sachen, die behagten ihr anfangs gar nicht – spazieren gehen und Fahrrad fahren. „Ein Graus“, sagt das temperamentvolle Mädchen. „In Kolumbien wird nicht so viel Fahrrad, sondern mit dem Auto gefahren. Es gibt ganz viele Autos“, erzählt sie. Und dadurch sei das Radfahren eben einfach zu gefährlich.

Und trotzdem kam sie weder ums Spazierengehen noch ums Radfahren herum. Möglichst viel von ihrer Heimat und von Deutschland wollten die Herrmanns Isa zeigen. Stralsund, Rügen, Hamburg, Potsdam, Berlin hat Isa in den vergangenen Monaten besucht. „Ich denke, mit einem Austauschkind denkt man bewusster über seine Heimat nach. Man überlegt, was man dem Kind unbedingt zeigen muss“, ist sich Göran Herrmann sicher. „Auf alle Fälle hätten wir in den sechs Monaten mehr Zeit einfach vertrödelt“, fügt seine Frau hinzu. „Es war eine tolle Erfahrung hier zu leben“, sagt Isa. Auch wenn sie das viele Gehen nicht vermissen wird, gibt es doch auch viele Sachen, die sie mit in die Heimat nimmt. „Die Süßigkeiten hier sind lecker“, verkündet sie. Auch Brötchen gehörten zu ihrer Lieblingsspeise.

Käsebrötchen, die sie anfangs noch verschlungen hat, könne sie nun aber nicht mehr sehen. Eine ihrer Lieblingsbeschäftigungen war das Backen mit Anke Herrmann. Das wolle sie nun auch zu Hause mit ihrer Oma machen. „Ich habe extra ein Rezeptbuch geschrieben“, erzählt sie.

Aber es habe auch Zeiten gegeben, in denen nicht alles rosig war. „Vor allem nach Weihnachten hatte ich Heimweh“, gesteht die 16-Jährige. „Aber dann kam der Schnee und nach der ersten Schneeballschlacht war alles wieder gut“, erinnert sich Anke Herrmann. Den Winter fand Isa total toll. „Obwohl ich mich erst an die Temperaturen gewöhnen musste“, sagt sie.

Knapp sechs Monate sind nun um, seit sie bei Herrmanns eingezogen ist. Jetzt heißt es, die Koffer zu packen. Die Geschenke für ihre Familie sind schon auf dem Weg nach Kolumbien – unter anderem eine Weihnachtspyramide aus dem Erzgebirge für die Oma. Und auch wenn sich Isa nun freut, endlich ihre Familie wiederzusehen, ihr einziger Besuch Deutschlands soll es nicht gewesen sein. Ein Wiedersehen mit den Herrmanns wird es geben. Im kommenden Jahr wollen sie nach Cali reisen, erzählen sie.

Kulturelle Vielfalt ist ein Reichtum

Das Humboldteum ist ein gemeinnütziger internationaler Verein.

Der Verein wurde 2006 auf Initiative von Schulleitern Deutscher Auslandsschulen gegründet. Unterstützt werden deutsche, schweizerische und österreichische Auslandsschulen in ihrem Bildungsauftrag durch Extralehrpläne.

Geworben wird mit den Angeboten für eine Welt, in der kulturelle Vielfalt als Reichtum erkannt wird.

Der Austausch erfolgt derzeit mit Schülern aus Kolumbien, Ecuador, Paraguay, Bolivien und auch Japan.

Kontakt Humboldteum in Stuttgart (Königstraße 20): ☎ 0711 / 22214 -01 und 0711 / 22214 -00, E-Mail: info@humboldteum.de Weitere Informationen: www.humboldteum.com

Anja Krüger

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